Sport : Deutscher Skiverband buhlt um seinen ehemaligen Trainer

Markus Seyrer

Der Deutsche Skiverband (DSV) zieht aus der Dauer-Talfahrt der deutschen Männer erste Konsequenzen und will Erfolgscoach Martin Osswald als neuen Herren-Cheftrainer für die kommende Saison verpflichten. "Ein erstes Gespräch hat schon stattgefunden. Wir werden uns in den nächsten 14 Tagen noch einmal treffen, um unsere Vorstellungen abzuklären, aber die Sache ist auf dem Weg", sagte Alpin-Chef Walter Vogel am Dienstag. Auf beiden Seiten sei Interesse vorhanden.

Seit dem Abschied von Rainer Mutschler, der im Herbst 1999 als Marketing-Mann zum Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart wechselte, war der Trainer-Posten im DSV vakant. Osswald war bereits bis zu den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer, wo Markus Wasmeier zweimal Gold gewann, Chefcoach der deutschen Herren.

Nach einem Übergangsjahr wechselte der 49-jährige Allgäuer aus Blaichach zu den Norwegern, die er ebenfalls in die Erfolgsspur führte. Lasse Kjus gewann im vergangenen Jahr den Gesamt-Weltcup und war mit zweimal Gold und dreimal Silber der erfolgreichste Medaillen-Sammler der WM in Vail. Kjetil-Andre Aamodt holte Gold in der Kombination und Bronze in der Abfahrt. Osswalds Vertrag in Norwegen läuft am Saisonende aus.

Auch im Damen-Bereich zog der DSV Konsequenzen aus der Schwäche in den technischen Disziplinen. Nachdem Martina Ertl zwischen Weihnachten und Neujahr fünf Tage mit dem Österreicher Toni Trenkwalder trainierte und danach in Berchtesgaden mit Platz drei in die Weltspitze zurückkehrte, wird Trenkwalder sie auch für den Rest der Saison begleiten. Der Tiroler Landestrainer und freie Mitarbeiter ihrer Skifirma hatte die Ertls Technik umgestellt und ihr neues Selbstvertrauen gegeben.

"Die Zusammenarbeit mit ihm hat unheimlich gut getan", gab Ertl zu, betonte aber, dass sie Mitglied der Mannschaft bleiben wolle: "Ich werde auf keinen Fall mit einem eigenen Team durch den Weltcup tingeln, dazu fühle ich mich in der DSV-Mannschaft viel zu wohl. Außerdem waren alle Maßnahmen mit Cheftrainer Wolfgang Maier abgesprochen." Trenkwalder wird nur bei den Weltcups in Slalom und Riesenslalom dabei sein. Er wird vom DSV integriert und auch akkreditiert, allerdings wird er nicht im Mannschaftshotel wohnen.

Trotz des neuen Betreuers wollte Walter Vogel von Kritik an DSV-Techniktrainer Wolfgang Grassl nichts wissen. "Natürlich war er nicht der große Sieger von Berchtesgaden, aber er macht gute Arbeit und genießt weiter unser Vertrauen", sagte der Alpinchef und stärkte dem angeschlagenen Coach den Rücken. Warum dann Ertl einen neuen Mann an ihrer Seite bekomme? "Martina nutzt einfach das gesamte Angebot, das der DSV ihr bietet. Wir legen ihr dabei keine Steine in den Weg. Schließlich wollen wir alle den Erfolg."

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