• Deutsche Spieler als Auslaufmodelle: in der Bundesliga-Vorrunde setzten die Klubs 44,9 Prozent Ausländer ein

Sport : Deutsche Spieler als Auslaufmodelle: in der Bundesliga-Vorrunde setzten die Klubs 44,9 Prozent Ausländer ein

Die ausländischen Spieler sind in der Fußball-Bundesliga weiter auf dem Vormarsch. In der Rückrunde werden bei den 18 Vereinen 226 der insgesamt 563 Arbeitsplätze durch Profis und Vertragsamateure aus rund 50 anderen Nationen aller Erdteile besetzt sein. Nach Ablauf der Transferperiode Mitte Januar ergibt sich aus den jüngsten offiziellen Kaderlisten des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) damit ein neuer Rekordanteil von 40,1 Prozent, allein bei den Lizenzspielern beträgt er mit einem Verhältnis von 195:268 sogar 42,1.

In der zweiten Halbserie der vergangenen Saison hatte die Quote noch bei 37,8 Prozent gelegen. Vier Jahre nach dem Bosman-Urteil haben nach Hertha BSC mit Schalke 04, dem Hamburger SV, Bayer Leverkusen und dem VfB Stuttgart außerdem inzwischen vier weitere Klubs die magische 50-Prozent-Marke erreicht und überschritten.

Noch stärker fällt der Verdrängungsprozess deutscher Spieler in den Stammformationen aus. Zu bereits 44,9 Prozent (vergangene Saison 41,6) waren die Mannschaften in der laufenden Serie bei ihren Vorrundentreffen mit Legionären bestückt. Nach einer dpa-Statistik setzten die Eliteklubs pro Partie einschließlich Wechselkontingent durchschnittlich 6,2 ausländische und 7,6 deutsche Akteure ein. Das Gesamtverhältnis liegt damit auf diesem Sektor bereits fast bei 1:1. Spielanteile bekamen insgesamt 180 Arbeitnehmer anderer Staaten und noch 227 einheimische. In der Torschützenbilanz dieser Saison führen die Gastspieler sogar erstmals, mit 224:202 Treffern.

Dies alles geschieht ungeachtet der Bestrebungen der FIFA, der UEFA und einiger Landesverbände, auf der politischen europäischen Bühne aus nationalen Gesichtspunkten Beschränkungen zu erwirken. Gefordert wird eine Klausel, die das Einsatzkontingent auf maximal fünf Spieler anderer Länder reglementiert. FIFA-Pressesprecher Andreas Herren sieht Chancen. "Es wird nach Lösungen gesucht, die negativen Folgen des Bosman-Urteils zu mildern. Dieser Prozess wird länger dauern. Aber die EU hat signalisiert, dass trotz aller Freizügigkeit in Europa die Autonomie der Verbände unangetastet bleiben soll", erklärte er.

Deutsche Spieler sind offenbar ein Auslaufmodell. Bereits mehr als die Hälfte der Bundesligisten bekäme arge Probleme durch neue Richtlinien. Schalke 04, das mit dem Rekordeinkauf des Belgiers Lokonda Mpenza für 17 Millionen Mark in der Winterpause einen neuen Maßstab setzte, hat sich auch als gastfreundlichster Verein auf die Spitzenposition gesetzt. Die Königsblauen sind mit jetzt 17 Profis fremder Nationalität am üppigsten eingedeckt. In der Vorrunde setzten sie 67,2 Prozent Ausländer ein, bei Hertha (Achter) waren es 48,6, bei der Spvgg Unterhaching nur 12,2. In der Rückrunde stehen in Schalkes Kader 58,6 Prozent Ausländer, bei Hertha (Platz fünf) sind es 50 Prozent.

Teils mit Krampf haben Vereine wie Schalke, Leverkusen, HSV, Freiburg oder 1860 München ihre nach DFB-Vorschriften mindestens zwölf vorgeschriebenen deutschen Lizenzspieler in den Kader bekommen. Von ihnen dienen etliche nur als Alibi.

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