Deutsches Eishockey : Olympia ist ein Muss"

Bundestrainer Pat Cortina spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über das Qualifikationsturnier der deutschen Eishockeynationalmannschaft und die Bedeutung einer Olympiateilnahme für die Sportart.

Thorsten Langenbahn
Pat Cortina, 48, ist seit Sommer 2012 Eishockey-Bundestrainer. Bis Saisonende betreut der in Montreal geborene Kanadier zudem noch den EHC München. Zum Auftakt des Qualifikationsturniers für Sotschi trifft Deutschland heute auf die Niederlande (19.15 Uhr, live bei Sport1). Foto: dpa
Pat Cortina, 48, ist seit Sommer 2012 Eishockey-Bundestrainer. Bis Saisonende betreut der in Montreal geborene Kanadier zudem noch...Foto: picture alliance / dpa

Pat Cortina, wie fühlt es sich für einen Italo-Kanadier an, Deutschland als Eishockey-Bundestrainer zu repräsentieren?

Gut. Ich mag die Art und Weise wie die Deutschen denken und leben. Ich arbeite seit 16 Jahren in Europa, aber ich habe mich noch nie so Zuhause gefühlt wie in München. Meine Familie lebt inzwischen hier und ich hoffe, in München noch eine lange Zeit zu wohnen.

Sie stehen nun vor der großen Aufgabe, das Nationalteam nach Sotschi zu führen. Deutschland hat sich bisher immer für Olympia qualifiziert. Was macht das Team beim Turnier in Bietigheim-Bissingen an diesem Wochenende zum Favoriten?

Wenn wir uns nur die Weltrangliste anschauen, dann ist Deutschland als Zehnter zwar der Favorit, Österreich ist auf Platz 15., Italien 16. und Holland 24. Aber das beinhaltet keinen Automatismus. Wir müssen bescheiden bleiben und darauf achten, dass wir einen Schritt nach dem anderen machen.

Nur Platz eins sichert die Olympia-Teilnahme. Wer ist der Hauptkonkurrent?

Viele sagen Österreich, aber jeder Gegner stellt eine unterschiedliche Herausforderung dar. Die Niederlande kommen ohne Druck und mit viel Euphorie, weil sie die vorolympische Qualifikation gewonnen haben. Die Italiener haben nicht die besten Spieler, aber in entscheidenden Spielen wissen sie, was zählt. Die Österreicher verfügen über sehr gute Spieler und einen guten Trainer. Zwischen Deutschland und Österreich herrscht immer eine große Rivalität. Also: alles ist möglich.

Wo liegen die Stärken Ihres Teams?

Wir besitzen viel Offensivkraft und exzellente Torhüter, auch im Schlittschuhlaufen haben wir Vorteile gegenüber unseren Gegnern.

Bedauern Sie, dass NHL-Stars wie Christian Ehrhoff, Dennis Seidenberg oder Marcel Goc nach dem Ende des Arbeitskampfes in der nordamerikanischen Profiliga nicht zur Verfügung stehen?

Ich habe nie wirklich geglaubt, dass sie verfügbar sein werden, sondern stets damit gerechnet, dass der Lockout noch vor Februar vorbei sein wird. Deswegen waren meine Hoffnungen nie sehr groß.

Welchen Stellenwert hat die WM in Finnland und Schweden Anfang Mai im Vergleich zu Olympia?

Eine WM findet jedes Jahr statt, Olympia nur alle vier Jahre. Bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, ist wichtig für die weitere Entwicklung des Eishockeys in Deutschland. Aber wir unterschätzen die WM nicht, wo es auch darum geht, in der Weltrangliste nicht abzurutschen.

Sie haben das Amt von Jakob Kölliker übernommen und als Nationaltrainer den Deutschland-Cup und ein Testspiel gegen Russland gewonnen. Anscheinend konnten sie die Spieler nach der verkorksten WM 2012 psychologisch aufrichten, oder?

Ich denke schon. Ich habe versucht, der Mannschaft wieder eine Identität zu geben. Es ging zunächst darum, einfach zu spielen, diszipliniert, strukturiert und mit einer guten Defensive. Die Spieler haben diese Philosophie verstanden und auch, dass sie damit erfolgreich sein können. Hoffentlich ist das ein Zeichen, dass wieder bessere Zeiten kommen werden.

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