Sport : Deutschland ist nicht genug

Mit Stars wie David Coulthard und vier Rennen im Ausland will die DTM internationaler werden

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Mein Auto und ich. Der frühere Formel-1-Vizeweltmeister David Coulthard macht sich mit dem AMG-Mercedes des Berliner Mücke-Teams vertraut. Foto: Imago Foto: imago sportfotodienst
Mein Auto und ich. Der frühere Formel-1-Vizeweltmeister David Coulthard macht sich mit dem AMG-Mercedes des Berliner Mücke-Teams...Foto: imago sportfotodienst

Berlin - Der Silberpfeil stand fahrbereit auf dem Hockenheimring, doch David Coulthard nahm nicht darin Platz. Der 39- Jährige stieg stattdessen in seinen neuen Dienstwagen, einen knallgelben Mercedes mit Dach. Nach einem Jahr Pause kehrte der Formel-1-Vizeweltmeister von 2001 am Samstag zurück auf die Rennstrecke, zur Qualifikation für den Saisonauftakt der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM). Doch schnell war Coulthard beim Comeback nur beim Aussteigen: Der Schotte schied schon nach dem ersten Teil der Qualifikation aus und wird heute (14 Uhr/ARD) als 17. und damit Vorletzter in das Rennen starten.

Schon vorher hatte der prominenteste Neuzugang der DTM um Nachsicht zu Beginn seiner zweiten Karriere geworben. „Die Leute erwarten natürlich etwas von einem ehemaligen Formel-1-Fahrer“, hatte der Pilot des Berliner Mücke-Teams gesagt. „Am Anfang wird es aber schwierig, und ich werde eher am Ende fahren. Ich versuche, es dann irgendwann weiter nach vorn zu schaffen.“ Die einzige Gemeinsamkeit zwischen der Formel 1 und der DTM sei, dass beides auf der Rennstrecke stattfinde. „Ansonsten ist es ein komplett anderes Gefühl. Ich muss jetzt zum Beispiel wieder per Hand schalten, das habe ich seit 17 Jahren nicht mehr getan.“

Coulthard darf sich trösten: Er ist nicht der erste Formel-1-Held, der beim Wechsel in einen Tourenwagen mit Umstellungsproblemen zu kämpfen hat. Ralf Schumacher beispielsweise, der heute direkt vor ihm startet, ist immer noch am Nachjustieren. Er will „nach zwei Lehrjahren um Podiumsplätze kämpfen“, andernfalls will er es nach dieser Saison lieber ganz sein lassen. Mit dem Titelkampf werden die beiden Mercedes-Piloten wohl wenig zu tun haben – die Favoriten sind ihr Markenkollege Gary Paffett, der am Samstag im Qualifying auf die Poleposition fuhr, und Titelverteidiger Timo Scheider im Audi, der heute allerdings nur von Rang neun starten wird.

Als Titelkandidat ist Coulthard aber auch nicht vorgesehen. Die Verpflichtung des Stars soll der DTM Strahlkraft verleihen – auch über die Grenzen hinaus. Neben der Kostensenkung (aus diesem Grund fahren umlackierte Fahrzeuge des Vorjahres) ist die Globalisierung der Rennserie die große Mission der DTM-Verantwortlichen. So werden vier der zehn Rennen in diesem Jahr im Ausland ausgetragen; besonders im Fokus steht dabei China und sein Markt für Luxusautos.

Den Türöffner zu neuen Käuferschichten in Fernost spielt dabei Mercedes-Pilot Congfu Cheng. Der erste chinesische Fahrer in der DTM-Geschichte soll seinen Landsleuten per Liveübertragung ins Staatsfernsehen die deutschen Karossen schmackhaft machen, ein rein wirtschaftlicher Aspekt. „Wir wollen und wir müssen Autos verkaufen – und auf dem chinesischen Markt spielt der chinesische Fahrer natürlich eine ganz besondere Rolle“, gibt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zu. „Aber auch die deutschen Zuschauer haben damit eine weitere Attraktion. Und ich glaube durchaus an sein Talent.“ Gestern ließ Cheng immerhin Schumacher und Coulthard hinter sich und wurde 14. in der Qualifikation.

Der zweite Teil des China-Plans stößt bei den Fans im DTM-Heimatland dagegen auf wenig Applaus. Eher Verärgerung hat die Absicht hervorgerufen, das Saisonfinale statt wie üblich auf dem Hockenheimring diesmal im für deutsche Zuschauer räumlich wie zeitlich schwer zugänglichen Schanghai auszutragen. „Ich kann die deutschen Fans vordergründig verstehen“, sagt Haug. „Der Termin hätte glücklicher gewählt sein können.“ Dessen ungeachtet sei es aber „der richtige Weg“, die Serie über Deutschland hinaus auszuweiten und zu internationalisieren. Kritiker befürchten hingegen ein Geisterrennen zum Finale, wenn doch nicht einmal die Formel 1 die chinesischen Tribünen zu füllen vermöge. Sie verweisen auch darauf, dass sich die beliebte Tourenwagenserie Mitte der neunziger Jahre schon einmal zwischen Heimatverbundenheit und globalen Ambitionen verheddert hat und schließlich unterging.

Zehn Jahre nach der Neugründung wagt die DTM nun einen weiteren Anlauf in die große Welt. Die Verantwortlichen hoffen auch, dadurch weitere Hersteller zur Teilnahme zu animieren. Seit Jahren duellieren sich nur Mercedes und Audi – eine extrem fragile und wenig abwechslungsreiche Konstellation. Nun ruhen die Hoffnungen auf dem Formel-1-Aussteiger BMW. Es habe „gute Gespräche zu einem möglichen Einstieg von BMW“ zur Saison 2011 gegeben, erklärte Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich. Eine weitere Kostenreduzierung, ein neues technisches Reglement und die Internationalisierung seien gute Rahmenbedingungen für einen Einstieg. „Aber die Entscheidung muss im Hause BMW fallen.“

Und vorher müssen noch ein paar Rennen in diesem Jahr gefahren werden. Für sein erstes in der DTM hat sich David Coulthard ein bescheidenes Ziel gesteckt: „Ich hoffe nur, dass ich das Auto auf der Strecke halte und die karierte Flagge sehe.“

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