Deutschland/Mazedonien : Der Handball-Weltmeister findet sich

Die deutschen Handballer erreichen dank einer Steigerung die Hauptrunde. Doch der Weg dorthin war hart.

Erik Eggers[Varazdin]

Es ist ein harter Gang gewesen, härter und nervenaufreibender, als es das Ergebnis aussagt. „Am Ende waren sie ziemlich konsterniert“, sagte Holger Glandorf, dem der Schweiß noch auf der Stirn stand, im Kabinengang der Gradska- Sportska-Halle im Varazdin. Der Linkshänder zählte beim 33:23 (13:14) der deutschen Handballnationalmannschaft gegen Mazedonien am Mittwoch zu den stärksten Akteuren. Neun Tore warf der Nordhorner, der formschwach in diese Weltmeisterschaft gestartet war. „Das war jetzt so, wie ich mir das vorstelle“, sagte der 25 Jahre alte Handballprofi. Auch die Tabelle dürfte ihm gefallen haben: Mit 7:1 Punkten hatte die deutsche Mannschaft schon vor dem letzten Vorrundenspiel die Qualifikation für die Hauptrunde in Zadar geschafft. „Jetzt müssen wir auch gegen Polen gewinnen, um die beste Ausgangslage für die Hauptrunde zu haben“, sagte Holger Glandorf. Die Neuauflage des WM-Finales von 2007 gegen Polen stand bei Redaktionsschluss noch aus.

„Wir haben heute über weite Phasen das konzentrierteste Spiel des Turniers abgeliefert“, sagte Bundestrainer Heiner Brand. „Die Mannschaft, die jetzt hier ist, die findet sich.“ Allerdings hatte der Weltmeister zu Beginn enorme Probleme, Kiril Lazarov, den bisher besten Torschützen des Turniers, in den Griff zu bekommen. Der Linkshänder von RK Zagreb traf beinahe, wie er wollte. Als er in der 14. Minute bereits zum fünften Mal getroffen hatte, lagen die nervösen deutschen Profis 4:7 hinten. Zudem kam der deutsche Positionsangriff nicht ins Rollen. Pascal Hens konnte sich kaum durchsetzen, Deutschland war auf seine 6:0-Abwehr und Einzelaktionen angewiesen. Selbst die 12:11-Führung, die Spielmacher Michael Kraus erzielte, beruhigte das deutsche Spiel nicht. Vier teils seltsame, teils berechtigte Zeitstrafen, die Bundestrainer Heiner Brand fassungslos zur Kenntnis nahm, erhöhten die Verunsicherung.

Beim Stand von 22:20 ereignete sich die Schlüsselszene: Nach einer Tätlichkeit gegen den Kieler Dominik Klein sah Lazarov die Rote Karte, zum Entsetzen der rund 1500 lautstarken mazedonischen Fans. Danach brach der Gegner auseinander, zumal sich auch Torwart Johannes Bitter steigerte. Als Glandorf mit zwei Treffern auf 28:22 erhöhte, war die Partie entschieden. Den Schlusspunkt setzte Christian Schöne, den Brand wegen der Erkältung Stefan Schröders kurzfristig nachnominiert hatte. Für den Trainer erwies sich die Wahl Schönes als Glücksgriff – der Göppinger erzielte acht Tore. „Vertrauen hatte ich schon zu ihm“, sagte Brand. „Aber er hat auch nicht immer so einen Tag.“ Holger Glandorf machte sich seinen eigenen Reim auf Schönes starke Leistung und erklärte mit einem Lächeln: „Christian war ja auch gut erholt.“

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