• Deutsche Topläufer: Schlanker gleich schneller - Nach diesem Rezept läuft Damian Kallabis nach Sydney

Sport : Deutsche Topläufer: Schlanker gleich schneller - Nach diesem Rezept läuft Damian Kallabis nach Sydney

Ernst Podeswa

Schlank - schlanker - schnell. Nach diesem Motto verfahren deutsche Topläufer, um den leichtgewichtigen Wunderläufern aus Afrika an den Fersen zu bleiben. Nils Schumann, 800-m-Europameister aus Erfurt, hat sieben Kilogramm abgespeckt. Auf fünf Kilo beziffert sich der Gewichtsverlust von Damian Kallabis, Kontinent-Champion 1998 in Budapest über 3000 m Hindernis. Das Leben nach Diätvorgaben wird vom Ehrgeiz genährt, bei den Olympischen Spielen in Sydney weit vorn einzukommen.

"Als mich meine Mutter nach längerer Zeit wieder gesehen hat, schlug sie die Hände zusammen: Junge, wie siehst du denn aus? Aber ich fühle sehr wohl mit meinen jetzigen rund 62,5 kg. Noch zur Cross-WM im Frühjahr wog ich 67,5 kg", berichtet der 27-Jährige vom SC Charlottenburg, der sich bis auf die nach wie vor blasse Hautfarbe dem Habitus der afrikanischen Asketen auffallend genähert hat. Wie Schumann - oder Marathonläuferin Uta Pippig - hat der in Potsdam lebende Berliner dies durch gezielte Ernährung und knüppelhartes Training erreicht. 61 kg in Sydney sieht er als "optimales Wettkampfgewicht".

Vier Wochen Kenia, drei Wochen zu Hause, vier Wochen Teneriffa, Cross-WM in Portugal, vier Wochen Kalifornien (Los Angeles/ San Diego), sechseinhalb Wochen Höhenlager in Flagstaff (USA) - das waren die Trainingsstationen von Kallabis seit Jahresbeginn. Natürlich hatte er den Verband stets penibel darüber informiert und sich per E-mail dies vom DLV bestätigen lassen. Um sich nicht wie im Vorjahr - auch aus dem Umfeld von Dieter Baumann - das Ausweichen vor Dopingkontrollen vorwerfen lassen zu müssen. In diesem Jahr ist der Berliner bereits fünf Mal kontrolliert worden. Beispielsweise unmittelbar nach der Rückkehr von der Cross-WM, nach der Ankunft aus dem Höhenlager und in Kenia durch einen britischen Doping-Kontrolleur. Ergebnisse allesamt negativ. Zum Freispruch Baumanns durch den DLV-Rechtsausschuss sagt Kallabis, der bezichtigt worden war, möglicherweise zusammen mit Trainer und Vereinskollegen Stephane Franke in St. Moritz Baumann eine präparierte Zahnpastatube untergeschoben zu haben, nur so viel: "Bei 99,9 Prozent anderer Athleten wäre der Fall anders gelaufen."

In der Höhe von Flagstaff hat der WM-Vierte des Vorjahres in fünf Wochen 1020 Trainingskilometer absolviert. Mehr als 200 km pro Woche. Im Schnitt, schätzt Kallabis, habe er seit Jahresbeginn 185 km zurück gelegt. "Die Ausdauer ist da, aber die Spritzigkeit fehlt", kommentierte die deutsche Medaillenhoffnung für Sydney den 1500-m-Einstand in der Vorwoche im Mommsenstadion (3:47,13 Minuten).

Am Sonntag in Nürnberg wollte er nochmals einen Schnelligkeitstest auf der Mittelstrecke unternehmen, doch der Veranstalter bestand darauf, den besten Deutschen über 3000 m Hindernis zu präsentieren. Obwohl Kallabis im Saisonverlauf die Ausdauer, aber kaum Hindernis- und Hürdentechnik geschult hat, unterbot er als Zweiter hinter dem Holländer Vroemen (8:13,36) die deutsche Olympianorm von 8:20 mit 8:18,41 Minuten. Allerdings war vergessen worden, schon auf der ersten Runde das zweite Hindernis einzurücken, so dass die Zeit nicht bestenlistenreif ist: "Das ist nicht so tragisch. Ich hab noch paar Mal die Gelegenheit, die Normzeit zu schaffen." Die nächste ergibt sich bereits am Freitag beim Golden-League-Metting in Rom. Ansonsten möchte er bis Sydney nur wenige Wettkämpfe über 3000 m Hindernis bestreiten. Um die Kenianer möglicherweise wie beim Weltcuperfolg 1998 nochmals zu überraschen - schnell wie seinerzeit, aber deutlich schlanker.

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