Sport : Deutschlands Spieler sorgen in Polen für ungewohntes Aufsehen

Michael Klein

Manchmal kommt sogar Hans Zach durcheinander mit dem, was er wirklich glaubt und dem, was er die Öffentlichkeit gerne Glauben machen würde. Dem 5:2 gegen Kasachstan beispielsweise konnte er nach außen hin überhaupt nichts Besonderes abgewinnen. "Wir spielen doch immer gut", sagte der Trainer der Eishockey-Nationalmannschaft auf die Frage, ob diese Demonstration das Beste gewesen sei, was eine deutsche Auswahl seit Zachs Amtsübernahme 1998 gezeigt habe. "Ich schau doch nicht nach, wie gut wir wann unter mir gespielt haben."

Dann sei er hier daran erinnert: In den letzten zehn Jahren hat kein Team des Deutschen Eishockey-Bundes bei irgendeinem Turnier über bislang sechs Spiele so überzeugend agiert wie jetzt bei der B-Weltmeisterschaft in Kattowitz. Dabei wäre es nach dem unglücklichen 2:6 gegen Polen am Sonnabend und den Ausfällen der Leistungsträger Jürgen Rumrich und Mark MacKay ein Leichtes gewesen, das Unternehmen sportlicher Wiederaufstieg zu den Akten zu legen und ein bisschen zu probieren, schließlich ist Deutschland als Gastgeber der WM 2001 ohnehin bereits für die Titelkämpfe qualifiziert. Tatsächlich waren die Abgesänge vor dem Spiel gegen Kasachstan schon vorbereitet.

Man hätte es besser wissen müssen: "Meistens hole ich aus meinen Mannschaften alles raus", sagt Zach, "das Problem ist nur, dass ich die Nationalmannschaft hier ja nur ein paar Tage habe und in dieser kurzen Zeit versuchen muss, die Kompaktheit reinzubringen, die Hartäckigkeit und Bissigkeit, mit der jeder stur das selbe machen sollte." Doch was statt der angekündigten "Abwehrschlacht" folgte, war ein Kreativitätsausbruch. Die Deutschen spielten die Kasachen schwindelig und dominierten den Viertelfinalisten der Olympischen Spiele 1998, dem sie 1999 in Kopenhagen noch mit 1:5 unterlegen waren, in allen Belangen.

So richtig erklären kann keiner, was mit dieser Nationalmannschaft unter Zach passiert ist. Als Trainer der Kassel Huskies wird er von Kollegen ob seiner Defensivtaktik als Eishockey-Verhinderer verteufelt, mit der DEB-Auswahl hat er noch viel schlechtere Voraussetzungen als mit seinem Verein, da er keine starken Ausländer als Eckpfeiler einsetzen kann und seine aktuelle Auswahl in der Tat bei ihren jeweiligen Klubs sportlich praktisch keine Rolle spielen.

Vielleicht ist der Mann, dem schon wegen Kleinigkeiten der Kamm schwillt und dessen Nähe auf der Bank die Spieler aus Angst um ihr Trommelfell fürchten, wirklich ein hervorragender Psychologe, der seinen Aktiven etwas einredet, was selbst seiner eigenen Überzeugung nach nicht stimmt: Nämlich, dass sie Eishockey spielen können. Vor dem Kasachstan-Spiel erhielten sie das strikte Verbot, "Kinder-Pässe" zu spielen - und außerdem eine Lektion, beim Stoppen einer springenden Scheibe doch bitteschön den Schlittschuh hinter dem Schläger zu platzieren. "In Kanada lernen sie das im Kindergarten", sagt Zach, der nun 25jährigen Anfängerlektionen vermittelt.

Klar ist, da die Kasachen allesamt viel besser ausgebildet sind als die Deutschen, doch bei der Umsetzung versagten sie kläglich, dabei hatte sich Zach hier ebenfalls extreme Mühe bei der Einschätzung des Gegners gegeben: "Die sind richtig vollgefressen, und dann hauen sie es auf dem Eis raus, damit die Maschine brennt." Auch diese Meinung ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, zu 100 Prozent glaubhaft ist allerdings, da er bei allem immer nur das Beste für das deutsche Eishockey im Sinn hat. Deshalb weiß er auch, welchen Kasachen er gerne auf seiner Seite hätte: Den dreifachen Ringer-Olympiasieger Karelin. "Der hat über seine Ziele gesagt: "Was ich will, ist wirtschaftliche Stabilität und für jeden Schulhof ein Eisstadion."

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