Sport : "Deutschland ist passé"

Herr Effenberg[was machen die Füße?]

Stefan Effenberg (33) führte den FC Bayern München in der vergangenen Saison zum Champions-League-Sieg. In dieser Saison kam der Spielmacher verletzungsbedingt nur in drei Bundesligaspielen zum Einsatz. Nach vier Jahren in Münchner Diensten wird Effenberg den Klub im Sommer verlassen.

Herr Effenberg, was machen die Füße?

Denen geht es ganz gut. Ich habe jetzt zweimal ruhig trainiert. Seit gestern bin ich wieder soweit, dass ich mit der Mannschaft trainieren kann.

Das haben Sie vor nicht allzu langer Zeit schon einmal behauptet.

Ich weiß schon, auf was Sie hinaus möchten. Wir waren nicht mehr so erfolgreich, als ich zurückkam. Aber wenn die Stürmer, die vorher Tore wie am Fließband geschossen hatten, plötzlich nicht mehr treffen - ja bin ich denn dafür auch noch zuständig?

Sie sind nun mal der Kapitän.

Kritik ist wichtig. Aber ich muss wissen, wen ich für was kritisiere.

Sie werden die Bayern zum Saisonende verlassen. Wissen Sie schon, wohin Sie gehen werden?

Nein, bisher steht nur fest, dass ich nicht in Deutschland bleiben werde. Das ist passé. Ich werde weiter Fußball spielen. Aber ich weiß nicht, ob ich das noch ein, zwei oder zehn Jahre tun werde.

Jetzt, da Ihr Weggang von den Bayern feststeht - fürchten Sie nicht einen Autoritätsverlust innerhalb der Mannschaft?

Das werde ich auch nicht zulassen. Unser großes Ziel ist der Gewinn der

Deutschen Meisterschaft zum vierten Mal in Folge. Das hat noch kein Verein in der Bundesliga geschafft. Wer da nicht mitzieht, wird mit mir Probleme kriegen. Wenn sich einer quer stellt, wird es jede Menge Ärger geben.

Sie nehmen den Kampf um den Titel offenbar sehr persönlich.

Wenn wir Meister werden, wovon ich ausgehe, ist das nicht mein persönlicher Erfolg, sondern einer der ganzen Mannschaft. Verstehen Sie, ich möchte hier auch nichts hinterlassen. Ich möchte nur, dass sich die Verantwortlichen des Vereins mit mir am Saisonende hinsetzen und wir gemeinsam feststellen, dass es vier schöne und erfolgreiche Jahre für den FC Bayern waren und ich daran einen gewissen Anteil hatte.

Trotz der fünf Punkte Rückstand auf Leverkusen behaupten Sie, dass der FC Bayern Meister wird. Das ist muig.

Vor zwei Jahren hat Leverkusen nicht den Big Point gemacht, vor einem Jahr nicht Schalke 04. Wir haben die nötige Mentalität. Aber es wird immer knapper für uns, das haben die beiden vergangenen Saisons auch gezeigt.

Und Sie wollen es allen noch einmal zeigen.

Darum geht es gar nicht. Es gibt für mich noch etwas zu erledigen. Der Hunger auf Erfolg ist immer da. Natürlich wird es für die Bayern auch mal nicht so gut laufen. Irgendwann werden sie mal nur Dritter oder Vierter werden. Aber das ist nicht mehr mein Thema.

Wie wird sich Ihr Verhältnis zum FC Bayern gestalten, wenn Sie nicht mehr da sind?

Der FC Bayern hat mir die Chance gegeben, erfolgreich zu sein. Aber ich werde bestimmt nicht alle zwei Wochen anrufen. Ich werde auf Distanz gehen. Es wird dann Dinge geben, die für mich wichtiger sind, als ständig an den FC Bayern zu denken.

Was treibt Sie denn ins Ausland?

Ich denke, ich habe lange genug in Deutschland gespielt. Der Neid wird in Deutschland sehr groß geschrieben. Auch wenn ich hier schöne Jahre hatte.

Sind Sie nicht ein wenig enttäuscht, dass niemand vom FC Bayern auf Sie zugekommen ist und gesagt hat: Lieber Stefan Effenberg, bitte bleiben Sie noch ein oder zwei Jahre?

Es war für mich nie eine Frage, beim FC Bayern länger zu bleiben.

Was soll man über Sie sagen, wenn Sie den FC Bayern verlassen haben?

Ich kann nichts erwarten. Aber es gibt viele Dinge, die über mich geschrieben wurden, die erlogen und erstunken waren. Was da so alles erzählt und geschrieben wurde. Da muss sich niemand wundern, wenn der Spieler nicht mehr so offen ist, wie er sein könnte. Das ist eine Entwicklung, die mir sehr zu denken gibt.

Sie fühlen sich verkannt.

Nein, darum geht es mir überhaupt nicht. Da wurden Geschichten gemacht mit meiner Person, die gehen nicht. Ich will gar nicht alle Dinge auflisten. Aber da sitzt man schon mal zu Hause und fragt sich, ob man mit diesen Leute noch weiterarbeiten soll, sie am nächsten Tag einfach nur noch anlächeln soll, oder eine ganz andere Konsequenz ziehen muss. Man darf sich im Leben nicht alles gefallen lassen.

Was zum Beispiel nicht?

Wissen Sie, wenn Leute auf mich zukommen und sagen, Mensch, du bist doch gar nicht so, wie es geschrieben wird ...

...dann sagen Sie denen:

Ich bin so, wie ich hier und heute bin. Fertig.

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