Deutscher Schwimm-Nachwuchs : Neue Namen braucht das Land

Eine Aufgabe - so knifflig wie Eierlaufen: Nachwuchsbundestrainer Achim Jedamsky will den Schwimm-Kader auf dem Weg zur Spitze verjüngen.

von
Mit offenen Armen nach der Zukunft greifen. Kathrin Demler, hier in Berlin auf der 200-Meter-Lagen-Strecke, gehört zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsathleten im Deutschen Schwimm-Verband.
Mit offenen Armen nach der Zukunft greifen. Kathrin Demler, hier in Berlin auf der 200-Meter-Lagen-Strecke, gehört zu den...Foto: dpa

Achim Jedamsky macht seinen Job nun bereits im 13. Jahr. Der ehemalige Frauen-Bundestrainer des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) und derzeitige Chef der Junioren beschreibt seine Aufgabe so: „Der Umgang mit jungen Talenten ist in etwa so, als ob man ein rohes Ei auf dem Löffel trägt. Man muss auf dem Weg zur Spitze ständig aufpassen, dass es nicht runterfällt.“

Nach Tag zwei der deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin war mit seinen Ergebnissen zumindest schon einmal eine Trendaussage zu Stand und Defiziten des nationalen Niveaus möglich. Und eines ist sicher: Man muss sich an neue Namen gewöhnen. Achim Jedamsky hat deshalb ein umfängliches Arbeitspensum.

Der Nachwuchsbundestrainer hat bereits einige Höhen und Tiefen in seinen Trainerjahren erlebt. Bilanziert er die jüngere Historie, stellt er fest: „Wir haben es versäumt, die Integration der Begabten in den A/B-Bereich so voranzubringen, dass wir in der offenen Klasse vorn sind.“ Die Erkenntnis daraus ist: „Wir müssen früher damit beginnen, wenn wir die international geforderte Qualität erreichen wollen.“ Hätte man dies getan, wäre womöglich eine schnellere und effektivere Verjüngung der Auswahl, die unabwendbar ist, bereits vollziehbar. Und „es hätte den Talenten gezeigt: Wir gehören dazu“. Stattdessen sei meist auf die arrivierten, älteren Athleten zurückgegriffen worden. Als er vor vier Jahren beim damaligen Chef-Bundestrainer Dirk Lange einen entsprechenden Vorstoß unternommen habe, sei er damit nicht durchgekommen.

Nach allgemeiner Erkenntnis liege das Höchstleistungsalter im Schwimmen bei Männern zwischen 23 und 26 Jahren, bei Frauen zwischen 20 und 23. Mithin ist eine strategische und langfristige Arbeit im Nachwuchs unumgänglich. Ein Ausdruck dieser Überzeugung ist die Bildung des Perspektivkaders 2016, zu dem 20 bis 24 Athletinnen und Athleten gehören. Kein Kader um seiner selbst willen, sondern einer mit Qualität, wie Jedamsky betont. Besetzt mit Medaillenträgern der Jugend-Europameisterschaften (JEM), immer offen für Quereinsteiger und Spätentwickler. Achim Jedamsky nennt Namen wie die von Kathrin Demler (400-Meter-Lagen-Meisterin), Sarah Köhler, Leonie Antonia Beck, der Berliner Brustschwimmerin Margarethe Hummel bei den Frauen. Christian Diener, Marek Ulrich, Maximilian Oswald sind Kandidaten bei den Männern.

Oswald, der bei der SG Neukölln trainiert und bei der JEM 2012 die Titel über 50 und 100 Meter Freistil gewann, wird außer auf der Nebenstrecke 50 Meter Schmetterling, auf der der 1,95 Meter große Krauler am Freitag die neuntschnellste Vorlaufzeit schwamm, am Sonnabend die 100 Meter und am Sonntag die 50 und 200 Meter Freistil in Angriff nehmen. Die kommenden Weltmeisterschaften im Sommer in Barcelona blendet Oswald derzeit noch aus. In der fernen Zukunft liegen aber die Olympischen Spiele 2016. „Rio ist ein Muss“, so der Berliner, „Wenn ich da keine Medaille zum Ziel hätte, wäre ich kein ehrgeiziger Sportler.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben