Sport : Deutschland schwimmt unten

Hockeyspielerinnen unterliegen den Niederlanden im EM-Finale 0:3

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Gestolpert. Im EM-Finale gab es für Maike Stöckel und Kolleginnen gegen die Niederländerinnen keine Freude. Auch sieben Strafecken brachten den Deutschen nichts ein. Foto: dpa Foto: dpa
Gestolpert. Im EM-Finale gab es für Maike Stöckel und Kolleginnen gegen die Niederländerinnen keine Freude. Auch sieben Strafecken...Foto: dpa

Schlechtes Wetter gibt es nur für Verlierer, Sieger kennen weder Nässe noch Kälte. Der Regen patschte immer noch auf den Platz, wer konnte, hatte sich längst ins Trockene geflüchtet, da stürmten die holländischen Hockeyspielerinnen plötzlich das Feld. Sie enterten das leere Siegerpodest, hüpften umher und sangen ihre Siegeslieder. Es war ein spontaner Ausbruch der Freude unter denkbar tristen Umständen. Unmittelbar vor der Schlusssirene des EM-Finales zwischen Holland und Deutschland war ein Wolkenbruch über dem Mönchengladbacher Hockey-Park niedergegangen. Aber nicht einmal das Unwetter konnte die Party der Holländerinnen nach ihrem 3:0 (2:0)-Erfolg gegen die Gastgeberinnen stoppen. Im Gegenteil: Es eröffnete ihnen ganz neue Möglichkeiten. Die neuen Europameister zeigten, dass selbst auf Kunstrasen der Diver möglich ist, ohne dass man sich böse Brandverletzungen zuzieht. Der Platz muss nur bis zu den Knöcheln unter Wasser stehen.

Vielleicht hätten die Deutschen in diesem Finale eine Chance gehabt, wenn das Gewitter den Platz schon etwas früher geflutet hätte. Aber das ist hypothetisch. „Wir können mit Holland mithalten, wenn wir auf dem höchsten Level spielen“, sagte Bundestrainer Michael Behrmann, „das haben wir heute nicht erreicht.“ Wie sehr die Holländerinnen das europäische Hockey dominieren, zeigt ihre EM-Bilanz: Bei nunmehr zehn Turnieren holten sie zum achten Mal den Titel. Die Deutschen vermochten es nicht zu verhindern.

„Der Start ist uns heute etwas misslungen“, sagte Stürmerin Maike Stöckel. „Damit haben wir haben den Holländerinnen einen Gefallen getan.“ Eigentlich wollten die Deutschen möglichst lange das 0:0 halten, um den Favoriten ein wenig nervös werden zu lassen. Nach etwas mehr als sieben Minuten war dieser Plan hinfällig. Die erste Strafecke des Spiels brachte Holland in Führung. Marilyn Agliotti, die den Ball in den Kreis geschlagen hatte, vollendete mit einem Stecher zum verdienten 1:0. Von Nervosität war bei den Titelverteidigern nun erst recht nichts zu spüren.

Die Holländerinnen spielten ein extrem offensives Pressing, sie attackierten sehr früh und schalteten nach deutschen Ballverlusten blitzschnell um, so wie in der 24. Minute, als Ellen Hoog den Angriff mit dem Treffer zum 2:0 abschloss. Deutschlands Torhüterin Yvonne Frank war auch bei diesem Tor machtlos, mit einigen guten Paraden verhinderte sie sogar noch einen deutlich höheren Rückstand. Die deutschen Feldspielerinnen fanden vor gut 7000 Zuschauern erst gegen Ende der ersten Halbzeit etwas besser ins Spiel. Maike Stöckel und Natascha Keller, die nach dem Finale als wertvollste Spielerin des Turniers ausgezeichnet wurde, scheiterten in aussichtsreicher Position an Hollands Torhüterin Floortje Engels, zwei Strafecken der Deutschen brachten nichts ein.

Auch nach der Pause machten die Gastgeber zunächst weiter Druck. Es war eine Phase, in der die Partie hätte kippen können, doch im entscheidenden Moment fehlte den Deutschen der letzte Kick. „Wir haben es immer wieder versucht“, sagte Stöckel. Gut 20 Minuten vor Schluss aber erlahmte der Widerstandsgeist plötzlich. Eigentlich blieb noch genug Zeit, doch die Deutschen hatten gerade drei Strafecken hintereinander vergeben, sieben waren es im gesamten Spiel. Es sollte einfach nicht sein. „Wenn man nur hinterherläuft, ist der Akku irgendwann leer“, sagte Bundestrainer Michael Behrmann.

Die Holländerinnen brachten die Angelegenheit souverän zu Ende, konnten sich sogar eine ungewohnte Nachlässigkeit bei der Ausführung ihrer Strafecken leisten. Von insgesamt sieben führten nur die erste und – im Nachschuss durch Lidewij Welten – die letzte zu Toren. Normalerweise liegt ihre Erfolgsquote deutlich höher. Für die Deutschen aber reichte es an diesem Nachmittag auch so.

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