Sport : Deutschland - England: Die Polizei nimmt 47 Hooligans in Gewahrsam

Die befürchtete Eskalation der Gewalt am Rande des WM-Qualifikationsspiels Deutschland gegen England in München ist ausgeblieben - trotz zahlreicher Ausschreitungen und der Festnahme von 47 Hooligans. "Leider ist es zu schlimmen Vorfällen gekommen", sagte Bundesinnenminister Otto Schily, lobte aber dennoch die bayerischen Sicherheitsbehörden, die durch ihr angekündigtes hartes Vorgehen das Schlimmste verhindert hätten: "Die Polizei hat gut gearbeitet. Wer sich die Hucke vollsäuft und auf andere einschlägt, der hat keine Nachsicht verdient."

Den Großteil der Arbeit hatte das Großaufgebot von rund 1100 Beamten der Polizei und des Bundesgrenzschutzes vor der Partie in der Münchner Innenstadt zu verrichten. Dort kam es immer wieder zu kleineren Prügeleien zwischen Deutschen und Engländern. Die Polizei registrierte 17 nur leicht verletzte Personen, darunter zehn Polizeibeamte und vier Unbeteiligte, sowie "kleinere Sachbeschädigungen". Im Bereich des Olympiastadions sowie im Anschluss an die Partie wurden keine nennenswerte Zwischenfälle mehr gemeldet.

Von den 47 verhafteten Hooligans stammen 35 aus England. Zudem wurden weitere 135 Randalierer, die nach Angaben der Polizei zumeist der deutschen Hooligan-Szene angehören, vorübergehend in Gewahrsam genommen. Mindestens 400 deutsche und 300 englische Hooligans waren nach Erkenntnissen der Polizei nach München gereist, hinzu kamen je rund 1000 gewaltbereite Fans aus Deutschland und England. Als einen Auslöser der Ausschreitungen machten die Sicherheitsbehörden hohen Alkoholgenuss aus.

Das Polizeipräsidium München zeigte sich nach Aussage von Vizepräsident Eberhard Roese "durchweg zufrieden" mit dem Verlauf des Einsatzes und stellte zusammenfassend fest: "Es konnte Schlimmeres verhindert werden." Auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber lobte das kompromisslose Vorgehen der Sicherheitskräfte. "Die Polizei ist mit der Herausforderung gut zurecht gekommen."

Die Härte der deutschen Sicherheitskräfte rief auch Lob von Seiten der britischen Regierung hervor. Innenminister David Blunkett ließ erklären, das "schnelle Eingreifen und die Effizienz", mit der gegen die Ausschreitungen der deutschen und englischen Krawallmacher vorgegangen worden sei, habe "die bedrohliche Situation" nicht zu dem werden lassen, was man habe befürchten müssen. Die Engländer hatten selbst vorgesorgt: 46 Hooligans waren beim Versuch, England zu verlassen, verhaftet worden, insgesamt 537 Personen war von der Regierung die Ausreise verweigert worden.

Die ersten Probleme hatte es bereits in der Nacht vor der Partie gegeben, allerdings nicht in München. Deutsche und englische Hooligans hatten offensichtlich Frankfurt am Main als Treffpunkt für ihre Gewaltaktionen vereinbart. Beim Zusammentreffen zwischen 450 deutschen und 150 durchreisenden englischen Fans nahm die Polizei 21 Deutsche und 13 Engländer fest.

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