Sport : Deutsche Schwimmer starten furios in die EM

Die Sprintstaffel der Frauen holt Gold in Weltrekordzeit, die Männer werden auch Europameister und Nicole Hetzer erringt Bronze

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Berlin (Tsp). Nach vier EM-Tagen im Templiner See und Springwettkämpfen sind die deutschen Schwimmer am Montag furios in die Beckenwettbewerbe gestartet: Die Frauen-Staffel holte Gold über die 4x100 Meter Freistil und schwamm mit 3:36,00 Minuten einen neuen Weltrekord. Im Alleingang zogen Katrin Meißner, Petra Dallmann, Sandra Völker und Schluss-Schwimmerin Franziska van Almsick waren den anderen Nationen davongezogen. Insgesamt blieben sie sogar noch 61 Hundertstelsekunden unter der Zeit, mit der die USA bei Olympia gesiegt hatten. Sandra Völker konnte sich gar nicht mehr beruhigen: „Es war wunderschön. Nach meinen Rückschlägen aus dem Winter freue ich mich um so mehr, dass alles so gut geklappt hat.“

Die Männer-Staffel aus Lars Conrad, Stefan Herbst, Torsten Spanneberg und Stefan Kunzelmann machte den Staffel-Sieg kurz darauf nach – allerdings ohne Weltrekord – und verwies Schweden (3:17,75) und Italien (3:18,20) auf die Plätze. „Das war eine tolle Atmosphäre, fast wie bei Olympia 2000 in Sydney“, sagte Kunzelmann nach dem Rennen angesichts der 4000 jubelnden Zuschauer in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee.

Noch eine Medaille hatte es zuvor über die 400 Meter Lagen gegeben. Da hatte Nicole Hetzer aus Magdeburg nach 4:42,22 Minuten Bronze gesichert. Olympiasiegerin und Weltmeisterin Jana Klotschkowa aus der Ukraine verteidigte mit 4:35,10 ihren EM-Titel von Helsinki 2000. Zweite wurde die Ungarin Eva Risztov mit 4:36,17. Cheftrainer und Sportdirektor Ralf Beckmann kommentierte voller Stolz: „Das war ein Auftakt nach Maß.“

Die deutschen Kunst- und Turmspringer vervollständigten den großen Tag des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) mit Silber durch Andreas Wels aus Halle mit 463,59 Punkten im Wettbewerb vom Dreimeterbrett. Sieger wurde der überragende alte und neue Europameister Dimitri Sautin aus Russland (495,45).

Für Wels war es ein harter Kampf. Im fünften Durchgang sprang er den dreieinhalbfachen Auerbach, seinen Schlüsselsprung. „Da ging ich volles Risiko, hopp oder topp“, sagte Wels. Umso höher ist diese Leistung einzuschätzen, als Wels sich zu diesem Sprung hatte überwinden müssen: Im April 2001, auch in Berlin, hätte sich Wels dabei fast das Genick gebrochen. Bei einem Lehrgang war er mit dem Kopf gegen das Brett geknallt und mit schwerer Gehirnerschütterung am Beckenrand liegen geblieben. Drei Wochen lag er im Krankenhaus, drei Monate konnte er nicht springen. Wels’ Vater und Trainer sagte: „Wichtiger als die Platzierung ist, dass Andreas hier seinen Komplex abgeschüttelt und vergessen hat, was auf dieser verfluchten Anlage passiert ist.“

Derweil häuft sich die Kritik an der Durchführung von Halbfinals. Zu den Kritikern gehört auch Weltrekordlerin Sandra Völker. „Halbfinals sind überflüssig“, sagte sie in Berlin. Sie erschwerten es den so genannten Viel-Startern, drei oder mehr Einzel-Medaillen gewinnen zu können. Durch einen zusätzlichen Lauf bei allen Einzel-Strecken bis 200 m Länge und durch knapp bemessene Zeitpläne muss die 28-Jährige von der SG Hamburg in Berlin auf einen Start über 50 m Freistil verzichten. Europarekordler Thomas Rupprath büßt aus dem gleichen Grund die Chance ein, die 200 m Schmetterling zu bestreiten. Verbände wie der Europäische Schwimmverband LEN oder die Dachorganisation FINA versprechen sich von den Semifinals mehr Aufmerksamkeit im TV, weil bedeutende Wettkämpfe seit Einführung der neuen Regel einen Tag länger dauern. Für die EM in Berlin schätzt LEN-Direktor Alessandro Sansa die Gesamt-Zuschauerzahl auf 200 Millionen Menschen.

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