Sport : Deutschland versteht keinen Spaß

Bei der Eishockey-WM trotzt das Zach-Team den Finnen ein 2:2 ab und verdirbt den Fans die Stimmung

Claus Vetter

Helsinki. In Finnland wird gern mal ausgiebig gefeiert. Besonders gilt das für die Zuschauer beim Nationalsport Eishockey. Ohne Frage werden dann alkoholische Getränke goutiert, wobei es dem Fan bei der Weltmeisterschaft in Helsinki nicht einfach gemacht wird. Wer auf dem Weg zum Stadion zuviel getrunken hat und nicht mehr ganz so schnurgerade Richtung Eingang wandert, übersteht die strengen Kontrollen an der Hartwall-Arena nicht. Gestern allerdings waren die meisten Zuschauer wohl vor dem Spiel noch nüchtern, hatten es 13229 Zuschauer bis in das Stadion im architektonisch von weniger reizvollen Wohnblocks dominierten Stadtteil Pasila geschafft. Die überwiegend in den blau-weißen Landesfarben gekleideten finnischen Anhänger sorgten vor der Partie der Finnen gegen Deutschland für prächtige Stimmung. Wenig später allerdings nicht mehr: Denn die deutsche Auswahl erwies sich als Spaßbremse, die Mannschaft von Bundestrainer Hans Zach kam bei ihrem letzten Spiel der Zwischenrunde zu einem beachtlichen 2:2 (1:2, 1:0, 0:0)-Unentschieden und trifft nun heute im Viertelfinale in Turku auf Kanada (15 Uhr).

Gegen die läuferisch überlegenen Finnen hatte Leonard Soccio (Hannover) schon nach fünf Minuten das 1:0 für den Außenseiter erzielt. Doch nach dem Treffer halfen zunächst der Krefelder Christian Ehrhoff und dann der Iserlohner Lasse Kopitz dem Gegner mit ihren Ausflügen auf die Strafbank auf die Sprünge: Es fielen Überzahl-Tore von Peltonen und Nummelin , und so lagen die Finnen nach dem ersten Drittel 2:1 in Führung. Daniel Kreutzer von der Düsseldorfer EG traf allerdings kurz nach Wiederbeginn zum 2:2. Die Freude über den Ausgleichstreffer war bei Zach aber schnell verflogen: Sven Felski zog sich einen Kreuzbandriss zu. Die schwere Verletzung bedeutet für den Berliner Stürmer der Eisbären eine Pause von mindestens sechs Monaten. Im schlimmsten Fall, so hieß es aus dem Ärztestab des deutschen Teams, muss Felski sogar seine Karriere beenden. Das war ein Rückschlag, zumal mit Jan Benda (Knieverletzung) und Len Soccio (Leiste) ohnehin zwei Akteure mit gesundheitlichen Problemen kämpfen. Doch vor allem dank Oliver Jonas schlug sich die deutsche Mannschaft äußerst passabel und kam zu einem verdienten Unentschieden. Torwart Jonas, bei den Berliner Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga meist Ersatz, zeigte gegen die mit 13 Spielern aus der National Hockey League angetretenen Finnen eine herausragende gute Vorstellung.

Der „Test fürs Viertelfinale“, so hatte Zach das gestrige Spiel tituliert, ist in eindrucksvoller Weise gelungen. Denn schon vor dem Spiel galt beim Team von Hans Zach die Konzentration auf das Viertelfinale, wo nun die Kanadier warten. Der 21-fache Weltmeister ist Favorit gegen Deutschland. Doch ist der Optimismus vor dem Spiel beim Außenseiter groß. „Wir werden etwas reißen“, sagt Stürmer Andreas Morczinietz von den Kölner Haien. Wirklich? „Na ja, man darf doch noch träumen.“ Sein Kollege Jan Benda macht keinen Rückzieher. „Wir sind diesmal dran“, glaubt der Kapitän der Deutschen.

Auch Hans Zach ist für seine Verhältnisse vor dem Spiel am Mittwoch erstaunlich mutig. Sein Hobby könne warten, sagte der Bundestrainer gestern. Der passionierte Angler will seiner Leidenschaft erst ab Dienstag frönen: Zwei Tage nach dem WM-Finale.

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