Deutschlands Skistar : "Das ist etwas für die Ewigkeit"

Maria Höfl-Riesch über ihren Traummann, Tränen beim Weltcupfinale und die gescheiterte Olympia-Bewerbung.

Maria Höfl-Riesch, wenn Sie in 50 Jahren auf Ihre Karriere zurückblicken, wo wird das Jahr 2011 dann stehen?

Ganz, ganz weit oben. Dieses Jahr bleibt unvergesslich.

Dabei mussten Sie in diesem Jahr eine bittere Niederlage hinnehmen – auf dem sportpolitischen Parkett. Wie haben Sie es verkraftet, dass im Sommer die Münchner Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 mit Ihrem Heimatort Garmisch-Partenkirchen gescheitert ist?

Natürlich war die Enttäuschung groß, als die Entscheidung gefallen ist. Wobei vorher schon gesagt wurde, dass Pyeongchang die größten Chancen hat, weil die Südkoreaner sich bereits zum dritten Mal beworben hatten. Es war für mich total spannend und eine Riesenehre, dass ich in Durban bei der Vergabe dabei sein durfte. Es war auch eine Ehre, bei der Münchner Präsentation auf dem Podium als Rednerin mitzuwirken.

München bewirbt sich jetzt zunächst nicht mehr für 2022. Wie finden Sie das?

Ich habe von Anfang an gesagt, dass man sich sofort wieder bewerben sollte. Sonst waren alle Mühen umsonst, und man muss wieder bei Null anfangen. Ich finde es sehr schade, dass das nicht gemacht wurde. Die Bewerbung war super, und die Chancen steigen von Bewerbung zu Bewerbung, wie man bei Pyeongchang gesehen hat. Die Entscheidung, nicht gleich noch mal anzutreten, hat sicher verschiedene Gründe, wahrscheinlich auch politische. Es kommen Bundestagswahlen, die Bayernwahl und die Gemeinderatswahlen. Da will keiner die Wähler gegen sich aufbringen.

Haben Sie nach der Entscheidung für Pyeongchang wie Katarina Witt geweint?

Hmm (kurzes Nachdenken). Nein, aber ich war kurz davor.

Wie fängt man sich in dieser Situation?

Es war für mich ein Deja-Vu-Erlebnis, deshalb wusste ich, wie ich damit umgehe. Ich war 2004 als Botschafterin von Garmisch-Partenkirchen bei der Vergabe der Alpinen Ski-WM 2009 dabei, damals in Miami. Da hat Garmisch die WM auch nicht bekommen. Dafür aber zwei Jahre später bei der Entscheidung in Portugal.

Ihre Heim-WM 2011 im Februar in Garmisch-Partenkirchen, war sie auch das sportlich herausragende Ereignis dieses Jahres für Sie?

Irgendwie schon, eine Heim-WM ist etwas Besonderes. Die Stimmung war super, und vor der Familie und so vielen Freunden und Bekannten die Rennen zu fahren und dann bei der Siegerehrung zu stehen, das war schon toll. Und dafür, dass ich richtig krank war und Antibiotika nehmen musste, um überhaupt starten zu können, sind zwei Bronze-Medaillen doch auch super. Überstrahlt wurde das alles nur vom Gesamtweltcupsieg am Ende der Saison.

Warum?

Die Entscheidung war so knapp am Schluss in Lenzerheide, das war sehr emotional. Der Gesamtweltcupsieg ist ja schon seit einigen Jahren ein Ziel von mir gewesen, ich bin zuvor schon Zweite und Dritte geworden. Wenn man eine Konkurrentin wie die Lindsey Vonn hat, die so überragend gefahren ist in den letzten Jahren, an der man sich ein bisschen die Zähne ausbeißt – und es klappt am Ende dann doch, ist das eine wahnsinnige Erleichterung und eine große Befreiung.

Haben Sie da geweint?

Ja, als das letzte Rennen am Morgen abgesagt wurde und damit die Entscheidung für mich gefallen war, da kamen schon ein paar Emotionen hoch. Ich hatte mich voll drauf eingestellt, dass dieses Rennen gefahren wird, und da hätte ja noch alles passieren können. Wobei ich im Riesenslalom letzte Saison besser in Form war als die Lindsey, aber trotzdem.

Und dann gab es für Sie einen privaten Höhepunkt im Jahr 2011. Steht die Hochzeit mit Marcus Höfl, der Sie und auch Franz Beckenbauer managt, über allem?

Man kann die privaten Highlights nicht mit den sportlichen vergleichen. Das sind zwei Welten. Aber natürlich, das ist etwas für die Ewigkeit. Und es ist für mich die Basis von allem, dass ich mit Marcus (blickt ihm lächelnd in die Augen) meinen Traummann gefunden habe. Es war ein wunderschönes Fest, ganz klar mein persönliches Highlight in diesem Jahr.

Woran denken Sie, wenn Sie sich an die Hochzeit erinnern?

An das Reingehen in die Kirche: Mein Papa hat mich zum Altar geleitet, der Marcus stand dort, alle Leute haben sich umgedreht, ich bin nach vorne geschritten mit dem wunderschönen Kleid – das war alles unbeschreiblich.

Haben Sie da geweint?

Ja, mehrmals.

Und zum Jahresabschluss gab es die Versöhnung mit Lindsey Vonn, mit der Sie sich zuvor verkracht hatten. Zählt das auch als kleiner Jahreshöhepunkt?

Für uns beide war es eine Riesenerleichterung, dass das aus der Welt geschafft wurde, und wir wieder ein entspanntes kollegiales Verhältnis haben. Ich bin sehr froh, dass es so gekommen ist.

Was wartet 2012 auf Sie?

Viele, viele Rennen. Gerade Ende Januar und Februar ist der Rennkalender sehr dicht geplant. Dann ist die Saison vorbei, und es geht gleich wieder neu los. Ich merke in den letzten Jahren, wie die Zeit immer schneller vergeht. Da muss man jeden Tag genießen und dankbar sein, für das, was man machen darf. Dass ich mein liebstes Hobby zum Beruf machen durfte und das auch so genießen kann.

Aber 2012 wird es für Sie nicht solch wichtige Ereignisse wie im abgelaufenen Jahr geben.

Naja, man kann sich seine Höhepunkte auch selber schaffen. Es muss nicht immer ein sportliches Großereignis sein, auf das alle Welt schaut. In dieser Saison sind die Rennen auch schon Höhepunkte, der Heimweltcup in Garmisch zum Beispiel. Und nach der Saison werden wir sicher einen schönen Urlaub machen. Das wird auch toll.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

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