Deutsche Zwischenbilanz : Siegertypen und Problemfälle

Der DOSB zieht fünf Tage vor Ende der Olympischen Spiele eine positive Zwischenbilanz. Einzig Boxer, Schwimmer und Leichtathleten hätten die Erwartungen nicht erfüllt.

Friedhard Teuffel[Peking]
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Deutscher Siegertyp. Timo Boll hat in Peking überzeugt, andere deutsche Athleten enttäuschten hingegen.Foto: AFP

Die deutsche Olympiamannschaft hat für Bernhard Schwank viele attraktive Gesichter. „Mit dem Judoka Ole Bischof oder der Fechterin Britta Heidemann oder Timo Boll im Tischtennis und vielen anderen haben wir echte Siegertypen, die dazu noch sympathisch auftreten“, sagt er. Schwank, Direktor für Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), ist offiziell für die Bewertung zuständig, wie sich die deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen in Peking anstellen, ob sie begeistern oder enttäuschen und ob sie sich auch sonst sportlich verhalten. In Peking und auch in Hongkong bei den Reitern macht ihm diese Arbeit offensichtlich viel Spaß. „Mit den gezeigten Leistungen kann man  zufrieden sein“, sagt Schwank. Und es müssten schon seltsame Dinge passieren, damit aus diesem Zwischenfazit nicht auch das abschließende wird, das er am Sonntag bekannt gibt. Dafür müssten schon die Kanuten allesamt aus ihren Booten kippen. 
  
Vier Tage hat die deutsche Mannschaft noch Zeit, um ihr Ergebnis von Athen noch zu steigern. Was die Goldmedaillen betrifft, dürfte ihr das durchaus gelingen. In Athen waren es 13. Das will Schwank jedoch nicht vorrangig den positiven Effekten aus der Fusion von Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischen Komitee zuschreiben, die vor zwei Jahren stattfand. Gleichwohl gibt es einige neue Ansätze, dass Verbände etwa enger mit der Wissenschaft zusammenarbeiten. „Das meiste ist schon im Rollen“, sagt Schwank. Mit den einzelnen Sportverbänden hat der DOSB schon vor den Spielen in Peking Zielvereinbarungen geschlossen, in denen es jedoch nicht nur um Medaillen geht, sondern auch um Entwicklungskonzepte. Die Vereinbarungen sind ausgerichtet auf die Olympischen Spiele 2012 in London.

Probleme in den Kernsportarten

Bei seiner Zwischenbetrachtung in Peking sind Schwank einige Sportarten sehr angenehm aufgefallen, die Fechter und Triathleten, die Judoka und Tischtennisspieler. Richtig verärgert hat ihn nun eine Sparte:„In Zweikampfsportarten wie im Boxen war die Leistung wirklich schlecht.“ Und es gibt noch zwei Problemfälle, über die der DOSB sich bestimmt noch viele Gedanken machen wird. Es sind gerade die beiden olympischen Kernsportarten: Schwimmen und Leichtathletik. Die Leichtathleten haben noch die Chance, ihre Bilanz von Athen mit zwei Silbermedaillen zu übertreffen. Bei den Schwimmern ist schon ein Fazit möglich: „Es ist schon überraschend, dass die meisten weit hinter ihren persönlichen Bestzeiten geblieben sind. Das hat uns aufgeschreckt“, sagt Schwank.

Was tun? Sich nun deshalb in der Sportförderung auf diese beiden und wenige andere konzentrieren, und nicht mehr so viel Geld ins Schießen oder Gewichtheben investieren? Das kommt für Schwank aus zwei Gründen nicht in Frage, einem außenpolitischen und einem innenpolitischen. „Wenn man in der Spitzengruppe dabei sein will, muss man in allen Sportarten gut sein“, sagt Schwank. So viel zur Außenpolitik. Der andere Grund: „Wenn ich die Kernsportarten ausschließe oder mich nur auf sie konzentrieren würde, hätte das Folgen für die Sportentwicklung in Deutschland.“ Auch die nächsten deutschen Olympiamannschaften sollen schließlich bunt und vielseitig erfolgreich sein.

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