Sport : Deutschland fällt

Nach dem Abstieg des Daviscup-Teams aus der Weltgruppe ist es offiziell: Die Tennisspieler des Landes sind so schlecht wie seit 21 Jahren nicht mehr

Ulrich Hartmann

Sundern . Als der Abstieg der deutschen Tennis-Mannschaft aus der Daviscup-Weltgruppe feststand, bemühten sich diverse Protagonisten darum zu hinterfragen, was daran eigentlich so schlimm sein soll. „Materiell wird der Deutsche Tennis-Bund darunter nicht zusammenbrechen“, sagte der Präsident Georg von Waldenfels. „Dann müssen wir unser Ziel, den Daviscup zu gewinnen, halt um ein Jahr verschieben“, sagte der Spitzenspieler Rainer Schüttler. „Wir müssen nun etwas über künftige Gegner und Spielorte herausfinden“, sagte der Kapitän Patrik Kühnen, und man sieht ihn in Gedanken schon die Länder Luxemburg und Simbabwe bereisen, die im kommenden Jahr Gegner der deutschen Mannschaft sein könnten.

Deutschland ist am Sonntag im sauerländischen Sundern zum ersten Mal seit dem 3. Oktober 1982 wieder in die europäisch-afrikanische Daviscup-Kontinentalgruppe abgestiegen. Die 2:3-Niederlage gegen Weißrussland hat ihr das beschert, wogegen sich deutsche Mannschaften im Laufe der vergangenen elf Jahre vier Mal erfolgreich hatten wehren können: den Abstieg aus der Weltgruppe. Patrik Kühnen, erst seit einem Jahr als Daviscup-Kapitän im Amt, hat dann übrigens doch noch einen Ausdruck des Bedauerns gefunden. „Das ist eine Niederlage für die deutsche Tennis-Kultur“, hat er über den Abstieg gesagt, und wer weiß, wie es seit ein paar Jahren um das deutsche Tennis steht, der muss nun doch ein bisschen Angst bekommen.

1:2 hatte es nach dem Doppel am Samstag gestanden, in dem Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer gegen Max Mirnyi und Wladimir Woltschkow verloren hatten, und leider sollte der Sonntag zeigen, dass Schüttler mit seinen Kräften nun endgültig am Ende war. Nach dem Spiel wurde Kritik über seinen vollen Terminkalender laut. Zwischen einem Turnier in Brasilien und dem Daviscup hat Schüttler noch einige PR-Termine absolviert. Es wurde schnell deutlich, dass er dem weißrussischen Serve-and-Volley-Wunder Max Mirnyi nichts entgegenzusetzen hatte. Schüttler verlor binnen zwei Stunden mit 3:6, 5:7, 3:6 und besiegelte die Niederlage. „Ich hatte Probleme mit seinem Aufschlag“, sagte Schüttler hernach so naiv, als sei nichts gewesen. Dabei hatte man doch eigens in Sundern und auf roter Asche gespielt, um die harten Aufschläge des 26-jährigen Weißrussen zu entschärfen. Diese Strategie war so gründlich danebengegangen, dass sich Mirnyi erst ein bisschen darüber lustig machen durfte und dann stolz mitteilte, dass „dies der größte Tag in der weißrussischen Tennisgeschichte“ sei. Max Mirnyi hatte in zwei Einzeln und einem Doppel alle drei Punkte zum 3:2-Sieg beigesteuert. Den letzten Punkt für Deutschland besorgte abschließend Lars Burgsmüller im nicht mehr entscheidenden letzten Einzel gegen Alexander Skrypko.

Auf dem Boden der Tatsachen angelangt, bedauerte DTB-Präsident Georg von Waldenfels, dass die deutsche Mannschaft „eigentlich Weltklasse“ sei, dass sie dies derzeit aber leider nicht dokumentieren könne. „Das ist keine Katastrophe“, sagte der Tennispräsident. Freilich könnte das Potenzial mit den in Topform spielenden Reservisten Nicolas Kiefer und Thomas Haas für die Weltgruppe reichen. Aber dass ihre Ausfälle gegen einen starken Gegner nicht mehr kompensiert werden können, wurde in Sundern deutlich.

Am Tiefpunkt der jüngeren deutschen Daviscup-Geschichte haben aber sogleich alle Beteiligten einschließlich des Kapitäns Patrik Kühnen bekräftigt, auch in der kommenden Saison für das Daviscup-Team zur Verfügung stehen zu wollen. „Zunächst mal gehe ich davon aus, dass das Daviscup-Bekenntnis der Spieler auch für die zweite Liga Gültigkeit hat“, sagte Kühnen, „ab sofort müssen wir an der Zukunft arbeiten.“ Er hatte dabei kämpferisch klingen wollen. Es klang nur traurig.

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