Deutsches Eishockey-Team : Vor dem Slowakei-Spiel: Positives Karma

Das deutsche Team fällt bei der Eishockey-WM mit einer neuen Philosophie auf. Mit echtem Teamgeist und großem Willen will sich die Mannschaft nun ins Viertelfinale schießen.

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Bundestrainer Uwe Krupp ist guter Dinge und sieht einen Philosophie-Wechsel im deutschen Team. Foto: dpa
Bundestrainer Uwe Krupp ist guter Dinge und sieht einen Philosophie-Wechsel im deutschen Team.Foto: dpa

Spät am Abend, als in den Katakomben der Kölnarena eigentlich schon alles gesagt war, wurde der Bundestrainer prinzipiell. "Ich kann dieser Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat super gekämpft", sagte er. "Jeder Spieler ist zu jeder Zeit bereit, alles zu geben. Darauf bin ich sehr stolz." Dass am Ende des kleinen Grundsatzmonologs in diesen Tagen der Anspannung sogar ein Lächeln über das Gesicht von Uwe Krupp huschte, ist bemerkenswert. Immerhin hatte seine Eishockeynationalmannschaft nur eine halbe Stunde zuvor 1:2 gegen Weißrussland verloren und steht nun im letzten Zwischenrundenspiel am heutigen Dienstag gegen die Slowakei (16.15 Uhr, live bei Sport 1) vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Geht die Weltmeisterschaft für die Deutschen vorzeitig zu Ende oder dürfen sie sich im Viertelfinale vor eigenem Publikum weiter ins Rampenlicht spielen?

Eine Situation wie diese könnte Anlass zu Besorgnis sein, doch auch am Morgen nach der Niederlage findet sich noch jede Menge Lockerheit – am Rande des Trainings wird gewitzelt und gelacht. Trotz des anstehenden Endspiels gegen die Slowaken. Oder vielleicht gerade deswegen. Zum einen spricht die jüngste Bilanz für die Deutschen – sechs der zurückliegenden acht Spiele haben sie gegen die Slowaken gewonnen –, zum anderen "braucht man Druck, um seine beste Leistung zu zeigen", sagt Krupp. "Das Positivste dabei ist, dass wir es selbst in der Hand haben." Ein Sieg bringt Deutschland ins Viertelfinale.

Die Spielkultur ist erstaunlich angriffslustig-aggressiv

Nicht immer zeigte sich ein deutsches Team derart zuversichtlich. Bei dieser WM allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass sich etwas verändert hat – so etwas wie ein positives Karma ist eingekehrt. Die junge Mannschaft erregt tatsächlich mit spielerischen Mitteln Aufmerksamkeit: Die Abwehr agiert sicher wie lange nicht mehr; die Torhüterleistungen sind herausragend; die Spielkultur ist erstaunlich angriffslustig-aggressiv. Vor allem aber scheint ihr ein wirklicher Teamgeist und Willen innezuwohnen. "Wir profitieren von dem Zusammenhalt", sagt der 26 Jahre junge Mannschaftskapitän Marcel Goc. "Es kann schon sein, dass hier und da noch die Konstanz fehlt, aber insgesamt passt es." Niederlagen gehören schlicht zu einer Mannschaft, die laut Krupp "immer an ihre Grenze gehen muss und Endspiele gewohnt ist". Anders als so manches Mal in der Vergangenheit verliert Krupps Team allenfalls knapp.

Fragt sich nur, ob der positive Trend an der Heim-WM liegt oder genereller Natur ist. Geht es nach Krupp, dessen Zukunft ungewiss ist, hat das Konzept Perspektive: "Hier spielt ein Team, das agiert und nicht mehr wie früher nur reagiert, da kann man schon von einem Philosophiewechsel sprechen." Und auch wenn Krupp es in Anbetracht der allgemeinen Stimmung nicht hätte betonen müssen, sagte er noch: "Was das Slowakei-Spiel angeht, bin ich guter Dinge." Dann ging der Bundestrainer. Mit einem Lächeln.

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