Sport : Deutschland - Albanien: Ein Debütant verhindert die Blamage

Stefan Hermanns

Der Mann heißt Klose. Miroslav Klose. Er ist 22 Jahre alt, spielt beim 1. FC Kaiserslautern und hat gestern das wichtigste Tor seiner denkbar jungen Fußball-Karriere geschossen. Eine Minute vor dem Schlusspfiff köpfte der Stürmer das Tor zum 2:1 (1:0)-Sieg für die deutsche Nationmalmannschaft gegen Albanien in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Japan und Südkorea. 22 500 Zuschauer in der ausverkauften BayArena von Leverkusen hatten sich nach Toren des Berliners Sebastian Deisler für Deutschland und Bledar Kola für Albanien schon mit einem Unentschieden abgefunden. Mit neun Punkten liegen die Deutschen vor England und Finnland (beide 4) weiter auf Platz eins in Gruppe 9. Nächster Gegner auf ist am Mittwoch Griechenland. In Athen müssen die Deutschen auf den Münchner Mehmet Scholl vezichten, der nach seiner zweiten Gelben Karte automatisch gesperrt ist.

Kloses Tor war der glückliche Schlusspunkt unter eine Partie, die Rudi Völler gewiss als die unangenehmste in seiner achtmonatigen Karriere als Temachef der deutschen Nationalmannschaft empfunden hat. Technisch und auch strategisch war Völlers Mannschaft gestern über weite Stecken nur die zweitbeste. Albanien diktierte das Tempo, zeigte die schöneren Spielzüge, ja spielte genauso, wie es der Teamchef gern von seinen Spielern gesehen hätte. Diese aber erstarrte in Statik und Ideenlosigkeit

Für eine generelle Charakterisierung der Deutschen lohnt sich ein Blick auf die beiden Berliner, die gestern in Leverkusen aufliefen. Wie etwa kann es sein, dass der zuletzt angeschlagene Sebastien Deisler der beste Deutsche war, obwohl er doch ohne jede Spielpraxis zur Nationalmannschaft gereist war? Und wie gering muss das Potenzial an Spitzenspielern sein, wenn Völler zur zweiten Halbzeit Deislers Berliner Teamkollegen Marko Rehmer einwechseln muss, der daheim bei Hertha BSC zuletzt nur leichtes Lauftraining hatte absolvieren können?

Der Verlierer des Samstages von Leverkusen war gewiss Oliver Bierhoff. In Mailand sitzt er nur auf der Bank, seine Berufungen in die Nationalmannschaft verdankt er schon seit langem der Tatsache, dass er nach der aus deutscher Sicht missratenen WM 1998 zum Kapitän gemacht wurde. Sein letztes Tor hat er im Juni vergangenen Jahre erzielt - beim 8:2 gegen Liechtenstein. Gestern, in seinem 54. Länderspiel, ging dem einstigen Torjäger so ziemlich alles schief. Das begann in der dritten Minute, als er nach einer schönen Flanke Deislers den Bal mit dem Kopf aus Nahdistanz über die latte bugsierte und dabei reichlich unbeholfen aussah.

Bierhoff trg mit einem ungeschickten Fehlpass auch dazu bei, dass die Stimmung in der BayArena nach einer halben Stunde gegen die Deutschen umzuschlagen drohte. Pfiffe waren zu hören, erst leiser, dann immer lauter, und allein das Ende der Halbzeit rettete die Deutschen vor noch Unangenehmerem.

Für Bierhoff hatte das Leiden dann ein Ende, aber auch sein Nachfolger Carsten Jancker stellte sich nicht sehr viel besser an. Auch Dietmar Hamann, der aus unerfindlichen Gründen die einst heilige Trikotnummer zehn tragen hatte tragen dürfen, blieb für den Berliner Rehmer in der Kabine. Vielleicht war es der Herausnahme der beiden schwächsten Spieler geschuldet, dass die Deutschen für ein paar Minuten nach der Pause so etwas wie ein Aufbäumem zeigten. Fünf Minuten waren gespielt, da drosch Deisler den Ball aus gut 25 Metern auf das albanische Tor. Der Ball hatte Effet, flatterte ein wenig, vielleicht sah ihn der albanische Torhüter auch zu spät. Egal, Foto Strakosha boxte den Schuss ins von ihm aus gesehen rechte Eck. Für Deisler war es im zehnten Länderspiel der zweite Treffer.

Dass es am Ende ennoch nicht der siegbringende war, verrät einiges über das angeschlagene Selbstbewusstsein der Deutschen. Fünf, vielleciht zehn Minuten währte ihre Überlegenheit, danach hatten sich die Albaner wieder gefangen. Sie waren es, die das Spiel diktierten, sie hatten die Torchancen. Die erste vergab Murati aus zehn Metern gegen glänzend reagierenden Oliver Kahn. Zwei Minuten später aber war der deutsche Torhüter dann doch geschlagen. Kolas Ausgleich, erzielt mit einem Aufsetzer, war allemal verdient.

Völler ging noch einmal auf Risiko und wechselte eine Viertelstunde vor Schluss den Debütanten Mirosla Klose ein. Der war zuletzt beim 1. FC Kaiserslautern für die eine oder andere Überraschung gut. Genauso trumpfte er in der Nationalmannschaft auf. Zunächst sah er nach einer Schwalbe im albanischen Strafraum die Gelbe Karte, bis dann doch noch sein großer Augenblick kam.

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