Deutsche Schwimmer : Auch die Vize-Weltmeisterin säuft ab

Noch eine Pleite für die deutschen Schwimmer: Medaillenhoffnung Annika Lurz aus Würzburg verpasste das Halbfinale über 200 Meter Freistil.

Frank Bachner
Peking 2008 - Schwimmen Training - Lurz
Abgesoffen. Annika Lurz überstand ihren Vorlauf über 200 Meter Freistil nicht.Foto: dpa

Die Vize-Weltmeisterin über diese Strecke schlug im Vorlauf erst nach 1:59,98 Minuten an und landete damit auf Rang 22. Ihre eigene Bestzeit verpasste sie um 4,3 Sekunden. Dabei hatte man sich im deutschen Lager von der 28-Jährigen über diese Distanz eine Medaille erhofft. Den Vorlauf gewann die Italienerin Federica Pellegrini mit der Weltrekordzeit von 1:55,45 Minuten. Annika Lurz fand nie zu ihrem Rhythmus, sie lag schon bei 50 Metern weit zurück und wurde im Verlauf des Rennens immer weiter durchgereicht.

Eine Erklärung für diese indiskutable Leistung hatte sie unmittelbar nach dem Rennen nicht, aber viel spricht dafür, dass sie Opfer ihrer Nerven wurde. Annika Lurz ist eine hochsensible Schwimmerin, die bis vor kurzem noch auf dem Startblock überaus nervös war. Noch immer ist sie bis zwei, drei Minuten vor dem Start vollkommen angespannt. Schon bei der Weltmeisterschaft 2007 hatte sie nur mit großem Glück noch das Halbfinale über ihre Spezialstrecke erreicht. Damals hatte sie sich von der miserablen Stimmung im deutschen Team mitreißen lassen. Die deutsche Mannschaft hatte an den ersten beiden Wettkampftagen wenig erreicht, das sorgte für eine schlechte Atmosphäre. Eine Parallele zu Peking, auch hier haben die meisten deutschen Schwimmer an den ersten beiden Tagen maßlos enttäuscht.

In Melbourne wurde Annika Lurz erst durch eine Standpauke ihres Mannes und Trainers Stefan aus ihrer Tristesse gerissen. Der schrie sie im Hotel nach dem Vorlauf an: „Pack Deine Koffer, Du hast bei einer Weltmeisterschaft nichts zu suchen.“ Das wirkte, als hätte jemand bei Annika Lurz einen Schalter umgelegt. Dann schwamm sie im Finale wie entfesselt. Sie hatte die beste Startzeit ihres Lebens, sie hatte die schnellsten Wenden ihres Lebens, sie schwamm mit 1:55,68 Minuten zur Silbermedaille.

In Peking aber gibt es über 200 Meter Freistil keine Chance zur Rehabilitierung. Annika Lurz hat jetzt nur in der 4 x 200-Meter-Staffel die Chance, noch einmal eine Medaille zu gewinnen. Allerdings sieht es derzeit nicht danach aus. Denn Petra Dallmann, die auch in der Staffel schwimmen wird, erreichte nur 2:00,21 Minuten. Damit lag sie mehr als 1,5 Sekunden über ihrer Bestzeit. Das Halbfinale erreichte sie natürlich nicht.

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