• Deutschland - Griechenland: Georgios Samaras: Griechenlands Antwort auf Räuber Hotzenplotz

Deutschland - Griechenland : Georgios Samaras: Griechenlands Antwort auf Räuber Hotzenplotz

Im Viertelfinale in Danzig müssen die Deutschen nicht nur die ultradefensiven Griechen über winden, sondern auch ihre vorgeschobene Schlüsselfigur in den Griff bekommen.

Er liebt den Fußball, kann es nur nicht zeigen: Georgios Samaras, die griechische Antwort auf Räuber Hotzenplotz.
Er liebt den Fußball, kann es nur nicht zeigen: Georgios Samaras, die griechische Antwort auf Räuber Hotzenplotz.Foto: dpa

„Man kann Fußball nicht mit Politik vergleichen“, sagte Georgios Samaras auf der Pressekonferenz der griechischen Nationalmannschaft. „So einfach ist das.“ Er sagte das bedrohlich brummend, offenbar angefressen von der Vielzahl an Fragen zur politischen Dimension des Spiels gegen Deutschland. Der Mann spricht wie ein Riese, weil er nun mal einer ist: 1,92 Meter groß, mit Schultern, die eine ganze Mannschaft tragen könnten, im Falle eines Sieges. Dazu die dunkel grollenden Augen, der beachtliche Bartwuchs, das lange Haar, in das er sich, kein Witz, Schuhcreme massiert. Angesichts dieser hotzenplotzischen Aura hakten die Journalisten vorsichtshalber nicht nach. Also sprach Georgios Samaras weiter von weit oben auf sie herab: „Fußball ist ein Spiel. Und wir spielen es, weil wir es lieben. Mehr nicht.“

Man möchte diesem übellaunigen Riesen durchaus beipflichten: Wenn das Viertelfinale am Freitag um 20.45 Uhr in Danzig angepfiffen wird, spielt die Staatsverschuldung keine Rolle mehr. Aber eine echte Fachfrage hätte man sich von den anwesenden Pressevertretern dann doch noch gewünscht: „Herr Samaras, aber wenn Sie den Fußball wirklich so lieben, warum behandeln Sie ihn dann bloß so schlecht?“

Sicher, das wäre unhöflich gewesen. Aber den Griechen wird nun mal seit ihrem Titelgewinn 2004 vorgeworfen, sie spielten nach Art der Steinzeit, und das nicht nur von den Schöngeistern des Sportfeuilletons. Hinzu komme ein gehöriges Quäntchen Glück. Aber kann es wirklich nur am Glück liegen, wenn eine Mannschaft ungeschlagen durch die Qualifikation marschiert und, wie auch Bundestrainer Joachim Löw ehrfurchtsvoll vorrechnete, in der Vorrunde aus drei Chancen drei Tore macht?

Zwar ist die erstaunliche Effizienz dieser Mannschaft nicht an Georgios Samaras’ persönlicher Statistik (nur sieben Tore in 57 Spielen) abzulesen. Und doch ist er ihre Schlüsselfigur: Weil er nach einer Balleroberung aufgrund seiner enormen physischen Stärke in der Lage ist, den Ball für einen längeren Zeitraum zu halten, können die Verteidiger währenddessen auf Angriff umschalten – und gerade bei den ultradefensiven Griechen kommt das einer Völkerwanderung gleich, die mehr als ein, zwei Sekunden in Anspruch nimmt. Was seine Kollegen im eigenen Strafraum sind, ist Samaras im elend leeren Mittelfeld davor: eine Wagenburg, in der der Ball zur Not auch mal übernachten kann.

Wütende Rückeroberungsversuche des Gegners prallen an diesem Hünen ab, der sich seit nunmehr sechs Jahren im Ligabetrieb der britischen Insel hat stählen lassen. Von 2006 bis 2008 spielte er für Manchester City und seitdem beim schottischen Klub Celtic Glasgow in der wohl rustikalsten Spielklasse Europas. „Hier ist meine Jugend gestorben“, sagt er in angemessenen Worten zu seinen Erfahrungen im Land des Schmerzes. „Hier bin ich zum Profi geworden, zum Mann.“

Mit diesem Profi, diesem Mann werden sich die deutschen Jungelchen messen müssen. Gegen ihn zu grätschen, ähnelt dem Versuch, einen Baum mit den Beinen fällen zu wollen. Seine Spielweise ist nicht schön. Aber wer fragt schon danach? Es traut sich ja keiner. (Tsp)

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