Sport : Deutschlands neue Linke

Wolfram Eilenberger

erklärt, warum wir jetzt noch stärker sind Es ist der größte nicht-operative Eingriff in ein menschliches Gehirn – seine Folgen sind verheerend: die Feinmotorik leidet, es kommt zu Sprachstörungen, Minderwertigkeitskomplexen sowie zu zwanghafter Übermotivation. Bei dem Eingriff, von dem hier die Rede ist, handelt es sich um die Umschulung von geborenen Linkshändern zu Rechtshändern. Seine Bedeutung für den deutschen Fußball ist enorm. Da bis zu 50 Prozent aller Kinder geborene Linkshänder und -füßer sind, sich in Völlers ursprünglichem EM-Aufgebot aber nur ein einziger linksfüßiger Feldspieler befand, könnten bis zu zehn Spieler der Nationalmannschaft in ihrer frühesten Jugend Opfer solch eines Umpolungsprozesses geworden sein. (Jeremies, Kehl, Wörns?)

Ganz abgesehen von Einzelschicksalen, ist ein Mangel an linken Kräften spieltaktisch eine Katastrophe. Ein ganzes Sortiment von Freistoßvarianten bleibt ungenutzt, mögliche Flügelwechsel fallen aus, vor allem aber fehlt es dem Spiel an jenem überraschenden Beziehungsreichtum, zu dem links spielende Menschen von Natur aus neigen. Die Bewegungsentwürfe Pelés, die Traumpässe Overaths, die Geniestreiche Maradonas – alles Werke von Linkfüßern.

Die Klage, dem deutschen Spiel fehle es an Esprit, ist damit nicht von dem Jahre währenden Linksfußmangel zu trennen. Mit dem erfahrenen Spaßvogel Ziege sowie dem forschen Podolski hat Völler gleich zwei Linsfüßer nachnominiert. Einen fürs Bankett, den anderen für die Bank. Das ist weise. Schließlich war es ein linker Fuß, der Deutschland den letzten EM-Titel bescherte. Oliver Bierhoff zog seinerzeit überraschend mit links ab. Es gibt also zusätzlichen Grund zur Hoffnung. Und träfe diesmal Joker Podolski im Finale, sähe seine Aktion noch nicht einmal ungelenk aus.

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