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Deutsche Vielseitigkeitsreiter : Zweimal Gold in vier Stunden

An seinem 30. Geburtstag wird Michael Jung erster deutscher Doppelolympiasieger der Spiele. Erst führt er die Vielseitigkeitsreiter in der Mannschaft zu Gold, danach triumphiert er auch im Einzel.

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Michael Jung reitet auf "Sam" nach Mannschaftsgold anschließend auch im Einzel zum Olympiasieg.
Michael Jung reitet auf "Sam" nach Mannschaftsgold anschließend auch im Einzel zum Olympiasieg.Foto: dpa

Der abendliche Besuch in der „Greenwich Tavern“, zwei Minuten Fußweg vom olympischen Reitstadion entfernt, ist für Hans Melzer und sein Gefolge zu einer lieben Gewohnheit geworden. Wenn Feierabend ist in London, gehen der Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter und sein Team mitsamt Angehörigen regelmäßig in den gemütlichen Pub um die Ecke. Eine spezielle Art der Zusammengehörigkeitspflege. Am Dienstag Mittag führte der gemeinsame Umtrunk zu doppelt goldenem Erfolg, den ersten Siegen für die deutsche Athleten bei den Spielen in London 2012.

Um 12.23 Uhr Ortszeit hatte Michael Jung mit seinem Pferd Sam im entscheidenden Springen das letzte Hindernis unbeschadet überwunden. Der Olympiasieg im Mannschaftswettbewerb war der deutschen Equipe nicht mehr zu nehmen, und deshalb schmiedete der Chef auch gleich Pläne für den Abend.

Dabei stand am Nachmittag noch das Einzel-Finale auf dem Programm – und das hatte es in sich: Jung gewann auch dort und wurde innerhalb weniger Stunden Doppelolympiasieger. Was für ein Triumph für die deutsche Olympia-Mannschaft, die bis zum Vortag noch medaillenlos geblieben war! Sandra Auffahrt steuerte eine weitere Medaille hinzu, sie holte Bronze mit ihrem Pferd Opgun Louvo. Zweite wurde die Schwedin Sara Algotsson-Ostholt auf Wega.

Video: Geburtstagskind Jung holt Doppel-Gold

Am liebsten aber hätte der Bundestrainer schon nach dem Team-Wettbewerb mit der Sause begonnen. Völlig aufgelöst, mit rotem Kopf und glänzenden Augen tigerte Hans Melzer am Fuße der Stadiontribüne hin und her und überlegte, ob der Ablauf des Abends diesmal etwas anders gestaltet werden könnte. Immerhin verhalfen die Vielseitigkeitsreiter dem deutschen Olympia-Team mit ihrem Sieg im Greenwich Park zum ersten Gold bei den London-Spielen. Die Idee zu einem Triumphzug durchs olympische Dorf kam auf. „Wenn wir heute noch dorthin zurückkehren, werden wir ganz stolz unsere Runden drehen“, überlegte Melzer schon mal, fügte aber hinzu: „Ich weiß aber nicht, ob wir das machen.“ Denn: „Im olympischen Dorf gibt’s ja nur Fanta und Wasser.“

Damit kann man das deutsche Team nicht locken. Ein Team, das nicht nur Feste feiern kann, sondern auch besten Sport bietet. Im Springen blieben nicht nur Geburtstagskind Jung, der am Dienstag 30 Jahre alt wurde, fehlerfrei. Sondern auch Sandra Auffarth mit ihrem Pferd Opgun Louvo und Dirk Schrade mit seinem Hengst King Artus. „Das ist supergut“, sagte Schrade. „Das ist schön mit ganz vielen Ö.“ Allein Peter Thomsen riss mit seinem Pferd Barny zwei Stangen. Dagegen konnte sich nach Jungs Durchlauf Ingrid Klimke mit ihrem Wallach Abraxxas bereits ganz auf den Einzelwettbewerb am Nachmittag konzentrieren.

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