Deutsche Sportlotterie : „Manche hören wegen Geldproblemen auf“

Die Deutsche Sportlotterie soll Profiathleten in Deutschland eine stabile Finanzierung verschaffen. Die Fünfkämpferin Lena Schöneborn setzt sich für ein Sportlerleben „oberhalb der Armutsgrenze“ ein.

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"Wenn ein Sportler am Ende des Monats seine Miete nicht zahlen kann, dann steht sein Erfolg beim Wettbewerb auf dem Spiel", sagt Lena Schöneborn. Die Moderne Fünfkämpferin engagiert sich für die geplante Sportlotterie.
"Wenn ein Sportler am Ende des Monats seine Miete nicht zahlen kann, dann steht sein Erfolg beim Wettbewerb auf dem Spiel", sagt...Foto: dpa

Frau Schöneborn, haben Sie Geldsorgen?

Eigentlich nicht. Ich bin früh, schon mit 16, als Athletin in die Sportförderung aufgenommen worden und habe mich bis heute auch durch meine Goldmedaille 2008 in Peking in die höchste Kategorie der Sportförderung gearbeitet. Durch meine Erfolge war ich in der Lage, an Sponsoren heranzutreten. Ich kann mich auf mein Training konzentrieren. Man muss schauen, welchen Lebensstandard man will, aber ich habe aktuell keine Geldsorgen, nein.

Sind Sie eine Ausnahme? Von anderen Athleten hört man andere Geschichten.
Es kommt natürlich auf die Sportart an. Ich muss Ihnen ja nicht erklären, dass es im Profifußball ganz andere Möglichkeiten gibt als in der Leichtathletik. In Sportarten, die nur wenige Menschen sehen, obwohl sie attraktiv sind, so wie Kanu, Judo oder eben der Moderne Fünfkampf, ist es viel schwieriger, sich ausreichend zu finanzieren. Ich kenne drei, vier Athleten allein in meiner Sportart, die waren spitze, konkurrenzfähig, aber sie haben wegen finanzieller Probleme aufhören müssen. Das finde ich sehr schade.

Welche Rolle spielt Geld eigentlich beim sportlichen Erfolg?
Da spielen so viele Faktoren eine Rolle. Aber ich sage mal so: Wenn ein Sportler am Ende des Monats seine Miete nicht zahlen kann, dann kann er oder sie schlecht trainieren, und dann steht der Erfolg im Wettkampf auf der Kippe.

400 Millionen Euro fließen jährlich in den deutschen Sport alleine aus Steuergeldern. Ist es nicht ein Armutszeugnis, wenn Sportler am Existenzminimum leben müssen?
Mit den 400 Millionen Euro werden ja auch Infrastruktur und Breitensport gefördert. Im Vergleich zur Kulturförderung sind 400 Millionen sehr wenig. Wir, in Deutschland, haben kein System, um Spitzensportlern ein würdiges Leben zu ermöglichen, neben ihrem Beruf als Sportler. Viele von uns müssen nebenbei Arbeit, ein Studium absolvieren, das kann man tatsächlich noch mit dem Training vereinen. Aber man bekommt dann kein Bafög, weil das Studium mit dem Training abgestimmt werden muss und es dadurch länger dauert. Es gibt wenige Arbeitgeber, die flexibel auf Leistungssportler eingestellt sind. Etwas muss sich verändern. Als ich vom Lotterie-Projekt erfahren habe, fand ich das eine super Idee.

Geht es beim Lotterie-Projekt vor allem um die Finanzierung von Goldmedaillen?
Es geht um den Erfolg der deutschen Athleten. Sie repräsentieren Deutschland. Bei Olympischen Spielen schauen wir alle auf den Medaillenspiegel. Wir ärgern uns, wenn wir nicht genug Edelmetall gewinnen. Bezahlen will das aber natürlich niemand.

Wie viel kostet denn ein erfolgreicher Athlet pro Monat?
Das ist schwierig. Wir peilen an, zusammen mit den monatlichen 300 Euro aus der Sportförderung, dass einem Athleten rund 1000 Euro im Monat zur Verfügung stehen. Es darf nicht zu nah an der Armutsgrenze sein, aber wir reden auch nicht über Unsummen pro Person.

In Deutschland fließen Einnahmen aus der Glücksspirale in den Breitensport. Wäre die Sportlotterie da nicht eine Konkurrenz?
Die Glücksspirale ist ja nicht an sich als Sportförderung gedacht. Nur ein Teil des Geldes fließt in den Breitensport. Viele Sportfunktionäre und Politiker haben Angst, dass unser Projekt eine kannibalisierende Wirkung haben könnte. Ich denke nicht, dass das passiert. Wir sprechen ja auch eine andere Zielgruppe an.

Wer soll denn Lose kaufen?
Wir haben keine bestimmte Altersgruppe im Blick. Es geht uns aber um gut ausgebildete Sportfreunde, die dem deutschen Leistungssport etwas Gutes tun wollen. Das sind vielleicht nicht die klassischen Fußballfans. Das sind Leute, die Olympische Spiele, Weltmeisterschaften und Turniere in den sogenannten Randsportarten verfolgen und gleichzeitig wissen, welche Bedeutung das für Deutschland haben kann, wenn wir dort auch gute Leistungen und Sportler hervorbringen.

Und wo kann man die Lose kaufen?
Übers Internet, aber auch auf anderen Wegen, zum Beispiel über einen Losversand durch Zeitungen. Vereine nutzen wir auch als Vertriebsweg. Es geht darum, dass die Los-Käufer sportaffin sind. Ich habe Betriebswirtschaft und Management studiert. Nachdem ich mir das Projekt im Detail angeschaut habe, kann ich sagen, dass wir gut aufgestellt sind. Es gibt genug Leute in Deutschland, die den Sport in seiner Vielfalt lieben und uns unterstützen werden.

Ab wann funktioniert denn das System eigenständig? Wie viele Lose müssen pro Woche verkauft werden?
Langfristig streben wir einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro an. Das sind rund 770 000 Spieler, die im Schnitt zwei Lose kaufen. Das gibt der Markt aber her. Und der ganze Aufwand lohnt sich wie gesagt für den deutschen Sport. In Großbritannien ist das Lotterie-Modell sehr erfolgreich. Es ist unglaublich, was die britischen Athleten nun leisten. Im Vergleich zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen haben sie zu Hause in London drei Mal so viele Medaillen gewonnen.

Das britische Erfolgsmodell ist für den Deutschen Olympischen Sportbund aber kein schlagendes Argument. Zumindest klang man beim DOSB nicht begeistert.
Das stimmt. Das verstehe ich nicht, warum die so zurückhaltend sind. Da müssen Sie aber den DOSB selbst fragen.

Interview: Mohamed Amjahid

DIE SPORTLOTTERIE

Das Projekt des Krefelder Unternehmers Gerald Wagener soll im September 2014 an den Start gehen. Rund 30 Prozent der Einnahmen sollen als finanzielle Unterstützung an Profiathleten und in die Arbeit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) fließen. Über die Verteilung der Gelder entscheidet ein Beirat. Nach Steuern und Verwaltungskosten soll der Rest (32 Prozent) an die Spieler ausgezahlt werden. Ein Los kostet drei Euro und wird über das Internet, Vereine und Filialen einer Supermarktkette vertrieben. Freitags ist Ziehungstag. Der Höchstgewinn wird mit 500 000 Euro beziffert. Getippt wird eine achtstellige Kombination, bestehend aus den fünf olympischen Farben, einer Winter- und Sommersportart und einer Medaillenkombination.

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