Sport : Deutsche Tourenwagen Masters: Immer schön geradeaus

Christian Hönicke

"Die Start-Ziel-Gerade, da geht es immer schön geradeaus", ist die süffisante Antwort, wenn man Bernd Schneider nach seiner Lieblingspassage auf dem Lausitzring fragt. Kein Wunder, hat er doch im letzten Jahr aufgrund wolkenbruchartiger Niederschläge kaum mehr von der Strecke gesehen, bevor das Rennen abgebrochen wurde. Dem in der Meisterschaft führenden Titelverteidiger der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) sind Starallüren fremd. Das und natürlich sportliche Erfolge machen den 37-Jährigen zum Aushängeschild dieser Rennserie. Die DTM bedeutet: moderate Eintrittspreise, freier Zugang zur Boxengasse, Fahrer, die auch kurz vor dem Rennen noch Autogramme geben - Zustände, die in der Formel 1 undenkbar sind. "Wenn die Leute es toll finden, Wagen mit 900 PS an sich vorbeifahren zu sehen, die sich nicht überholen, und dafür Unsummen an Geld auszugeben", sagt Schneider über die Formel 1, "dann habe ich damit kein Problem." Vor 13 Jahren fuhr er selbst noch einen dieser Wagen, allerdings wegen des hoffnungslos unterlegenen Materials mit mäßigem Erfolg.

Seine Welt sind die serienfahrzeugnahen Tourenwagen, bei denen spektakuläre Überholmanöver und Blechschäden zum Alltag gehören. "Natürlich kann ich keine spannenden Rennen garantieren, schließlich geht auch ein Fußballspiel mal 0:0 aus", gibt Schneider zu. Aber bei 90 Prozent der DTM-Läufe würde den Zuschauern genügend Action geboten. Dazu passt zwar seine Attitüde nicht ganz, wonach er seine Titelverteidigung schon "so früh wie möglich" perfekt machen will, aber das kann man ihm kaum verübeln. Auf dem Lausitzring am Sonntag (15 Uhr) würde er sogar den gebeutelten Konkurrenten von Opel den Sieg gönnen. Doch dafür kommen eher die Audis in Frage, denen die Strecke liegen sollte. Auch das wäre Schneider recht, denn "Hauptsache, Marcel Fässler gewinnt nicht". Der ist mit 43 Punkten Rückstand sein ärgster Verfolger in der Meisterschaft und zugleich sein Markenkollege.

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