Sport : Deutsche Rodlerinnen unter Schock Erstmals seit 1995 keine deutsche Weltmeisterin

Lake Placid - Als die einheimischen Fans die Sensationssiegerin Erin Hamlin frenetisch feierten, konnte sich Vize-Weltmeisterin Natalie Geisenberger nicht einmal über ihren zweiten Platz freuen. „Meine Medaille hat einen faden Beigeschmack. Das ist ein kleiner Schock für uns“, sagte die 21-Jährige nach dem Ende der seit 1995 ungebrochenen deutschen Siegesserie bei Rodel-Weltmeisterschaften. „Aber wir wussten, irgendwann kommt der Tag. Und das war halt der Tag.“

Als einzige der erfolgsverwöhnten deutschen Rodlerinnen hatte Geisenberger auf der Bahn von Lake Placid im Medaillen-Rennen mithalten können, doch auch sie konnte das Ende des 14 Jahre langen deutschen WM-Siegeszugs nicht verhindern. Nach einer Trainingswoche voller Probleme staunten die Deutschen schon im ersten WM-Lauf über den Auftritt der 22 Jahre alten Hamlin. „Das gibt es doch gar nicht“, sagte die Olympiasiegerin von 1998, Silke Kraushaar-Pielach. „Aber das bringt sie im entscheidenden Lauf nicht runter.“ Doch die junge Amerikanerin hielt dem Druck stand.

Titelverteidigerin Tatjana Hüfner verkroch sich nach ihrem sechsten Platz erst einmal in der Umkleide und fand erst nach einiger Zeit ihre Sprache wieder. „Ich bin tief enttäuscht“, sagte die 25-Jährige. „Aber die Probleme vom Training haben sich dann im Wettkampf fortgesetzt.“ Schon im Abschlusstraining am Donnerstag kam keine der sonst meist ungefährdeten deutschen Rodlerinnen mit den Bahn zurecht. „Das ist hier halt das Heimspiel der Amerikaner“, sagte der dreimalige Olympiasieger Georg Hackl, der am Abend vor dem Rennen noch eine Video-Analyse mit Geisenberger betrieben hatte. Josef Fendt, Präsident des Rodel-Weltverbandes, konnte sich nach dem denkwürdigen Rennen freuen: „Aus internationaler Sicht ist eine Mischung der Medaillen sehr angenehm. Und es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass die deutschen Frauen immer alles gewinnen.“ dpa

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