Sport : Deutschland hat den Superstar

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Stefan Hermanns über den kurzen Boom des deutschen Tennis

Sechzehn Tage noch, vielleicht auch nur fünfzehn. Solange wird es noch dauern, bis der Neue Deutsche TennisBoom (NDTB) wieder vorbei ist. Spätestens am dritten Tag des Daviscup-Erstrundenspiels zwischen Argentinien und Deutschland. Im Idealfall gewinnt Rainer Schüttler sein erstes Einzel, vielleicht auch noch sein zweites: Macht zwei Punkte für Deutschland. Drei braucht man, um zu gewinnen. Aber wer soll den dritten holen? Alexander Waske? Lars Burgsmüller? Oder doch Nicolas Kiefer, der seit Wochen kein Match mehr bestritten hat, weil er verletzt ist. Es ist eine Crux. Jahrelang hat der Deutsche Tennis-Bund Erfolge über Erfolge gefeiert, ohne dass er recht wusste, womit er das eigentlich verdient hatte; jetzt, da der Verband zur neuen Sachlichkeit und zur Basisarbeit zurückgekehrt ist, werden alle erfreulichen Entwicklungen schon im Ansatz gestoppt.

Die Auslosung für den Daviscup hätte doch gar nicht schlimmer sein können. Die Deutschen müssen auswärts antreten, sie müssen auf einem Untergrund (Sand) spielen, der vor allem Deutschlands derzeit bestem Tennisspieler Rainer Schüttler überhaupt nicht behagt, und dann findet das Ganze auch noch zu einer Zeit statt, in der die Rechte-Inhaber ARD und ZDF ihr Programm nur ungern für Live-Übertragungen unterbrechen. Wegen der Zeitverschiebung beginnen die Matches zur Prime Time, wenn Deutschland zwar neue Superstars sucht, aber nicht auf dem Tennisplatz.

Um das ganze Unheil ermessen zu können, muss man sich nur mal vorstellen, wie es wäre, wenn diese Daviscup-Partie in Deutschland stattfände. Ausverkaufte Halle, schneller Belag, euphorische Stimmung – und als Lars Burgsmüller am ersten Tag im fünften Satz des zweiten Spiels gegen David Nalbandian das Break zum 1:0 gelingt, beschließt die ARD, die Tagesschau erst nach dem Matchball zu senden. So ähnlich hat es 1985 auch angefangen.

Natürlich ist heute alles anders. Rainer Schüttler ist nicht Boris Becker, er ist nicht mehr 17, sondern schon 26, und der bisherige Verlauf seiner Karriere lässt nicht darauf schließen, dass er in absehbarer Zeit das Welttennis beherrschen wird. Der NDTB steht also auf wackligen Beinen. Zur Stärkung wäre ein Erfolg im Daviscup daher überaus hilfreich. Und ein überraschender noch viel mehr. Vielleicht ist die Auslosung doch nicht so schlecht.

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