DEUTSCHE VOLLEYBALLER scheitern im Viertelfinale : Erschöpft am Ziel

Vital Heynen hatte sich hinter seinen Computer geklemmt und studierte statistischen Daten. Es stand 8:8 im zweiten Satz. Der Volleyball-Bundestrainer hatte noch Hoffnung, dass sein Team die Wende schafft. Später lief der Belgier an der Seitenlinie entlang und lutschte an einem Filzstift wie an einem Lolli. Da stand es 14:23 im dritten Satz. Der Bundestrainer Heynen hatte längst keine Hoffnung mehr.

Zwei Minuten danach hatten ihn die Bulgaren erlöst, ihn und sein überfordertes Team auch. Mit 25:20, 25:16, 25:14 gewannen sie im Viertelfinale gegen die deutschen Volleyballer. Die erinnerten an einen Boxer, der nach jedem Treffer immer wackliger auf den Beinen steht, bis er endgültig k.o. geht.

Diagonalangreifer Georg Grozer schüttelte nur den Kopf: „Es ist die eine Sache, zu verlieren, die andere ist, wie man verliert.“ Dennoch: Die Volleyballer haben die beste Leistung bei Olympischen Spielen seit 40 Jahren gezeigt. Dieses Viertelfinale war das große Ziel. Sie haben es geschafft.

Im Herbst 2011, nach dem vorletzten Platz bei der EM, lag die deutsche Nationalmannschaft sportlich am Boden. Doch sie schafften gegen Kuba dennoch die Olympia-Qualifikation und erarbeiteten sich so auch den Respekt anderer Mannschaften.

Heynen hat in kurzer Zeit viel bewegt, vor allem im psychischen Bereich. „Er hat uns wieder Selbstvertrauen vermittelt und erreicht, dass wir unser Potenzial abrufen können. Das ist sein größter Verdienst“, sagt Zuspieler Simon Tischer.

Dass der Druck bei Olympia ganz anders ist als bei sonstigen Turnieren, war klar. Unklar war, wie die Deutschen damit umgehen würden. Sie gingen besser damit um als 2008. Zumindest jene, die in Peking schon dabei gewesen waren. Simon Tischer zum Beispiel. Als der 2008 in Peking die Flughafenhalle betrat, stand er plötzlich 30, 40 aufgeregten Fotografen gegenüber. Die wollten natürlich nicht ihn, die wollten den Riesen, der neben ihm schlappte. Die Volleyballer saßen im gleichen Flugzeug wie Dirk Nowitzki. Frank Bachner

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