Sport : Deutsches Traberderby: Ein Rekord, der keiner ist

Ingo Wolff

Hermann Gerbaulet verkündete nach dem 106. Deutschen Traberderby glücklich einen neuen Rekord: "Wir haben im Derby 330 000 Mark Wettumsatz gemacht, das ist doppelt so viel wie im Vorjahr", sagte der Präsident des Berliner Trabrennvereins. Das ist zwar nicht ganz verkehrt, denn das zehnte Rennen des Derbyrenntags im Vorjahr hatte tatsächlich nur 146 000 Mark Umsatz; doch das war gar nicht das Derby, sondern nur ein Rennen im Rahmenprogramm. Das eigentliche Derby war im Vorjahr Rennen Nummer 11 und kam auf 363 000 Mark, also 33 000 Mark mehr als das gestrige Hauptrennen.

Nun ist dieser Fehler in der Hektik einer Veranstaltung wie der insgesamt achttägigen Derbywoche verzeihlich, doch es zeigt fast bildhaft das Symptom des Rennvereins. Er muss sich auch über ein etwas schlechteres Ergebnis als im Vorjahr freuen. Denn erstens war 2000 ein Rekordjahr, und das war ohnehin schwer zu übertreffen. Zweitens sind die Betreiber der beiden Berliner Rennbahnen Mariendorf und Karlshorst zum Erfolg verdammt. Nur knapp entkam der Verein dem wirtschaftlichen Aus. Erst der Verkauf eines Teils des Mariendorfer Stallgeländes rettete den Verein vor der Zahlungsunfähigkeit.

Nach dem Verkauf der kostenintensiven Ställe soll durch hohe Wettumsätze eine wirtschaftliche Wende geschafft werden. Die Derbywoche sollte laut Gerbaulet der wegweisende Start dafür sein, und tatsächlich ist es den Organisatoren des Rennvereins gelungen, das Ergebnis des Vorjahres annähernd zu halten. 80 000 Zuschauer wurden als Ziel für die Gesamtwoche anvisiert, 75 000 kamen, obwohl der traditionell starke Montag zu einer herben Enttäuschung wurde und der Derbywoche einen Fehlstart beschert hat. Dafür kamen allein gestern 25 000 Zuschauer und retteten das Gesamtergebnis. Auch bei den Wettumsätzen hielt sich der Rückgang trotz des schlechten Starts in Grenzen. 7,8 Millionen Mark waren es im Vorjahr, rund 7,4 Millionen waren es in diesem. Allerdings sind die Zahlen etwas verzerrt, denn der Rennverein hat einen Renntag mehr eingebaut. Mit dem Ergebnis ist Gerbaulet trotzdem sehr zufrieden: "Wir haben es geschafft, dass Trabrennsport in der Öffentlichkeit wieder ein besseres Bild bekommt und sich die Zuschauer wieder wohl fühlen", sagte Gerbaulet und schaute dabei auf den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der neben ihm gerade ein Rennen aufmarksam verfolgte: "Das ist doch der beste Beweis."

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