Sport : Deutschlands Gegner arbeiten schon am Feinschliff

Rumänien rätselt und bangt um seinen Superstar Gheorghe Hagi, England streitet über den formschwachen Torjäger Alan Shearer und aus Portugal kommen forsche Töne: Während die deutsche Mannschaft am Mittwochabend in Freiburg gegen Fußball-Zwerg Liechtenstein noch einen letzten Formtest in der Heimat absolvierte, arbeiteten die Gruppengegner bereits in den Niederlanden und Belgien am Feinschliff für den Startschuss in der Gruppe A am Pfingstmontag. Drei Tage vor Beginn der EM-Endrunde wies das Form- und Stimmungsbarometer der deutschen Vorrundengegner noch große Unterschiede auf.

Die Rumänen starten mit kirchlichem Segen, aber einem unverändert großen Fragezeichen hinter der Fitness von Kapitän Hagi in das EM-Abenteuer. Der 35-jährige Mittelfeldstar plagt sich mit Leistenproblemen herum, die ihn schon am vergangenen Sonnabend zu einer Zwangspause beim letzten Testspiel gegen Griechenland (2:1) zwangen. Die Zeit wird knapp.

"Er kann nur leicht trainieren, damit sich die Verletzung nicht verschlimmert", sagte Teamarzt Pompiliu Popescu. Trainer Emerich Jenei schließt einen Verzicht auf seinen Star nicht mehr aus. "Es ist möglich, dass er gegen Deutschland nicht spielt." Die Entscheidung will der Trainer offenbar seinem Kapitän selbst überlassen. "Er weiß selbst am besten, ob es sinnvoll ist, ein Risiko einzugehen oder nicht", sagte Jenei, der Hagi als Schlüsselspieler in seinem Kader bezeichnete: "Kein anderer in meiner Mannschaft kann so spielen wie er."

Bei den Engländern ist der Streit um die Form von Alan Shearer das Thema Nummer eins. Während Trainer Kevin Keegan keinen Zweifel an seinem Kapitän aufkommen lässt und ihn für das Auftaktspiel gegen Portugal am Montag in Eindhoven als Angriffsführer gesetzt hat, lassen die englischen Medien kein gutes Haar mehr an dem 29-jährigen Stürmer von Newcastle United. "Er hat in der Mannschaft nichts zu suchen", lautet das einstimmige Urteil der Zeitungen auf der Insel. Shearer, der seit sechs Länderspielen ohne Torerfolg ist, wies die Kritik zurück. "Beurteilt mich nach der EM und nicht schon vorher", sagte er im Trainingslager im belgischen Spa und erinnerte an die letzte EM 1996 in England, als er vor dem Turnier in zwölf Spielen nicht einmal getroffen hatte und dann mit sechs Treffern zum gefeierten Torschützenkönig avancierte.

Die Portugiesen können den EM-Start kaum noch erwarten. Im ersten Spiel gegen England wollen sie ihrer Rolle als Geheimfavorit auf Anhieb gerecht werden. "Wir haben zwei Vorteile gegenüber den Engländern. Wir spielen kreativer und sind stärker im Spiel eins gegen eins", tönte Sergio Conceicao. Der Profi von Lazio Rom machte zugleich Stimmung in eigener Sache, nachdem er beim letzten Testspiel gegen Wales (3:0) nicht von Beginn dabeigewesen war. "Ich gehöre in die Anfangsformation." Einen Platz in dieser hat Torwart Vitor Baia sicher, obwohl der 30-Jährige zur Schonung seines operierten Knies wie die leicht angeschlagenen Abel Xavier und Paulo Sousa nicht das volle Trainingsprogramm absolviert.

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