DFB-Affäre : Amerell klagt, Zwanziger zieht sich zurück

Theo Zwanziger hat den Deutschen Fußball-Bund verlassen, allerdings nur vorerst. Er könnte sich bald einer Abstimmung stellen. In der öffentlichen Schlammschlacht zwischen Manfred Amerell und mehreren Schiedsrichtern, die dem zurückgetretenen Schiedsrichter-Funktionär sexuelle Belästigung vorwerfen, gibt es dagegen keine Ruhepause.

von und
DFB-Chef Zwanziger droht bei Prozessniederlage mit Ruecktritt
Auszeit: DFB-Chef Theo Zwanziger.Foto: ddp

Berlin - Theo Zwanziger hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) verlassen, allerdings nur vorerst. Der DFB-Präsident hat sich für einige Tage zurückgezogen, um über alles nachzudenken, ließ der Verband am Montag ausrichten. Öffentlich äußern wolle sich Zwanziger bis zum Freitag jedenfalls nicht mehr. Erst an diesem Tag soll Zwanziger wieder in die Verbandszentrale nach Frankfurt am Main kommen, um eine Präsidiumssitzung zu leiten. Bei der soll es um die mögliche sexuelle Belästigung unter Schiedsrichtern und die hemdsärmelige Aufarbeitung dieser Affäre durch den DFB gehen. Der Rücktritt von Schiedsrichterchef Volker Roth ist nicht mehr ausgeschlossen.

Unsichtbar auf der Tagesordnung steht auch Zwanzigers Zukunft im Amt. In Verbandskreisen heißt es, der 64-Jährige könnte die Vertrauensfrage stellen und einen Verbandstag einberufen, bei dem er sich zur Abstimmung stellt. Aus Zwanzigers Umgebung gibt es aber auch Rätselraten um die Frage, ob der zuletzt dünnhäutig auftretende Funktionär nach der heftigen öffentlichen Kritik an seinem Umgang mit der Affäre überhaupt noch weitermachen wolle. Er dürfte in diesen Tagen zumindest darüber nachdenken. Die Stille in der Verbandszentrale könnte auch der Vorbote eines Umbruchs sein.

In der öffentlichen Schlammschlacht zwischen dem zurückgetretenen Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell und mehreren Unparteiischen, die Amerell sexuelle Belästigung vorwerfen, gibt es dagegen keine Ruhepause. Amerell reichte nach Informationen des Tagesspiegels beim Münchner Landgericht I Strafanzeige wegen Verleumdung sowie eine Schadenersatzklage gegen Michael Kempter ein. Der 27 Jahre junge Referee hatte die Vorwürfe gegen den 63-Jährigen beim DFB und in der Öffentlichkeit angezeigt. Amerells Anwalt Jürgen Langer verweigerte hierzu mit Hinweis auf „das schwebende Verfahren“ jeden Kommentar.

Mindestens ein bislang ungenannter Schiedsrichter hat derweil angekündigt, dass er gegen Amerell Anzeige wegen sexueller Belästigung erstatten wolle. Amerell ließ dazu auf Anfrage mitteilen: „Das ist das Beste, was mir passieren kann. Denn dann muss der Herr vor einem offiziellen Vernehmungsbeamten seine Story erzählen.“ Den Vorwurf der sexuellen Belästigung ließ er „aufs Schärfste“ zurückweisen. Nach Informationen des Tagesspiegels räumt er sehr enge Kontakte zu den Unparteiischen ein, diese aber hätten im gegenseitigen Einvernehmen stattgefunden.

Der DFB versucht offenbar, aus der Auseinandersetzung zwischen Amerell und Kempter mit an die Öffentlichkeit gezerrten intimen Details etwas Schärfe herauszunehmen. „Wir können nicht jeden Tag neue SMS-Nachrichten und E–Mails, die Herr Kempter angeblich an Herrn Amerell gesandt hat, kommentieren“, sagte ein Verbandssprecher. Informationen, wonach Amerell und Kempter vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung vergeblich beim DFB auf eine stille Einigung gedrungen hätten, wollte der Sprecher ebenfalls nicht kommentieren.

Es herrscht derzeit Stille in der Verbandszentrale. Zumindest nach außen hin. Frank Bachner/Robert Ide

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben