Sport : Deutscher Handball-Bund: Altes Risiko am Neuen Markt

Ingo Wolff

Es ist noch nicht lange her, da sorgte der Neue Markt bei vielen für leuchtende Augen. Die Aktien der zukunftsorientierten Technologien und die Vorzüge der diversen Internet-Broker waren auf jeder Party Gesprächsthema Nummer eins. Inzwischen verziehen die meisten Kleinanleger nur das Gesicht, wenn sie auf die New Economy angesprochen werden. Anders ist das beim Deutschen Handball-Bund (DHB). Der freut sich über seinen Internet-Broker, denn der Verband hat nicht bei seiner Bank investiert, sondern andersherum die Bank bei ihm. Der Internet-Broker Systracom Bank AG ist neuer Hauptsponsor des DHB und das vorerst bis Ende 2002.

Die Berliner Internet-Bank ist erst ein halbes Jahr am Markt aktiv und wurde bekannt durch ihre aggressive Preispolitik. Systracom hat als erste die so genannte Flat-Fee eingeführt, einen Festpreis für alle Ordergrößen. Doch das Unternehmensmodell, 9,95 Mark für jeden Handel, erweckt Skepsis. Wie soll der Preisführer im schwierigen Marktumfeld Gewinne erzielen, und wie wirkt sich das später auf die Marketingaktivitäten, also auch das Engagement beim DHB aus? Es gibt das warnende Beispiel des Basketball-Bundesligisten Metabox Braunschweig, dessen namensgebender Hauptsponsor in Zahlungsschwierigkeiten geriet und damit den Sportbetrieb gefährdet. Klaus-Peter Möritz, Vorstandssprecher der Systracom, weist entsprechende Skepsis zurück. "Nach dem Metabox-Fall fühlen wir uns für den DHB besonders verantwortlich. Ich habe mit den Verantwortlichen das Thema diskutiert", sagt Möritz. "Ich sehe keine Gefahren, auch wenn ich mir die Entwicklung auf dem Aktienmarkt anders vorgestellt habe."

Marktexperten sind da deutlich skeptischer. "Das Marktmodell lohnt sich nur bei großen Trades. Ob es aber genug private Händler mit so großem Volumen in Deutschland gibt, wage ich zu bezweifeln", sagt ein Analyst der BHF-Bank. Die Marktexpertin eines Wirtschaftsmagazins fügt zweifelnd hinzu: "Ich weiß gar nicht, warum die an den Erfolg glauben."

Beide Finanzexperten wollen aber nicht namentlich im Zusammenhang mit dem selbsternannten Hauptstadt-Broker erwähnt werden. Sie können sich jedenfalls nicht vorstellen, dass sich das Modell von Systracom bei der Preisstruktur rechnet. Peter Espenheim von der "n-tv Telebörse" erklärt, warum: "Die meisten großen Banken haben Internetbroker als Töchter gegründet und abgesichert. Dann folgen kleine nach, die das Modell versuchen zu kopieren. Ich bin aber der Meinung, das sind zu viele. Es wird eine Marktbereinigung geben, von den zurzeit 13 Banken werden vier bis fünf Banken übrig bleiben."

Neben dem kritisierten Modell kommt die Schwäche des Marktes hinzu, die alle Banken trifft. Die Euphorie ist eben raus. Thomas Koch vom Platow-Brief hat schon vor Wochen über das Marktsegment gesagt: "Die Zahl der Aktionäre stagniert, nur die der Fondsbesitzer nimmt zu. Die Zockerei tritt in den Hintergrund, und deshalb gehen auch Provisionen zurück." Darunter leiden besonders die Internet-Banken.

Lichtblick bei Systracom waren bisher die großen Namen hinter dem Unternehmen. Doch Wolfgang Steinriede, bis 1997 Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Berlin und jetzt bei Systracom, und Bernd Porsch, schillernder Bauträger und einer von drei Aktionären, machen derzeit mehr Schlagzeilen im Immobilienskandal um die Berlin Hyp.

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