Sport : Deutsches Team vermeidet Sturz ins Niemandsland

Die Affäre um den DopingArzt Jochen Neubauer nimmt nun eine noch größere Dimension an. Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), hat den Berliner Fußball-Zweitligisten Tennis Borussia wegen seines Festhaltens an Neubauer heftig kritisiert und will den Deutschen Fußball-Bund (DFB) einschalten. "Das Verhalten ist für uns völlig unverständlich. Ich werde mich nicht lange mit Tennis Borussia auseinander setzen, sondern, wenn notwendig, mit den Verantwortlichen des DFB. Der wird sicherlich unsere Position stützen", sagte von Richthofen im Deutschlandfunk. TeBe stärkte dem wegen Dopings an Jugendlichen zu 9000 Mark Geldstrafe verurteilten Mediziner erneut den Rücken und kündigte an, dass er nicht nur am Freitag im Spiel bei den Stuttgarter Kickers auf der Bank sitzen wird, sondern auch in den nachfolgenden Partien.

Neubauer war wegen vorsätzlicher Beihilfe zur Körperverletzung in zehn Fällen verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mediziner in den Jahren 1982 bis 1989 beim ehemaligen DDR-Spitzenklub ASK Potsdam Anabolika für jugendliche Schwimmer an deren Trainer weitergereicht hat. Während der Olympiastützpunkt (OSP) Potsdam den 48-jährigen Arzt Anfang der Woche bis zur Entscheidung durch den Trägerverein suspendiert hat, sieht TeBe keinen Handlungsbedarf. "Es entspricht nicht unserer Form, wegen öffentlichen Drucks von einem Menschen abzurücken", erklärte TeBe-Pressesprecher Michael Plassmann. Einem Gespräch mit dem DSB-Präsidenten sehe er gelassen entgegen: "Wir werden uns das anhören."

Von Richthofen erwartet, dass der DFB seinen Mitgliedsverein Tennis Borussia auffordert, nach den DSB-Richtlinien zu verfahren und Neubauer wegen seiner Doping-Verstrickungen zu DDR-Zeiten von seinen medizinischen Aufgaben zu entbinden. Wie der DSB-Präsident weiter erklärte, habe er bereits in zwei Schreiben gefordert, dass Neubauer nicht mehr länger Räume für seine Privatpraxis im OSP Potsdam zur Verfügung gestellt werden dürften. Die Adressaten waren Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck und die Leiterin des Kuratoriums des Olympiastützpunktes, Renate Schneider.

Von Richthofen schloss eine Amnestie für den Doping-Arzt aus: "Auf absehbare Zeit ist eine Wiedereinstellung in die Dienste des Sports nicht mehr möglich. Es gibt Grenzen des Erträglichen, und die sehen wir beim Kinder-Doping." Für Neubauer könne es kein Pardon geben, denn "Ärzte und Chemiker wussten ganz genau, was verabreicht worden ist. Deshalb habe ich für diesen Berufsstand kein Verständnis". Hingegen sollte man Trainern, die gedopt haben, nach einer Bedenkzeit bei positiver Sozialprognose wieder den Weg zurück in den Sport ermöglichen, sagte der DSB-Präsident im Deutschlandfunk.

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