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Deutschland liegt im Davis Cup 0:2 zurück : Guter Einsatz, schlechtes Ergebnis

Das deutsche Davis-Cup-Team liegt im Erstrundenduell mit Vorjahresfinalist Frankreich nach dem ersten Tag mit 0:2 zurück. Nach Debütant Jan-Lennard Struff verlor am Freitagabend auch Rückkehrer Philipp Kohlschreiber.

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Philipp Kohlschreiber konnte sich streeeecken so viel er wollte - gegen Gael Monfils hatte der Augsburger keine Chance.
Philipp Kohlschreiber konnte sich streeeecken so viel er wollte - gegen Gael Monfils hatte der Augsburger keine Chance.Foto: dpa

Philipp Kohlschreiber lehnte stoisch am Geländer des Ganges, der zu den Umkleiden in den Katakomben der Frankfurter Arena führte, und schaute zu, wie seine Teamkollegen einer nach dem anderen aufgerufen wurden und unter dem Applaus der 5000 Zuschauer in die Halle einmarschierten. Dann war er dran, als Letzter. „… unser Bester, Philipp Kohlschreiber!“, kündigte der Stadionsprecher begeistert an. Doch es mischten sich auch einige Pfiffe in den etwas verhaltenen Beifall. Kohlschreiber winkte in die Menge, ohne ein Lächeln. Es hätte schlimmer kommen können nach dem Eklat vor einem Jahr.

Kohlschreiber reihte sich neben Kapitän Michael Kohlmann, Jan-Lennard Struff, Benjamin Becker und Andre Begemann ein. Sie legten die Arme umeinander, als die Hymne erklang. Geschlossenheit demonstrieren, wie es ihr neuer Mentor Niki Pilic gefordert hatte. Denn vielmehr als um einen Sieg gegen die favorisierten Franzosen geht es bei dem Auftritt der deutschen Mannschaft im Erstrundenduell des Davis-Cups um Wiedergutmachung. Um eine Aussöhnung mit den Fans, mit denen man es sich nach dem Sieg über Spanien gründlich verdorben hatte.

Struffs Nominierung war etwas überraschend gekommen

Der erste Schritt gelang gestern, wenn auch ohne zählbaren Erfolg. Mit 0:2 liegt die deutsche Mannschaft hinten. Doch Struff bot in seinem Davis-Cup-Debüt eine erstaunlich starke und abgeklärte Leistung, die die Zuschauer mitriss. Es wurde ein viereinhalbstündiger Marathon gegen den Weltranglisten-14. Gilles Simon, und es fehlte nicht viel zur Sensation. „Ich habe alles gegeben und wirklich alles versucht“, sagte der 24-jährige Warsteiner geknickt nach seiner 6:7, 6:2, 7:6, 2:6 und 8:10-Niederlage. Aber die Nummer 74 der Welt hatte sich teuer verkauft – und das honorierten die Fans mit Ovationen für seinen begeisternden Auftritt. Sie hatten mit ihm gelitten, mit ihm gejubelt. Mehr verlangten sie gar nicht.

Struffs Nominierung war etwas überraschend gekommen, denn eigentlich hatte sich Becker den Einsatz durch seine guten Leistungen der letzten Monate verdient. „Mein Bauchgefühl“, sagte Kohlmann, hatte entschieden. Und Pilic hatte offenbar das gleiche Gefühl. Diese gemeinschaftliche Übereinkunft sollte sich auszahlen. Und es sprach ebenso für Beckers Teamgeist, dass er nicht maulte, sondern Struff vom ersten Ball an mit anfeuerte. „Er hat ein tolles Match gespielt“, lobte Becker, „er hatte ein bisschen Pech, denn er war am Ende der bessere Spieler.“

Kohlschreibers Niederlage nahmen ihm die Fans nicht krumm

Nachdem Struff die Nervosität abgelegt hatte, bot Struff dem ehemaligen Weltranglistensechsten einen Kampf auf Augenhöhe. Dass nach über vier Stunden die Konzentration verloren ging und Simon das entscheidende Break zum 9:8 gelang, nahm Struff nur sich selbst übel: „Bei mir überwiegt die Enttäuschung, dass ich dem Team keinen Punkt holen konnte.“

Das Publikum hatte ihn dennoch ins Herz geschlossen – aber würde es auch hinter Kohlschreiber stehen? Die Frankfurter taten sich etwas schwer, aber es war eben auch nie einfach mit dem sperrigen Augsburger. Erst recht nicht nach seiner Weigerung, vor einem Jahr zum bedeutungslosen Einzel gegen Spanien anzutreten. Damals war er angeschlagen. Nun litt Kohlschreiber an den Nachwehen einer Grippe, trat aber an. Die Trainingswoche in Frankfurt war mäßig gelaufen, aber zumindest bemühte er sich. Das akzeptierten die Zuschauer. Gegen Gael Monfils, die Nummer 19 der Welt, wäre es auch fit eine enorme Herausforderung geworden. Dass Kohlschreiber mit 4:6, 5:7, 6:7 (4:7) unterlag, nahmen ihm die Fans nicht krumm. Trösten – wie Struff – wollten sie ihn aber auch nicht.

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