Deutschland-Cup : Hoffnung und Hilflosigkeit

Die deutsche Eishockey- Nationalmannschaft sucht ihre Position im internationalen Wettbewerb und ringt um Konstanz. Am Sonnabend gewann sie beim Deutschland-Cup gegen die Slowakei.

Katrin Schulze[München]
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In der Klemme. Die US-Amerikaner machten es den Deutschen schwer.Foto: dpa

Die Situation hätte ein bisschen schlechte Laune hergegeben, vielleicht auch Verbitterung oder Enttäuschung. Gerade hatten die Deutschen denkbar knapp nach Penaltyschießen 2:3 gegen das Team USA verloren. Doch in den Katakomben der Münchner Olympiahalle sah man am Freitagabend erstaunlich viele zufriedene Gesichter. Nahezu jeder rund um das deutsche Team sprach von einer „klasse Begegnung“ und einer „großartigen Leistung“.

Dass die Verantwortlichen zum Auftakt des Deutschland-Cups mit so viel Lob und Wertschätzung um sich warfen, zeugt nicht etwa von einer verschrobenen Sicht, sondern illustriert die Lage der deutschen Eishockeynationalmannschaft. Mit überschaubaren Mitteln und einer noch viel überschaubareren Auswahl an international wettbewerbsfähigen Spielern bewältigt sie ihre Aufgaben.

Eine knappe Niederlage gegen die Amerikaner wird da mental schnell in einen Erfolg umgewandelt. „Wir haben gut gespielt“, sagte Bundestrainer Uwe Krupp. „Ich muss zufrieden sein.“ Auf dem Gebiet Bescheidenheit hat sich die Nationalmannschaft spätestens nach dem desolaten Auftritt bei der WM in der Schweiz offenbar viel Kompetenz erworben. Wo die Deutschen aber vor der WM 2010 im eigenen Land wirklich stehen, scheinen sie selbst nicht so recht zu wissen.

Wie auch? Testphasen gibt es so gut wie keine. Und bei den seltenen Proben wird das Team dann bunt durcheinandergewürfelt, immer wieder werden vermeintliche Talente getestet, um dann wieder aussortiert zu werden. Mal lassen sich Spieler aus der nordamerikanischen Profiliga NHL zu Einsätzen bitten, mal, so wie jetzt beim Deutschland-Cup, eben nicht. „Die Mannschaft stellt sich von selbst auf“, sagt der Bundestrainer. Das klingt fast schon resignierend. Ist es vielleicht auch.

Tatsächlich bewegt sich Krupps Team momentan irgendwo zwischen Hoffnung und Hilflosigkeit. Einerseits scheint die Deutsche Eishockey-Liga, in der die meisten Klubs auf ausländische Spieler setzen, zu wenig gute deutsche Akteure herzugeben – bezeichnenderweise debütierten am Freitag im Nationalteam mit Rob Zepp und Jakub Ficenec ein Deutsch-Kanadier und ein Deutsch-Tscheche. Andererseits zeigen die Deutschen immer mal, dass sie trotz dieser vermeintlich schlechten Voraussetzungen durchaus in der Lage sind, mit starken Teams mitzuhalten. So wie gegen die USA, als sie sich mit frechem Eishockey die besseren Chancen erarbeiteten.

Auch am Samstag beim 2:1 (0:0, 0:1, 1:0/ 1:0)-Sieg nach Penaltyschießen waren sie den Slowaken überlegen und ließen sich selbst durch einen Rückstand nicht aus dem Konzept bringen. „Es war klar, dass wir uns hier gut präsentieren“, sagte Kapitän Sven Felski. „Denn jeder Spieler will sich aufdrängen.“ Am Sonntag haben Felskis Kollegen gegen die Schweiz (13.30 Uhr) noch eine Gelegenheit, sich zu etablieren. Und für wirklich gute Laune im Team zu sorgen.

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