Deutschland-Cup : Eishockey-Nationalteam im Abseits

Vor dem Deutschland-Cup muss der umstrittene Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina mit vielen Absagen kämpfen. Anstatt sich auf Olympia vorzubereiten, startet Cortina die Sichtung für die WM. Und die ist erst im Mai.

Ja zu Olympia? Deutschland ist diesmal nicht dabei. Aber vielleicht klappt es 2022 für Cortina (li.) und Thorsten Ankert.
Ja zu Olympia? Deutschland ist diesmal nicht dabei. Aber vielleicht klappt es 2022 für Cortina (li.) und Thorsten Ankert.

Das Casting für die Eishockey-WM 2014 beginnt in dieser Saison notgedrungen schon beim Deutschland-Cup am Wochenende. Anstatt wie die anderen Teams Schweiz, Slowakei und USA Kandidaten für die Olympischen Spiele im Februar zu sichten, bleibt Bundestrainer Pat Cortina nichts anderes übrig, als schon die WM in sieben Monaten in Minsk in Angriff zu nehmen. „Das verändert ein bisschen den Charakter“, bestätigte Cortina vor dem ersten deutschen Turnierspiel am Freitag in München gegen die Schweiz (19.45 Uhr/Sport 1). Noch immer hat das deutsche Eishockey an der erstmaligen Nicht-Qualifikation überhaupt für Olympia zu knabbern.

Von weiteren Negativschlagzeilen wie beim völlig verkorksten Qualifikationsturnier im Februar in Bietigheim-Bissingen will der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) bloß nichts mehr wissen. „Wichtig ist, dass die Mannschaft da weitermacht, wo sie bei der letzten WM aufgehört hat“, forderte DEB-Präsident Uwe Harnos. Im Mai verpasste das Cortina-Team nach zumeist guten Leistungen das Viertelfinale nur knapp. So soll es weitergehen.
„Spieler und Trainer müssen jetzt schon perspektivisch alles für die nächste WM machen“, meinte Harnos.

Das Olympia-Aus soll schnell aus den Köpfen, vor allem auch aus denen der Öffentlichkeit. Durch die Nicht-Teilnahme in Sotschi im Februar braucht der DEB Prestigesiege. Wichtig seien nach dem Olympia-Aus „Vermarktungserfolge“, so Harnos, „und dafür sind sportliche Erfolge notwendig“. So wie die Titelverteidigung beim traditionellen Vier-Nationen-Turnier am Wochenende. „Wir wollen den Weg der WM fortsetzen. Wir wollen zeigen, dass das deutsche Eishockey auf dem richtigen Weg ist“, bekräftigte Cortina.

Das Unterfangen wird schwierig. Das deutsche Team gleicht diesmal einer Wundertüte. Durch viele Verletzungen hagelte es Absagen für Cortina. Vor allem von Leistungsträgern. In Jens Baxmann, Frank Hördler, André Rankel, Constantin Braun, Rob Zepp (alle Berlin), Philip Gogulla, Moritz Müller, John Tripp (alle Köln), Kai Hospelt (Mannheim), Christoph Schubert (Hamburg) und Thomas Greilinger (Ingolstadt) fehlen gleich elf eigentlich sichere WM-Kandidaten.

In Patrick Reimer (Nürnberg) und dessen Bruder Jochen Reimer (München), sowie Nikolai Goc (Mannheim), David Wolf und Jerome Flaake (beide Hamburg) sind fünf weitere Spieler nicht dabei, die zumindest gute Chancen auf eine WM-Teilnahme in Weißrussland hätten. „Zum Glück war der vorläufige Kader sehr groß“, kommentierte Cortina, der in seine erste Saison nur als Bundestrainer und Sportdirektor des DEB geht. Bis zur WM war Cortina auch noch Trainer des EHC München.

Aus der Not der Personalmisere machte Cortina eine Tugend und rief schon einmal den Konkurrenzkampf für die WM im kommenden Mai aus: „Ich will Spieler haben, die stolz sind, den Adler auf der Brust zu tragen. Stolze und disziplinierte Athleten, die gerne zur Nationalmannschaft kommen und nicht, weil sie müssen.“ Dies dürfte vor allem ein Hinweis an Torjäger Patrick Reimer sein. Der derzeit erfolgreichste deutsche DEL-Stürmer ist wie schon bei der WM erneut nicht dabei. „Wir hatten ein Gespräch, er will sich erstmal auf seinen Verein konzentrieren“, sagte Cortina barsch.

Als Favoriten starten Ex-Weltmeister Slowakei mit vielen Profis aus der osteuropäischen Superliga KHL und die USA. Deutschlands Erzrivale Schweiz nutzt das Turnier dagegen konsequent als Olympia-Sichtung. Von den WM-Helden, die in Stockholm sensationell Vize-Weltmeister wurden, ist diesmal kein einziger Spieler dabei. (dpa)

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