Sport : Deutschlands gewinnender Auftritt

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Von Christoph Daum

Jetzt zitieren wieder alle Lineker, meistens mit abfälligem Unterton: „ ...und am Ende gewinnt Deutschland". Na und? Sollen wir uns etwa dafür schämen, dass wir es bis ins Halbfinale geschafft haben? Die Klagen über das Auftreten der deutschen Mannschaft sind albern. Profifußball ist knallharter Ergebnissport. Für Schönspielerei bleibt oft nur tiefes Mitleid, Leverkusen kann ein Lied davon singen. Bisher hat uns niemand besiegt; wir haben vier Mal zu null gespielt; das Spiel gegen Saudi-Arabien war ein Höhepunkt der WM. Viele würden gerne mit uns tauschen.

Rudi Völler und Michael Skibbe holen das Maximale heraus. Zu Beginn der WM wurde ein Scheitern in der Vorrunde für möglich gehalten, das Viertelfinale war das Ziel der Glückseligkeit. Spielerische Dominanz und überzeugende Siege hat niemand erwartet. Trotz erkennbarer Schwächen hat sich unser Team mit mannschaftlicher Geschlossenheit, Kampfkraft und einem überragenden Oliver Kahn Respekt erarbeitet. Mit Freude und ein wenig Stolz sehe ich, dass die Leverkusener Ballack und Neuville die letzten Spiele entschieden haben. Auch Schneider hat maßgeblichen Anteil am Erreichten.

Alle, die jetzt über den deutschen Fußball herziehen, überschätzen unser Potenzial oder sind vom schwachen Niveau dieser WM insgesamt enttäuscht, manche reagieren auch nur ihren Frust über das eigene Versagen ab. Sie übersehen, dass viele deutsche Spieler, die das Team erst in den nächsten Jahren prägen werden, hier noch Erfahrungen sammeln. Gerade das Auftreten der Jüngeren zeigt: Es gibt keinen Grund zum Jammern oder Resignieren, wir haben Talente – nicht üppig viele, aber immerhin.

Jetzt gilt es, den richtigen Weg beizubehalten: weiter jüngere Spieler an die Nationalmannschaft heranführen, ihre Individualität fördern, die Akzente in der Ausbildung stärker auf Kreativität und Spielwitz setzen, aber auch weiterhin hohen Wert auf Mannschaftsdienlichkeit und Einsatzbereitschaft legen. Die Identifikation mit der Nationalmannschaft wird ohnehin wachsen – dank des hervorragenden Abschneidens des deutschen Teams bei dieser WM.

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

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