Deutscher Profi im Halbfinale : Phänomenaler Haas in Miami

Die Nummer eins der Welt geschlagen, als ältester Profi seit Andre Agassi ins Halbfinale eines Masters-Turniers eingezogen - Thomas Haas schreibt in Miami eine sagenhafte Erfolgsstory.

Jungbrunnen. Thomas Haas ist als ältester Profi seit Andre Agassi ins Halbfinale eines Masters-Turniers eingezogen.
Jungbrunnen. Thomas Haas ist als ältester Profi seit Andre Agassi ins Halbfinale eines Masters-Turniers eingezogen.Foto: dpa

Ein ganz besonderes Kompliment gab's für Tommy Haas von seinem langjährigen Mentor Nick Bollettieri. „Das können nur wenige, in einer Einzelsportart so zurückzukommen wie Tommy es geschafft hat“, sagte die Trainer-Legende nach dem Halbfinal-Einzug des fast 35 Jahre alten Tennisprofis beim Masters-Turnier in Miami.

„Es gibt niemanden, der dich beschützt. Es ist nicht wie in einer Mannschaftssportart, wo du dich verstecken kannst. Ich hatte zwei Schüler, die das konnten: Andre Agassi und jetzt Tommy.“ Der gebürtige Hamburger schreibt derzeit mal wieder ein weiteres Kapitel seiner sagenhaften Erfolgs- und Comebackstory. Erst erteilte er keinem Geringeren als dem serbischen Branchenprimus Novak Djokovic eine 6:2, 6:4-Lektion, dann ließ er im Viertelfinale des Hartplatz-Turniers dem Franzosen Gilles Simon keine Chance. In nur 64 Minuten düpierte Haas die Nummer elf der Setzliste mit 6:3, 6:1 und erreichte das Halbfinale am (heutigen) Freitag (nicht vor 20.00 Uhr MEZ) gegen den Weltranglisten-Fünften David Ferrer aus Spanien.

„Es ist ja noch nicht vorbei. Ich hoffe, dass ich vielleicht sogar noch einen Schritt weiterkomme, das wäre ein Traum“, sagte Haas nach seinem Sieg gegen Simon. Der gewohnt kampf- und laufstarke Rechtshänder hatte zuletzt 2008 gegen Haas gewonnen, diesmal wurde er vorgeführt. „Ich konnte einfach nichts machen. Wenn er so weiterspielt, kann er das Turnier gewinnen“, sagte Simon voller Respekt über Haas, der am kommenden Mittwoch 35 Jahre alt wird.

Der Wahl-Amerikaner bringt in den Tagen von Miami nicht nur die Gegner zur Verzweiflung, sondern auch den Statistikern reichlich Arbeit. Immer wieder müssen diese tief in der Tennis-Geschichte wühlen, um eine ähnliche Story zu finden wie die des Thomas Mario Haas aus dem März 2013. Zuletzt stand die ehemalige Nummer zwei der Weltrangliste 2006 in Paris-Bercy im Halbfinale eines ATP-Masters.

In seinem jetzigen Alter war dies zuvor nur Andre Agassi gelungen, der 2005, wenige Tage vor seinem 35. Geburtstag, ebenfalls in Miami die Vorschlussrunde erreicht hatte und ein paar Monate später sogar beim Masters von Montreal noch im Finale gegen Rafael Nadal spielte.

Vor einem Jahr war Haas als Nummer 145 der Welt nach Key Biscayne gekommen und verließ die Palmeninsel unmittelbar vor dem South Beach von Miami mit einer Zweitrunden-Niederlage gegen Radek Stepanek (Tschechien) und starken Knieschmerzen. Jetzt gehört Haas zu den Top vier der mit 4,2 Millionen Dollar dotierten Veranstaltung.

„Sein Comeback wird der Welt mehr in Erinnerung bleiben als die Tatsache, dass er mal die Nummer zwei der Welt war“, sagte der 81 Jahre alte Bollettieri, der im Tennis so ziemlich alles gesehen und erlebt haben dürfte. „Er war schon abgeschrieben, brauchte Wildcards, musste durch die Qualifikation. Er galt als alter Mann. Es ist unglaublich, wie er zurückgekommen ist“, philosophierte Bollettieri. Und natürlich durfte ein Kommentar des twitterfreudigen Boris Becker nicht fehlen. Via Kurznachrichtendienst ließ er verlauten: „Monumentaler Sieg. Alter ist nichts als eine Zahl.“ (dpa)

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