DFB : Eine Regionalliga-Reform zwischen Schulterklopfen und Schnittchen

Ab 2013 wird es statt drei Regionalligen fünf geben – den Amateuren reicht diese Änderung nicht. Der Aufwand für unattraktive Spiele ohne Derbycharakter kostete viele Klubs schon die Existenz.

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Für die hohen Herren des Fußballs ist alles wie so oft bei einem Wiedersehen. Sie klopfen sich lachend auf die dunklen Jacketts. Beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Essen foppen sich die Funktionäre gegenseitig: „Darfst Du heute die Kanzlerin in den Saal führen?“ Doch abgesehen vom Lästern über einen Fauxpas ihres alten und neuen Präsidenten Theo Zwanziger üben sich alle in Harmonie. Sogar der einzige strittige Punkt wurde gestern vor der Feierstunde schnell abgeräumt: die Reform der Regionalliga.

„Das sind doch alles faule Kompromisse“, sagt Helmuth Korte. Der Präsident des Hamburger Fußballklubs SC Victoria hält den Amateurfußall nur für bezahlbar, wenn die Liga wirklich regional wird. „Wer soll sonst die weiten Fahrten bezahlen?“ In der jetzigen Regionalliga kann es vorkommen, dass eine Mannschaft mehr als 1000 Kilometer hin und her fahren muss. Deshalb hat Korte für seinen Verein gar nicht erst eine Lizenz zum Aufstieg beantragt. Dabei gewinnt der SC Victoria seit vier Jahren regelmäßig die Hamburger Oberliga. Die finanziellen Mehrkosten, die hohen Sicherheitsauflagen durch den DFB, all das will Korte seinem Verein nicht zumuten. Vor zwei Jahren stieg die Reserve des FC St. Pauli in die Regionalliga Nord/Nordost auf – als Fünfter. Die vier Vereine davor hatten abgelehnt.

„So konnte es nicht weitergehen“, sagt Rainer Koch, der einflussreiche DFB-Vizepräsident aus Bayern. Koch verhandelte wochenlang hinter den Kulissen für die Interessen der Amateure gegen den Widerstand der Profis. Die wollten die Regionalligen am liebsten so belassen wie sie sind, da sie eine wichtige Spielbühne für ihre zweiten Mannschaften darstellen. Ab 2013 nun wird es statt drei Regionalligen fünf geben. Die Aufsteiger in die Dritte Liga werden in einer Relegationsrunde ermittelt. Die Aufsplitterung der Ligen führt etwa dazu, dass es im Nordosten künftig wieder eine Amateurliga geben wird, in der viele DDR-Traditionsklubs unter sich spielen können. Nach Hamburg müsste keiner mehr, der Norden hat nun eine eigene Klasse.

Der Aufwand für unattraktive Spiele ohne Derbycharakter kostete viele Klubs schon die Existenz. Neben Tennis Borussia in Berlin schrammte auch Türkiyemspor knapp an der Pleite vorbei. Im Süden scheiterten der SSV Reutlingen und Eintracht Bamberg, im Westen mussten Rot-Weiß Essen, der Bonner SC und Waldhof Mannheim die Insolvenz beantragen.

Bis zum gestrigen Abend wurde in Essen um eine gesündere Struktur auf Amateurebene gerungen. Eine eigene Liga für die zweiten Mannschaften der Profivereine wurde von der Bundesliga abgelehnt. Das Bemühen der Landesverbände, sechs etwa gleich große Regionalligen einzurichten, scheiterte ebenso. „Mit sechs Ligen verwässert der Wettbewerb zu sehr“, sagte Reinhard Rauball, Chef der Deutschen Fußball-Liga, auf Nachfrage. In vielen Regionen, etwa im westdeutschen Kernland des Fußballs, dürfte die Verkleinerung der Spielgebiete den Amateurklubs helfen – auch weil pro Liga nur sieben Reserveteams von Profiklubs mitmachen dürfen. Nur der Südwesten behält eine Regionalliga, die von der französischen Grenze bis nach Ulm reicht. Hier dürften auch künftig viele Klubs auf einen Aufstieg dankend verzichten.

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