Sport : Deutschland - Rumänien: Scholl wendet den Fehlstart ab

Mit viel Glück und noch mehr Mühe hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft einen Fehlstart vermieden. Beim 1:1 (1:1) im ersten Spiel der Gruppe A gegen Rumänien in Lüttich bewahrte eine Fehlentscheidung des dänischen Schiedsrichters Kim-Milton Nielsen den Titelverteidiger vor einem berechtigten Foulelfmeter (41.). Zudem vergab Viorel Moldovan, der die Rumänen in der 5. Minute in Führung gebracht hatte, zwei hundertprozentige Möglichkeiten, um seinem Land zum ersten Sieg bei einer Europameisterschafts-Endrunde zu verhelfen. So waren die etwa 12 000 deutschen Fans unter den 30 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion Sclessin froh, dass Mehmet Scholl (28.) wenigstens der Ausgleich gelang. Vor dem Klassiker am Sonnabend in Charleroi gegen England ist das deutsche Team nach der Punkteteilung zum Start bereits erheblich unter Druck geraten.

Glanzstück der deutschen Mannschaft war die Offensivabteilung, in der sich Scholl zum Regisseur aufschwang. Der Bayern-Spieler übertraf Länderspiel-Jubilar Thomas Häßler bei dessen 100. Einsatz im Nationaltrikot an Übersicht und Spielfreude. Im Angriff unterstrich Oliver Bierhoff in seinem 50. Länderspiel einmal mehr seine Kopfball-Gefährlichkeit. Sein Nebenmann Paulo Rink, der für den verletzten Ulf Kirsten in die Anfangsformation rückte, war ebenfalls viel in Bewegung. In der Abwehr war Lothar Matthäus dagegen auch zum EM-Start eher ein Sicherheitsrisiko denn ein stabilisierender Faktor. Der Rekord-Nationalspieler, dessen Oberschenkelmuskulatur zwei Wochen lang die ganze Nation beschäftigt hatte, wirkte gehemmt und spielte bis zu seiner Auswechslung 13 Minuten vor Schluss gegen Sebastian Deisler praktisch keinen langen Ball. Als Abwehrchef agierte er weit vor den beiden Manndeckern. Dadurch wurden Thomas Linke und Jens Nowotny häufig zu Duellen Mann gegen Mann gezwungen. Während der Leverkusener dabei stets die Übersicht behielt, sah Linke eine Halbzeit lang gegen Moldovan schlecht aus.

Schlechter konnte die Europameisterschaft für die deutsche Mannschaft nicht beginnen: Noch ehe sich die Ribbeck-Elf auf den Gegner eingestellt hatte, lag sie nach einem Fehler von Linke in Rückstand. Der Defensivspieler von Bayern München verlängerte ungeschickt einen Pass des Wolfsburgers Dorinel Munteanu beim Versuch, den Ball wegzuspitzeln. Adrian Ilie zog auf und davon und passte in die Mitte zu Moldovan, der von Nowotny sträflich unbewacht keine Mühe hatte, zu vollstrecken. Die Deutschen mussten den spielstarken Rumänen weiter die Initiative überlassen. Bei einem Kopfball von Moldovan (18.) drohte sogar das 0:2. Vorausgegangen war ein Sprintduell, in dem der 39-jährige Matthäus gegen den nur vier Jahre jüngeren Gheorghe Hagi klar den Kürzeren gezogen hatte.

Erst Mitte der ersten Halbzeit fand das deutsche Team über den Kampf zu einem besseren Spielverständnis. Indiz dafür war die erste Chance durch Bierhoff (24.), dessen Kopfball Torhüter Bogdan Stelea mit einer Reflexbewegung entschärfte. Vier Minuten später leitete eine Ballstafette über Linke, Babbel und Rink den deutschen Ausgleich durch Scholl ein, der sich aus 18 Metern ein Herz fasste und den Ball mit dem linken Außenrist in den Winkel jagte. Das fünfte Tor des Münchners im 27. Länderspiel setzte in der DFB-Elf Kräfte frei. Großes Glück hatte der Titelverteidiger allerdings vier Minuten vor der Pause, als der dänische Schiedsrichter Nielsen eine Attacke von Nowotny an Ilie im Strafraum nicht mit dem eigentlich fälligen Elfmeter ahndete.

Mit einer erneuten Chance für Moldovan begannen die zweiten 45 Minuten. Der Angreifer von Fenerbahce Istanbul setzte sich energisch gegen den für Linke eingewechselten Marko Rehmer durch und prüfte Kahn aus spitzem Winkel (49.). Die deutsche Antwort lieferte wenig später Bierhoff (51.), dessen Kopfball den Pfosten des rumänischen Tores berührte. In der 68. Minute vergab Moldovan mit einer Doppelchance die Möglichkeit, seine Mannschaft auf die Siegerstraße zu bringen. Zunächst schoss der 27-Jährige den vor der Torlinie stehenden Matthäus an, den Nachschuss drosch er weit am deutschen Kasten vorbei.

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