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Deutsches Team im Fed-Cup-Finale gegen Tschechien : Nervös und genervt

Das deutsche Team läuft im Fed-Cup-Finale gegen Tschechien einem 0:2-Rückstand hinterher - auch Angelique Kerber verlor ihr Einzel gegen Lucie Safarova. Zuvor hatte Andrea Petkovic keine Chance gegen die Weltranglisten-Vierte Petra Kvitova - und beklagte sich über das Publikum.

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Chancenlos: Andrea Petkovic im Auftaktspiel des Fed-Cup-Finals gegen Petra Kvitova.
Chancenlos: Andrea Petkovic im Auftaktspiel des Fed-Cup-Finals gegen Petra Kvitova.Foto: reuters

Sigmar Gabriel hatte es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Der Vizekanzler rauschte am Samstagnachmittag eiligen Schrittes durch die Katakomben der Prager Arena, als Andrea Petkovic ihr Einzel gegen Petra Kvitova gerade mit 2:6 und 4:6 verloren hatte. Gabriel, der mit Bundestrainerin Barbara Rittner befreundet ist, war zur Unterstützung der deutschen Tennis-Frauen aus Berlin angereist. Und zumindest sollte er noch mitansehen, wie sich Angelique Kerber mühte, gegen Lucie Safarova zum 1:1 auszugleichen – doch es gelang der Weltranglistenzehnten nicht. Sie verlor mit 4:6 und 4:6. Im ersten Fed-Cup-Finale seit 22 Jahren liegt die deutsche Mannschaft gegen die Tschechinnen nun mit 0:2 zurück.

Der Auftakt war gründlich schief gegangen. Schon Petkovic fand gegen die Wimbledon-Siegerin Kvitova nie zu ihrem Spiel. Die Nummer 14 der Welt wirkte zu angespannt, agierte zu passiv und spielte der hochgewachsenen Linkshänderin die Bälle meist viel zu kurz zurück. Kvitova konnte auf dem extrem schnellen Hartplatz ungestört ihr wuchtiges Spiel von der Grundlinie aufziehen, während Petkovic die Offerten, die ihr die Weltranglistenvierte anbot, nicht ausnutzte.

Fassungslos: Angelique Kerber nach ihrer Niederlage gegen Lucie Safarova.
Fassungslos: Angelique Kerber nach ihrer Niederlage gegen Lucie Safarova.Foto: dpa

Petkovic genervt vom Publikum

Hinzu kam die hitzige Atmosphäre in der mit 13 000 Zuschauern ausverkauften Arena. Die 1000 angereisten Fans aus Deutschland gaben sich alle Mühe, gegen das Getrommel und die tosenden Schlachtrufe anzujubeln. Doch sie waren akustisch so unterlegen wie ihre Spielerinnen. „Es hat mich genervt, dass ein paar Mal reingerufen wurde, ausgerechnet beim Satz- und Matchball“, sagte Petkovic. Sie hatte sich irritieren lassen, gerade in diesen wichtigen Momenten.

Wütend feuerte die 27-jährige Darmstädterin nach der Niederlage einen Ball in die Zuschauer – die antworteten mit bösen Pfiffen. Petkovic lobte hinterher überschwänglich Kvitova. Keine von ihnen, so stellte sie es dar, hätte an diesem Tag eine Chance gegen die Tschechin gehabt. Sie alle wären von ihr „abgeschossen“ worden. „Es ist etwas blöd, dass ich jetzt hier stehe und es aussieht, als hätte ich Scheiß gebaut“, sagte Petkovic. Der Turniersieg in der Vorwoche in Sofia hatte nach ihrer Formkrise zwar der Seele gut getan, doch den Körper Kraft gekostet. Vielleicht zu viel. „Klar bin ich müde“, sagte sie, „und Barbara muss entscheiden, ob ich zu müde für Sonntag bin.“ Petkovic deutete damit bereits einen möglichen Wechsel im vierten Einzel zu Sabine Lisicki an.

Falls der Einsatz überhaupt noch nötig ist, denn sollte Kerber zuvor gegen Kvitova verlieren, wäre der Traum vom Fed-Cup-Sieg bereits geplatzt. Und die beste Deutsche zeigte schon im Linkshänder-Duell mit Safarova Nerven. In beiden Sätzen führte Kerber mit 4:2 – und brach stets ein. Beim Satzball im ersten Durchgang setzte die 26-jährige Kielerin sogar total aus: Siegessicher schrie sie ein „Komm jetzt“ heraus und beendete den Ballwechsel – obwohl Safarova die Filzkugel noch zurückspielte. Kerber entschuldigte sich für den Fauxpas, doch der Satz war weg. Und am Ende auch die große Euphorie.

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