Deutschlands Team-Manager : Oliver Bierhoff: "Wir waren dicht dran"

In Südafrika ist Oliver Bierhoff zum dritten Mal als Manager des Nationalteams dabei. Hier spricht er über den WM-Verlauf und erklärt, warum über die Zukunft von Joachim Löw nicht schon am Sonntag entschieden wird.

Team-Manager Oliver Bierhof (l.) zieht ein positives Fazit für das Abschneiden der deutschen Mannschaft.
Team-Manager Oliver Bierhof (l.) zieht ein positives Fazit für das Abschneiden der deutschen Mannschaft.Foto: dpa

TAGESSPIEGEL: Herr Bierhoff, die Nationalmannschaft hat das Halbfinale verloren. Wird sie trotzdem auf die Fanmeile nach Berlin reisen?

OLIVER BIERHOFF: Nein. Ich habe vor dem Spiel hier in Durban mit dem Mannschaftsrat gesprochen und wir haben uns anders entschieden. Wir werden nach dem Spiel um den dritten Platz in Port Elizabeth noch am Abend zurückreisen in unser WM-Quartier bei Pretoria, die Koffer packen und dann am Sonntagabend die Heimreise antreten. Von Johannesburg geht es dann mit dem Airbus A380 gleich nach Frankfurt.

TAGESSPIEGEL: Wann ziehen Sie ein Fazit dieser WM?

OLIVER BIERHOFF: Am Sonntag, in unserem Quartier. Der Bundestrainer wird kommen, auch Theo Zwanziger wird da sein, der Präsident. Und unseren Mannschaftskapitän will ich auch noch versuchen zu überzeugen, ebenfalls dazuzukommen.

TAGESSPIEGEL: Wir fällt denn Ihr Fazit aus?

OLIVER BIERHOFF: Es war eine sehr erfolgreiche Weltmeisterschaft, denke ich. Spanien hat letztlich verdient gewonnen. Die Entscheidung fiel durch eine Standardsituation – mit etwas Glück hätten wir ja auch ein Tor machen können durch Toni Kroos und hätten das Spiel sogar gewonnen. Aber die Spanier waren wirklich sehr stark am Ball, haben ihn gut gehalten und uns wenig Raum zur Entfaltung gelassen, anders als die Argentinier im Viertelfinale. Wenn wir mal punktuell einen Konter setzen konnten, klappte das nicht so präzise, wie wir es in den letzten WM-Wochen gewohnt waren. Vor allem in der ersten Halbzeit hatte man das Gefühl, dass eine gewisse Nervosität da war und keine Sicherheit und kein Zutrauen in die eignen Stärken.

TAGESSPIEGEL: Mit dem Titel hat es auch bei der EM 2008 nicht geklappt, und auch bei der WM 2006 sind sie im Halbfinale ausgeschieden.

OLIVER BIERHOFF: Wenn ich es mit dem Finale vor zwei Jahren vergleiche, würde ich sagen, dass wir dichter an Spanien herangerückt sind. Wir haben mehr Reaktionen gesetzt als damals. Und im Vergleich zur WM 2006, als wir gegen Italien verloren und die Entscheidung in der letzten Minute fiel, würde ich unsere Leistung noch höher einschätzen. Damals waren wir erfahrener, haben in der Heimat gespielt und konnten diesen Schwung mitnehmen. Diesmal hatten wir auch noch weniger Zeit, uns zu finden. Aber gut, es hat nicht gereicht.

TAGESSPIEGEL: Und jetzt müssen Sie schon wieder zu einem Spiel antreten, dass ziemlich unbedeutend ist.

OLIVER BIERHOFF: Wir wollen uns von dieser WM verabschieden, auch wenn natürlich eine große Enttäuschung nach dem Abpfiff in der Kabine herrschte. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Bundestrainer am Sonnabend den einen oder anderen Spieler einsetzen wird, der bisher nicht zum Zuge kam. Und trotzdem wollen wir alle dieses Spiel gewinnen.

TAGESSPIEGEL: Wann fällt die Entscheidung, wie es mit Ihnen und dem Bundestrainer weitergeht? Schon am Sonntag, wenn Herr Zwanziger kommt?

OLIVER BIERHOFF: Sie fällt nicht am Sonntag.

TAGESSPIEGEL: Sondern?

OLIVER BIERHOFF: Uns ist klar, dass der Deutsche Fußball-Bund auch Klarheit haben will. Ich muss jetzt mit Jogi reden, auch mit Hansi und Andi, den beiden anderen Trainern. Wir haben uns jetzt so viele Wochen auf diese eine Aufgabe fokussiert, da blieb kein Platz für andere Gedanken. Das werden wir jetzt machen. Wie ich Jogi kenne, will er zwei, drei Tage durchschnaufen. Dann reden wir.

Aufgezeichnet von André Görke.

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