DFB : Der Bundestrainer - meistens ein Volksheld

Der DFB war nicht zu allen seinen Bundestrainern nett, aber nie so stillos wie bei Joachim Löw.

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Foto: p-a/dpadpa

Berlin - Eine deutsche Nationalmannschaft gibt es seit bald 102 Jahren, nicht immer stand ihr ein Trainer vor. Bis Otto Nerz 1926 diesen Job antrat, wurde die Mannschaft nach dem Prinzip des Proporz’ von Verbandsfürsten aufgestellt. Joachim Löw ist die Nummer zehn auf der Liste der ranghöchsten deutschen Fußballlehrer. Der DFB war nicht zu allen nett, aber so stillos wie mit Löw ist er noch mit keinem umgegangen. Ein Rückblick:

Otto Nerz trug bei seiner Amtsübernahme noch den Titel eines Reichstrainers. Er war ein strammer Nazi und führte die Nationalmannschaft 1934 bei der WM des Duce in Italien immerhin auf Platz drei. Dann aber beging er den unverzeihlichen Fehler, im Viertelfinale der Olympischen Spiele von Berlin seine besten Leute zu schonen, als Adolf Hitler zum ersten Mal bei einem Fußballspiel zuschaute. Deutschland verlor 0:2 gegen Norwegen, beide Tore schoss ein Mann mit dem schönen Namen Isaksen – zuweilen hat der Fußballgott hübsche Einfälle. Nerz war nicht mehr zu halten, nur sagen mochte es ihm niemand. Zum ersten Länderspiel nach Olympia ignorierten ihn die Verbands-Granden einfach und luden zur Betreuung „Herrn Herberger, Duisburg“ ein. Das Theater zog sich hin bis in den Mai 1938 (!), dann gab Nerz auf.

Sepp Herberger wurde 1954 in Bern zum Volkshelden und blieb, bis er 67 war. Es fiel dem DFB nicht leicht, dem störrischen Alten die Abdankung zu vermitteln. Herberger wurde im Alter immer schrulliger – zur WM 1962 etwa wollte er den 41 Jahre alten und drei Jahre zuvor zurückgetretenen Fritz Walter mitnehmen. Nach monatelangen auch über die Presse ausgetragenen Scharmützeln mit dem DFB machte er 1964 Platz für Helmut Schön, den er immer zu weich hielt für den Job des Bundestrainers.

Schön aber emanzipierte sich schnell, er hatte Erfolg, den größten beim Gewinn der Heim-WM 1974. Der DFB ließ ihn gewähren, auch als vor und während der WM der Streit um Prämienverhandlungen und die Kasernierung der Nationalmannschaft öffentlich wurde. Schön hatte stets Wert darauf gelegt, das Heft des Handelns in der Hand zu halten. Schon vor der WM 1978 in Argentinien annoncierte er seinen Rücktritt für das Jahr nach dem Turnier.

Sein Nachfolger Jupp Derwall war der erste Bundestrainer, den der DFB aus einem laufenden Vertrag entließ. Derwall war auch der erste, der einer Intrige von außen zum Opfer fiel. Nach dem Vorrundenaus bei der Europameisterschaft 1984 in Frankreich ließ sich Franz Beckenbauer mithilfe der „Bild“-Zeitung als Teamchef inthronisieren. Derwall wurde nicht weiter gefragt. Beckenbauer machte den Job, so lange er Spaß daran hatte, bis zum WM-Triumph 1990 in Italien. Seine Schuhe wären wahrscheinlich jedem zu groß gewesen. Berti Vogts hatte dazu das Problem, dass „Bild“ ihn nicht ernst nahm. 1998 trat Vogts, der zwei Jahre zuvor Europameister geworden war, entnervt zurück.

Seinen Nachfolger Erich Ribbeck stieß der DFB schon mal dadurch vor den Kopf, dass er ihm den Job überhaupt anbot. Nach zwei Jahren war der Spuk vorbei und der hilflose Verband kam zufällig und ohne eigenes Dazutun zu einer perfekten Lösung mit Rudi Völler. Noch peinlicher wurde es, als Völler nach der missratenen EM 2004 in Portugal nicht mehr wollte und der DFB mit seiner Trainerfindungskommission (TFK) allgemeine Heiterkeit provozierte. So kam Jürgen Klinsmann ins Spiel, er war schon mal deshalb kein Wunschkandidat, weil er „den ganzen Laden auseinandernehmen“ wollte. Der DFB hätte ihn kurz vor der WM auf Druck von „Bild“ kalt lächelnd geopfert, wäre nicht zur rechten Zeit ein Sieg über die USA gekommen. Den Druck, dem Klinsmann in den eineinhalb Jahren vor dem Sommermärchen ausgesetzt war, hat sein Nachfolger Löw nie gespürt. Damit ist es seit dieser Woche vorbei.

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