Deutschlands Gegner Tschechien : Vladimir Darida: Die fehlende Mischfigur

In Tschechien sehen sie in Herthas Vladimir Darida eine angehende Mischung aus Pavel Nedved und Tomas Rosicky. In der WM-Qualifikation gegen Deutschland wird der Spielmacher aber fehlen.

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Der Macher. Herthas Vladimir Darida fehlt derzeit auch Tschechien.
Der Macher. Herthas Vladimir Darida fehlt derzeit auch Tschechien.Foto: AFP

Vladimir Darida kommt auf Krücken zur Verabredung. Sein linker Fuß steckt in einem Air-Walker, einem Spezialschuh. Vor ein paar Tagen ist der 26 Jahre alte Fußballprofi von Hertha BSC an den Außenbändern des Fußgelenks operiert worden. „Alles gut und komplikationsfrei verlaufen“, sagt Darida. Vielleicht wird er nächste Woche den Air-Walker los. Zuvor aber wird er am Sonnabend nach Hamburg fahren, wo am Abend das WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Tschechien stattfindet. Darida reibt sich die Stirn und sagt: „Alle wissen, dass Deutschland sehr stark ist. Selbst wenn bei uns alle verletzten Spieler dabei wären, bräuchten wir wohl ein kleines Wunder.“

Neben Darida, der in Tschechiens Nationalelf eine ähnlich zentrale Rolle spielt wie bei Hertha, fallen Torwart Jaroslav Drobny, inzwischen Werder Bremen, und Mittelfeldspieler Martin Frydek (Sparta Prag) aus. So bleiben Theodor Gebre Selassie (Bremen) und Pavel Kaderabek (Hoffenheim) die einzigen Bundesligaprofis im Aufgebot des neuen tschechischen Trainers Karel Jarolim, 60.

„Allerdings sind wir stark gegen starke Gegner“, sagt Darida. Der Mittelfeldspieler erinnert an die beiden Siege über Holland in der zurückliegenden EM-Qualifikation. Und auch beim EM-Turnier in Frankreich selbst lief es anfangs gar nicht schlecht für Tschechien. Gegen den Titelverteidiger Spanien verlor man erst kurz vor Schluss, gegen den Geheimfavoriten Kroatien gab es ein 2:2. „Wir hatten alle Chancen, aber dann haben wir gegen die Türkei kein gutes Spiel gemacht und sind ausgeschieden. Wir waren alle enttäuscht“, sagt Darida.

Tschechien brauchte etwas, um sich zu berappeln

Seit dem ist einiges passiert. In Mittelfeldstar Tomas Rosicky, 36, und Torwart Petr Cech, 34, traten die beiden letzten Spieler der einst großen, tschechischen Fußballgeneration zurück. Es war jene Generation aus Spielern wie Milan Baros, Jan Koller, Karel Poborsky, Valdimir Smicer und natürlich Pavel Nedved, die vor zehn Jahren im Zenit ihrer Schaffenskraft stand und bei der EM 2004 unglücklich im Halbfinale gegen den späteren Europameister Griechenland in der Verlängerung durch ein Silver Goal verlor.

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Es blieb am Ende eine Generation der Unvollendeten, die ihr Können ebenso wenig vergolden konnten die jene von 1996, die im EM-Finale von Wembley an den Deutschen und dem Golden Goal Oliver Bierhoffs scheiterte. Darida war damals sechs Jahre alt – und „verpasste“ das Spiel zu sehen. 2004 verfolgte er als 14-Jähriger zusammen mit seinem Mitspieler im Feriencamp einer Fußballschule. „Ich war traurig damals und es war schade für diese Mannschaft, sie hätte den Titel gewinnen können wie Deutschland in diesem Sommer jetzt“, erzählt Darida. Bei der EM in Frankreich scheiterte die für ihn „beste Mannschaft“ am Gastgeber im Halbfinale.

Tschechien brauchte etwas, um sich zu berappeln und wieder neu zu erfinden. Darida hat Hoffnungen, vorsichtige. „Damals, 2004, waren fast alle großen Spieler von uns im Ausland und bei Topklubs wie Liverpool, Dortmund und Juventus und dort auch Leistungsträger. Das werden wir jetzt nicht schaffen, aber zwei, drei Spielern von uns traue ich das zu“, sagt Darida. Er denkt dabei beispielsweise an den erst 20 Jahre alten Patrik Schick, der für Sampdoria Genua stürmt. „Er ist technisch gut und schnell – ein Riesen-Talent. Er kann das Level von Koller und Baros erreichen.“

Darida gilt als Mischung aus Nedved und Rosicky

Gleich nach der für Tschechien enttäuschenden EM-Endrunde in Frankreich gab es auf dem Trainerposten einen Wechsel. Karol Jarolim, der Vater des ehemaligen HSV-Profis David Jarolim, übernahm das Amt von Pavel Vrba. Vrba ist so etwas wie ein Ziehvater Daridas. Mit ihm als Klubtrainer bei Viktoria Pilsen gewann Darida 2011 und 2013 die tschechische Meisterschaft. Als Vrba dann Nationaltrainer wurde, zog er Darida mit.

In Tschechien sehen sie in Darida eine angehende Mischung aus Nedved und Rosicky. Mit Letzterem habe er immer sehr gern in der Auswahl zusammengespielt. „Tomas hat ein sehr gutes Auge. Die Ideen, die er hatte und das, was er auf dem Feld sah, konnte er mit seinen Füßen auch umsetzen“, erzählt Darida: „Ich wusste, was er macht, wir passten zusammen.“ Nicht nur deshalb hatte in diesem August Frankreichs Topklub, der AS Monaco, seine Fühler nach ihm ausgestreckt. „Ich bin in Berlin zufrieden, für mich war das keine Frage zu dieser Zeit“, sagt Darida.

Wenn er realistisch sei, dann sehe er seine Nationalelf in der WM-Qualifikationsgruppe C maximal als Favorit auf den Platz hinter Deutschland, wie er sagt. Neben Nordirland, gegen das Tschechien nur mit einem 0:0 startete, gelte es Norwegen hinter sich zu lassen. Weswegen es bei Hertha immer mal wieder zu Sticheleien mit Per Skjelbred und Rune Jarstein komme, die für Norwegen spielen. „Zu Rune habe ich neulich gesagt, dass ich gegen ihn zwei Tore machen werde“, erzählt Darida. Wie die Reaktion des Torwarts ausfiel, wollte er fairerweise nicht verheimlichen. Darida lacht: „Er sagte, dass er gegen mich nicht mal seine Hände braucht.“

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