Sport : Dezimiert, nicht deprimiert

In Unterzahl kommt Bayern München beim RSC Anderlecht noch zu einem 1:1-Unentschieden

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Brüssel (Tsp). Uli Hoeneß ist ein Mensch, der sich immer ganz besonders freut, wenn seine Pläne aufgehen. Gestern Abend, um kurz vor neun, muss der Manager des FC Bayern München einiges Vergnügen empfunden haben. Hoeneß hatte die eigene Mannschaft nach dem 2:1Sieg in Rostock heftig kritisiert, ihr eine Art Selbstzufriedenheit vorgeworfen. Die Spieler hatten die Kritik vernommen und entsprechend reagiert. Von Laisser-faire – ein weiterer Kritikpunkt des Managers – war in den ersten Minuten des Champions-League-Gruppenspiels der Bayern beim RSC Anderlecht nichts zu spüren. Die Münchner setzten den Tabellenführer der belgischen Liga mit gepflegtem Kombinationsspiel so unter Druck, dass sie allein in den ersten 20 Minuten zu fünf Eckbällen kamen. Der fünfte war allerdings auch der letzte für die nächsten 40 Minuten. Der von Hoeneß beklagte Schlendrian kehrte wieder ein. Immerhin sicherte sich die Mannschaft am Ende in Unterzahl noch ein 1:1-Unentschieden. Eine Viertelstunde vor Schluss erzielte Roque Santa Cruz den Ausgleich.

Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld hatte seine Mannschaft, wie angekündigt, auf drei Positionen im Vergleich zum Spiel in Rostock verändert. Für Schweinsteiger, Santa Cruz und Salihamidzic rückten Zé Roberto, Hargreaves und Pizarro in die Mannschaft. Der peruanische Stürmer aber hatte nicht viel Freude an seinem Einsatz. Kurz vor der Pause sah Pizarro nach zwei Fouls innerhalb von einer Minute erst die Gelbe und dann die Gelb-Rote Karte. „Die war ein Witz“, sagte Manager Hoeneß. Zu lachen war ihm trotzdem nicht zumute. Schon vor dem Platzverweis hatten die Bayern ihre Dominanz mehr oder weniger kampflos preisgegeben. In der 17. Minute geriet das Tor von Oliver Kahn zum ersten Mal in Gefahr. RSC-Kapitän Walter Baseggio setzte einen Freistoß aus 22 Metern knapp über die Latte.

Nach dem Platzverweis, in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit, kamen die Bayern kaum noch aus ihrer Hälfte heraus. Allerdings konnte der belgische Vizemeister seine Überlegenheit erst einmal nicht zu Torgelegenheiten nutzen. Anderlecht, eigentlich auf Konter ausgerichtet, schien ein wenig überfordert mit der Aufgabe, nun selbst das Spiel zu gestalten.

Erst nach der Pause wurden die Belgier gefährlicher. In der 53. Minute gelang Ivica Mornar die Führung. Nachdem Aruna Bayerns Verteidiger Robert Kovac an der Torauslinie ausgetrickst hatte, musste der frühere Frankfurter den Ball nur noch ins leere Tor drücken. Kovac’ läppisches Defensivverhalten wird die Diskussion über die Qualität der Bayern-Abwehr wohl noch mal verschärfen. Hitzfeld wechselte danach dreimal, brachte genau die drei Spieler, die er nach dem Spiel in Rostock auf der Bank gelassen hatte – und machte alles richtig: Nach einer Flanke des eingewechselten Salihamidzic traf der eingewechselte Santa Cruz per Kopf zum 1:1.

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