Sport : Deutscher Ringer-Bund: Der Kanzler ringt mit sich

Ernst Podeswa

Zumindest der prominente Schirmherr hält vorerst noch zum Deutschen Ringer-Bund (DRB). Bundeskanzler Gerhard Schröder hat seine Patenschaft für die WM 2003 in Leipzig trotz der Doping-Querelen im Fall Leipold nicht niedergelegt. Schröder, der auf Anfrage von Verbänden persönlich entscheidet, bei welchen Veranstaltungen er die Schirmherrschaft übernimmt, möchte zunächst die Klärung aller Vorwürfe gegen den DRB abwarten. Über die Zusage des Kanzlers hatte man sich beim Verband in besseren Zeiten hocherfreut die Hände gerieben.

Inzwischen hat sich die allgemeine Euphorie jedoch verzogen, und auch der Bundeskanzler könnte sich bald über sein Engagement für den Ringersport ärgern, denn das Klima zwischen DRB und dem Weltverband Fila hat sich verschlechtert. Zum einen, weil der DRB einen Bruch der Fila-Statuten nicht verhindern konnte: Der in Sydney positiv getestete Alexander Leipold rang dreimal in der Bundesliga mit, obwohl die Fila über ihn eine zweijährige Sperre verhängt hatte.

Weil ein Präsidiumsmitglied des DRB es versäumt hat, die angeforderten Unterlagen zur Affäre fristgemäß der Fila zu übersenden, hat die nun alle DRB-Vertreter vorerst von allen internationalen Veranstaltungen ausgeschlossen. Wenn es so bliebe, dürfte kein Athlet irgendwo im Ausland ringen, kein Kampfrichter tätig sein und kein Wettkampf mit ausländischen Gästen im DRB-Bereich stattfinden. Auch eine Strafgebühr bis zu 50 000 Schweizer Franken könnte folgen.

Doch der DRB steht noch in einer anderen Frage bei der Fila in der Schuld. Rund 70 000 Mark Transfergebühren sollte der Ringerbund bis zum 15. Februar dafür zahlen, dass rund 150 Sportler aus aller Herren Länder in den diversen Bundesligen die Matten putzen. "Ein Olympiasieger oder Weltmeister kostet 1000 Franken pro Saison, ein EM-Medaillengewinner 750 und andere 300 Franken", sagte Harold Tünnemann, DRB-Vizepräsident aus Leipzig.

Die Forderung der Fila ist keine Schikane, denn sie muss die Starterlaubnis für die Bundesligen erteilen und will wie andere internationale Sportverbände Bearbeitungsgebühren kassieren und damit das Ringer-Eldorado Germany ein bisschen unter Kontrolle bringen. Was sich da so abspielt, verdeutlicht Helmut Börner, Geschäftsführer beim Luckenwalder SC: "Als wir zu einem Wettkampf in Dänemark waren, trafen wir zwei Schweden, die in einem Mannschaftswettbewerb für eine dänische Mannschaft rangen. Zuvor jedoch waren sie gegen uns in der Bundesliga für einen deutschen Verein angetreten."

Die Schweden handelten nach dem Motto: Ringen, wo es Geld gibt. Und da es in Deutschland dafür am meisten gibt, drängt es die Ringer freien und griechisch-römischen Stils in die Bundesligen. Oft mit falschen Pässen, ohne Arbeitserlaubnis und unter Umgehung von Versicherungsbeiträgen, weil schwarz gezahlt wird. Schätzungsweise vier bis fünf Millionen Mark fließen so ins Ausland.

Der Ringer-Bund weiß davon, ist aber machtlos. Die Fila weiß davon und will zumindest über die Transferprovision ein wenig partizipieren. In der Bredouille ist allerdings der Ringer-Bund. Luckenwalde hat für seinen Weißrussen Alexander Pawlow, ein 54-kg-Klassiker, ordnungsgemäß 360 Mark überwiesen. Auch vom unterklassigen PSV Rostock ist die Gebühr für einen polnischen Sportsfreund eingetroffen. Doch vor allem die Vereine, in denen sich international dekorierte Gastarbeiter tummeln, weigern sich. Unrühmlichstes Beispiel ist der Titelverteidiger Aalen, bei dem ein Schrotthändler angeblich eine Million Mark in sein Starensemble (nur ein Deutscher) investiert. Das Argument der Zahlungsunwilligen: Die Forderungen richten sich an den DRB, soll der doch zahlen.

Für den Verband aber bedeuten 70 000 Mark zehn Prozent des Jahresetats. Das ist exakt die Summe, die per anno für die Förderung des Frauenringens vorgesehen ist. Mittlerweile ist aber ein Drittel des Betrages eingegangen. "Wir haben eine erste Rate von 25 000 Mark an die Fila überwiesen und haben erreicht, dass der Rest bis August zahlbar ist", sagt Tünnemann, Chef der Fila-Wissenschaftskommission. Der Leipziger hofft, dass die Vereine ihre Verantwortung erkennen. Und dass der oberste Sportrichter der Fila, der Italiener Aldo Albanese, im Falle Leipold anerkennt, dass der DRB alles in seiner Macht Stehende getan hat, um den nationalen Start des Dopingsünders zu verhindern.

So stünde denn der Schirmherrschaft Gerhard Schröders für die WM nichts mehr im Wege. Es sei denn, der Wähler will 2002 einen anderen Kanzler.

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