Sport : Deutschlands härteste Linke hat zugeschlagen

MICHAEL ROSENTRITT

Berliner Halbschwergewichtler Thomas Ulrich boxt als Profi für den Hamburger Universum-Stall VON MICHAEL ROSENTRITT

Berlin.Deutschlands stärkste Linke hat eine neue Heimat.Am Wochenende hatten sich der für seinen linken Haken gefürchtete Halbschwergewichtler Thomas Ulrich aus Spandau und der Boxpromoter Klaus-Peter Kohl (Hamburg) auf eine sechsjährige Zusammenarbeit geeinigt.Damit endet das längste Tauziehen der Nachwendezeit um den erfolgreichen Amateurboxer.Auch Wilfried Sauerland, der vor Wochenfrist mit Graciano Rocchigiani übereingekommen war, bot lange mit um das Ja-Wort des erst 21 Jahre alten WM- und Olympiadritten, der als das hoffnungsvollste Talent gilt. "Für uns ist Thomas Ulrich seit zweieinhalb Jahren der Wunschkandidat", sagte Kohl gestern in Berlin."Er ist der wahre Nachfolger Henry Maskes und als einziger in der Lage, die Tradition der Deutschen im Halbschwergewicht fortzusetzen." Ulrich selbst, der sich vom boxerischen Stil her eher nicht mit Maske verglichen wissen möchte, will in zwei, drei Jahren in die Weltspitze vorgedrungen sein."Ich war als Amateur bei der EM, WM und bei den Olympischen Spielen erfolgreich.Daran möchte ich anknüpfen", sagte Ulrich.Der Berliner, der als Amateur von 70 Kämpfen mehr als die Hälfte durch K.o.gewinnen konnte, wird sein Profidebüt am 11.Januar im Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin bestreiten.Der Hauptkampf dort wird der Kampf um die Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht zwischen den beiden Berlinern Bert Schenk und Mario Lupp sein. Gegenwärtig trainiert Ulrich im Berliner Universum-Gym bei seinem neuen Trainer Dietmar Schnieber, der dort auch Marco Rudolph, Mario Veit und Oktay Urkal betreut.Schnieber über seinen Neuen: "Nach wenigen Tagen hat sich gezeigt, daß Thomas in der Lage ist, die Umstellung auf profihaftes Boxen in kürzester Zeit zu schaffen.Er besitzt ein einzigartiges Bewegungsgefühl." Das habe Schnieber selbst bei einem Marco Rudolph, der unter ihm bei den Amateuren immerhin Weltmeister und Olympiazweiter werden konnte, nicht erkennen können."Wir müssen aber Gedult haben und ihm Zeit geben", sagte Schnieber, der darauf verwies, daß Ulrich erst 1989 mit dem Boxen begonnen, und deswegen noch einiges zu lernen habe."Wenn er engagiert trainiert und entsprechend lebt, kann er ein ganz großer Profiboxer werden." Das mit der entsprechenden Lebensweise und Trainingseinstellung war freilich nicht immer so.Aufgegangen war der Stern des Vize-Juniorenweltmeisters 1994.Bei den Deutschen Meisterschaften bezwang Ulrich damals 19jährig den "Altmeister" des deutschen Boxsports, den bis dahin neunfachen Meister Sven Ottke.Ulrich hatte sich damit für die WM 1995 qualifiziert.Er wurde Dritter.Zu dieser Zeit bereits als Ausnahme-Boxer gehandelt und von den Promotern umworben, verkraftete der junge Mann den frühen Ruhm noch nicht.Probleme im Privaten, Trennung vom Trainer, Leistungsfall - "ich wollte schon mit Boxen aufhören", erinnert sich Ulrich.Im Januar des Jahres aber hatte sich Ulrich wieder in den Griff bekommen, trainierte beim früheren Berliner Bundestrainer Ulrich Wegner und erfäustelte sich beim olympischen Turnier in Atlanta Bronze.Der Erfolg war wieder da und mit ihm die Herren Kohl und Sauerland. Auschlaggebend für die Pro-Kohl-Entscheidung sei gewesen, "daß ich in Berlin bleiben kann", sagte Ulrich, der nach wie vor auf den Rat seines "persönlichen Managers" Werner Lichtenberg hört.Der Berliner Gastronom betreut neben Ulrich weitere Berliner Berufsboxer, die er bereits zu deren Amateurzeiten finanziell unterstützt hatte.Trotz eines vermutlich hochdotierten Vertrages (über Summen wollte keiner sprechen) wird der Neuprofi in seiner Einzimmer-Wohnung bleiben.Alternativ dazu hat Ulrich ja noch bis zum 31.Dezember Bett und Spint bei der Sportförderkompanie in Potsdam.Darum habe der boxende Obergefreite den Kontrakt mit Kohl noch nicht unterschreiben können.Womöglich kämen sonst die Feldjäger, und würden Deutschlands härteste Linke in Gewahrsam nehmen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar