Deutschland - Lettland 62:68 : Der Verlierer gewinnt

Deutschlands Basketballer unterliegen Lettland 62:68 – und ziehen in die EM-Zwischenrunde ein.

Lars Spannagel[Danzig]
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Lass dich umarmen. Sven Schulze (r.) herzt den Matchwinner Jan Jagla (m.). Foto: dpadpa

2000 lettische Fans tobten, das ganze Spiel über hatten sie ihre Mannschaft nach vorne gebrüllt. Jetzt, 10,9 Sekunden vor dem Ende, holten sie die letzten Dezibel aus sich heraus. Inmitten des Tumults stand Jan Jagla allein an der Freiwurflinie. Der deutsche Basketballnationalspieler traf seinen ersten Versuch, dann auch den zweiten. Die Letten starteten einen letzten vergeblichen Verzweiflungsangriff, hatten beim Klang der Schlusssirene gewonnen – und doch verloren.

Die deutschen Basketballer unterlagen in ihrem letzten Vorrundenspiel 62:68 (29:37), warfen die Letten aber trotzdem aus der Europameisterschaft. Die Mannschaft von Trainer Dirk Bauermann hatte sich im Dreiervergleich mit Russland und Lettland eine Niederlage mit acht Punkten erlauben dürfen. „Das ist die schönste Niederlage meines Lebens“, sagte Bauermann, dessen Mannschaft nach einem nervenaufreibenden Kampfspiel nun sensationell in die Zwischenrunde eingezogen ist.

Die lettischen Fans, von denen viele schon Stunden vor Spielbeginn zielstrebig die Umsätze des polnischen Brauereiwesens angekurbelt hatten, wollten nach zwei knappen Niederlagen endlich einen Sieg. Selbst gemalte Plakate wie „Latvia is Time“ oder „Deutschland Kaput“ kündeten davon. Das erste, was kaputt ging, war die Nase von Patrick Femerling, die vom Ellbogen eines Gegenspielers eine Platzwunde verpasst bekam. Dabei war der ehemalige Profiboxer im Team der Letten noch gar nicht auf dem Feld. Kaspars Kambala, in vier Schwergewichtskämpfen unbesiegt, kam wenig später ins Spiel und wurde von Sven Schultze gleich mit einem kräftigen Foul empfangen. „Es war heute eine Prügelei“, sagte Jagla nach dem Spiel. Bis zum Stand von 13:14 nach dem ersten Viertel war aber alles offen.

Die Stimmung auf dem Feld und den Rängen blieb hitzig. Ein lettischer Fan – mit Wikingerhelm und Sonnenbrille – war kurz davor, nach einer strittigen Entscheidung auf die Schiedsrichter loszustürmen. Die lettische Mannschaft schien Energie aus der Atmosphäre zu ziehen, während die Deutschen verunsichert wirkten. „Man hat gemerkt, dass der eine oder andere angefangen hat nachzudenken“, sagte Bauermann. Auch Routinier Femerling, dessen Nase in der Kabine mit mehren Stichen genäht worden war, vergab mehrfach aus kurzer Distanz. Die Letten machten aus einem 21:22-Rückstand eine 29:22-Führung, zur Halbzeit lagen sie 37:29 vorn.

Auch in der zweiten Hälfte liefen die Deutschen immer einem Rückstand hinterher, die Souveränität der ersten beiden Spiele war verschwunden. Als Lettland eine Minute vor Schluss 66:56 in Führung ging, war klar, dass Bauermanns Team nicht mehr gewinnen würde. In einer Auszeit klärte der Bundestrainer seine Spieler noch einmal darüber auf, in welchen Grenzen sie die Niederlage halten mussten. Femerling vergab einen Freiwurf, die Letten machten es besser: 57:68, Deutschland war ausgeschieden.

Doch 23 Sekunden vor Schluss kam der Ball in die Hände von Jagla, der sofort zum Dreipunktewurf hochging. „Gefangen und rauf damit“, sagte der gebürtige Berliner hinterher. Auf der Gegenseite vergab der Lette Ernests Kalve zwei Freiwürfe, Jagla wurde beim Rebound gefoult. Und der 28-Jährige behielt bei seinen Freiwürfen ein zweites Mal die Nerven.

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