Deutschland im Davis Cup : Willkommen in der Weltgruppe

Das deutsche Davis-Cup-Team führt nach einem dramatischen Sieg von Florian Mayer über Feliciano Lopez 2:0 gegen Spanien. Doch nicht nur fürs deutsche Team ist es ein wichtiger Sieg.

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Furioser Freitag. Florian Mayer kämpfte gegen einen starken Gegner nicht nur um jeden Punkt, sondern am Ende vor allem mit sich selbst. Zwischenzeitlich plagten ihn Krämpfe. Am Ende aber setzte sich der Deutsche in fünf Sätzen gegen Feliciano López.
Furioser Freitag. Florian Mayer kämpfte gegen einen starken Gegner nicht nur um jeden Punkt, sondern am Ende vor allem mit sich...Foto: dpa

Und dann kamen die Krämpfe. Als wenn Florian Mayer sich selbst und die 5000 Zuschauer in der Frankfurter Ballsporthalle nicht schon genug gequält hatte, gab es jetzt also noch eine Fortsetzung in Sachen Dramatik. Dabei hätte diese Partie eigentlich kaum intensiver und emotionaler mehr werden können. Der Applaus überschlug sich, die Spannung war unerträglich. Mit wackeligen Beinen ging Mayer zum Aufschlag. Es stand 5:3 für ihn im fünften Satz gegen den Spanier Feliciano Lopez. Nur noch zwei Punkte brauchte Mayer zum erlösenden Sieg, aber auf einmal schienen diese unendlich schwer erreichbar.

Die beiden hatten sich fast vier Stunden lang alles abverlangt in diesem zweiten Davis-Cup-Einzel, nun entschied die pure Willenskraft. Mayer schlug auf – ein Ass mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern in der Stunde. Die Halle stand Kopf, es war bereits der fünfte Matchball für den Deutschen, und der sollte schließlich zum Erfolg führen. Er musste es einfach, denn die Beine wollten nicht mehr. Der nächste Aufschlag: Wieder ein Ass, und Mayer hatte es tatsächlich geschafft. Mit letzter Kraft riss er die Arme hoch und ließ sich dann in die Arme von Kapitän Carsten Arriens fallen. Mayer hatte standgehalten, war nicht eingeknickt wie so oft schon in seiner Karriere. Er hatte einen großen, einen immens wichtigen Sieg errungen für die deutsche Mannschaft, die nun mit 2:0 gegen Spanien führt. Aber viel wichtiger war der 7:6, 7:6, 1:6, 5:7 und 6:3-Erfolg für Mayer selbst. Denn es war für den 30-Jährigen der erste Sieg in einem Match in der Weltgruppe. „Ich wollte so unbedingt gewinnen“, sagte Mayer, „und ich bin so glücklich, dass ich es mir selbst bewiesen habe. Diese Erinnerung wird mir immer bleiben.“

Mayer hatte hart für dieses Glücksgefühl kämpfen müssen, und er hatte furios begonnen gegen den Weltranglisten-26. Die beiden lieferten sich einen hochklassigen und teils spektakulären Schlagabtausch, der das Publikum immer wieder von den Sitzen riss. Wo andere Spieler sich die Bälle von der Grundlinie hin- und herprügeln, da jagten sie sich mit Stopps und Lobs vor und zurück und zeigten ihr gesamtes Repertoire. Lopez schlug hammerhart auf, egal, ob er Break- oder Matchball gegen sich hatte – meistens antwortete er mit einem seiner insgesamt 32 Asse. Mayer reckte immer wieder kämpferisch die Faust, er animierte die Fans und seine Teamkollegen auf der Bank. „Ich habe noch nie so eine Atmosphäre erlebt“, sagte Mayer. Und man hatte wohl noch nie einen so nervenstarken und selbstbewussten Florian Mayer erlebt. Vielen waren noch die Bilder aus seiner Partie vor drei Jahren gegen den Franzosen Richard Gasquet präsent, als Mayer mit 2:0 in den Sätzen führte, dann Krämpfe bekam und noch verlor. So war es oft bei ihm. Wenn er verlor, dann meist unglücklich. Doch der Florian Mayer der vergangenen Wochen hat mit dem alten nichts mehr zu tun. Sein unorthodoxes Spiel ist geblieben, aber das Zittern ist verschwunden. „Ich habe mir das ganz fest vorgenommen, dass ich in dieser Saison kämpfen will, nicht mehr hadere und positiv in der Körpersprache bleibe“, sagte er. Und Mayer hatte mit seinem neuen, lockeren Selbstbewusstsein bereits in Melbourne alle verblüfft.

Nun überstand er gar diesen Krimi, den er im vierten Satz bereits hätte beenden können. Beim Stand von 5:4 hatte Mayer den ersten Matchball, doch als er einen weiteren wuchtigen Aufschlag von Lopez returniert hatte, rutschte er auf dem Hartplatz weg und fiel unglücklich auf seine linke Schulter. Mayer hatte Schmerzen, verlor nach einem weiteren Matchball noch den Satz. Er musste sich behandeln lassen, das Eis und die Schmerzmittel linderten die starke Prellung. „Es tat bei jeder Rückhand weh, aber zum Glück habe ich es zu Ende gebracht“, freute sich Mayer. Ob er im Einzel am Samstag wieder antreten kann, muss sich zeigen, doch die Ausgangslage der Deutschen ist nach dem ersten Tag per se optimal.

Zumal auch Philipp Kohlschreiber zuvor eine hervorragende Leistung gegen den spanischen Debütanten Roberto Bautist Agut gezeigt hatte, den er mit 6:3, 6:4 und 6:2 besiegte. Viel besser kann Kohlschreiber kaum spielen. „Es war von Anfang bis Ende ein super Spiel von mir“, sagte der 30-Jährige, „ich habe frei aufgespielt und nicht viel falsch gemacht.“

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