• Deutschland - Argentinien 0:1: Deutschland - Argentinien: Nur der Gegner hat WM-Form

Deutschland - Argentinien 0:1 : Nur der Gegner hat WM-Form

Große Ernüchterung 100 Tage vor dem WM-Start: Die deutsche Nationalmannschaft hat im wichtigsten Test vor dem Turnier in Südafrika gegen Argentinien eine verdiente 0:1 Niederlage kassiert.

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Adler
Adler auf Abwegen. Die neue Nummer 1 im Tor machte in einigen Situationen nicht den sichersten Eindruck. -Foto: dpa

Es war kalt , wie es im kommenden Sommer in Südafrika sein wird, aber von weltmeisterlicher Form war die deutsche Nationalmannschaft am Mittwochabend in München noch ein gutes Stück entfernt. Vor 65.152 Zuschauern in der Allianz-Arena gab es eine (0:1 0:1)-Niederlage gegen Argentinien. Real Madrids Gonzalo Higuaín erzielte das einzige Tor eines Abends, der den Deutschen Defizite in allen Mannschaftsbereichen aufzeigte. Das war im letzten Test vor der Nominierung des WM-Aufgebots im Mai die unangenehme Erkenntnis für Bundestrainer Joachim Löw. Mit der Niederlage an sich kann er leben, denn der Gegner aus Südamerika zeigte sich in einer sehr viel besseren Verfassung, als man nach den jüngsten Ergebnissen hatte erwarten dürfen.

Es war schon bemerkenswert, mit welcher Sicherheit die Argentinier in der zweiten Halbzeit verteidigten und mit welcher Übersicht sie in der ersten ihr Spiel nach vorn trugen, fernab von jeder Verunsicherung, die noch in der um ein Haar missratenen WM-Qualifikation zu sehen war. Wer diese Mannschaft im entscheidenden Spiel gegen Uruguay beobachtet hat, der hätte ihr kaum diese Leistung zugetraut. Vielleicht steckt ja doch ein Plan hinter dem, was Diego Maradona ausgeheckt hat, der einst weltbeste Fußballspieler, dessen Fähigkeiten als Trainer er bislang geschickt versteckt hatte.

In der ersten Halbzeit waren die Argentinier dazu noch deutlich feldüberlegen, was vor allem daraus resultierte, dass ihre zentrale Mittelfeldachse mit Lionel Messi und Juan-Sebastian Veron sehr viel effektiver spielte, als das auf deutscher Seite bei Michael Ballack und seinem neuen Partner Bastian Schweinsteiger der Fall war. Messi war zwar immer noch nicht so gut wie beim FC Barcelona, aber auch in mittelmäßiger Form ist er allemal gefährlich genug mit seinen schnellen Schritten und kurzen Haken. Veron hielt ihm mit der Routine seiner 34 Jahre den Rücken frei.

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Resultat der guten Organisation waren schnelle Angriffe, mit denen die deutsche Abwehr kaum zurecht kam. Einmal trat Lukas Podolski auf der linken Seite Jonás Gutierrez um, Serdar Tasci tat rechts dasselbe mit Messi. Dramatisch wurde es, als Angel di María am Strafraum Tasci und Jerome Boateng stehen ließ, auch Per Mertesacker nicht mehr eingreifen konnte und Torhüter René Adler noch irgendwie die Fingerspitzen an den Ball bekam. Von entscheidender Bedeutung war das nicht, denn di María hatte so viel Wucht in seinen Schuss gelegt, dass Adlers Berührung die Flugbahn kaum beeinflusst haben dürfte.

Es war die beste Aktion der frisch ernannten Nummer eins im deutschen Tor, aber nicht die auffälligste. Die bekam das Publikum kurz vor der Pause zu sehen, als ein langer Ball die zu weit aufgerückte deutsche Abwehr überraschte. Adler verließ einen Tick zu voreilig sein Tor und kam zu spät gegen Higuaín, der ihn leicht ausspielte und den Ball aus 35 Metern ins verwaiste Tor schob.

Dieses 1:0 entsprach durchaus dem Spielverlauf. Zu wenig ließen sich die Deutschen einfallen, auch wenn Ballack ein paar gute Szenen hatte und Thomas Müller in seinem ersten Länderspiel viel Einsatz zeigte. Viel mehr aber war nicht. Mesut Özil aber tat wenig, um seiner Formkrise zu entkommen, und von Miroslav Klose als einziger Spitze war kaum etwas zu sehen. Der Münchner war immerhin Hauptdarsteller bei der einzig nennenswerten deutschen Chance. Nach Boatengs guter Flanke wollte er kurz vor der Pause zum Kopfball ansetzen und wurde dabei von Nicolas Otamendi umgerannt. Das sah sehr verdächtig nach Elfmeter aus, aber Schiedsrichter Atkinson mochte sich nicht zu einem Pfiff durchringen.

Klose wurde in der zweiten Halbzeit von seinem Vereinskollegen Mario Gomez abgelöst. Dem Angriffsspiel bescherte das keineswegs ein Mehr an zwingenden Aktionen, auch wenn die Deutschen fortan ein zeitweise erdrückendes optisches Übergewicht erlangten. Später stockte Bundestrainer Löw den Sturm noch um den Stuttgarter Cacau auf, auch das Leverkusener Talent Toni Kroos kam zu seinem Debüt, aber das blieben kosmetische Eingriffe ohne große Wirkung, mal abgesehen von einem Gewaltschuss Cacaus, den Sergio Romero mit den Fäusten abwehrte. Später schoss Cacau noch einmal knapp über das Tor, aber die größte Chance hatte Argentinien. Nicolas Burdisso vergab sie, leicht irritiert und frei vor Adler.

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