Sport : DFB: Einer gegen die Eintracht

Die Delegierten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben Gerhard Mayer-Vorfelder mit einem überwältigenden Votum zum neunten Präsidenten ihrer 101-jährigen Verbandsgeschichte erklärt. Der 68-jährige, der sich ohne Gegenkandidat um die Nachfolge von Egidius Braun bewarb, erhielt am Samstag beim 37. DFB-Bundestag in Magdeburg 254 der 256 Stimmen. Ein Delegierter stimmte gegen ihn, hinzu kam eine Enthaltung.

Auch bei der weiteren Zusammenstellung des nun zwölfköpfigen Präsidiums sowie in fast allen Sachfragen gab es keine Differenzen. "Hinter den Kulissen wird schon kontrovers diskutiert. Aber wenn man geschlossen in der Öffentlichkeit auftritt, muss man eine einheitliche Linie vertreten", sagte Franz Beckenbauer, der als Chef der WM 2006 weiter im Präsidium ist, aber sein Amt als Vize abgab. Die im vergangenen September beim außerordentlichen Bundestag in Mainz verabschiedete Strukturreform mit der künftigen Teilung von Verband und Liga ist damit in den Satzungen und in der personellen Führung des weltgrößten Sportfachverbandes der Welt verankert. Zudem wurde auch beschlossen, dass im Amateurbereich Vereine, über die das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, automatisch in die nächste Klasse absteigen.

"Mehr Selbstständigkeit bedeutet nicht Spaltung", erklärte Mayer-Vorfelder in einer unspektakulären Rede, in der er sich mit Visionen zurückhielt, dafür der Einheit des deutschen Fußballs Priorität einräumte. "Die vermeintlichen Gegensätze sind Unsinn", betonte Mayer-Vorfelder: "Ohne Breite könnte die Spitze gar nicht entstehen."

"MV" machte klar, dass er den Einfluss des Präsidenten durch die Strukturreform nicht geschmälert sieht. "Ich werde manche noch enttäuschen, die von einem Tiger ohne Zähne oder einem König ohne Reich gesprochen haben", betonte er. An die Adresse der Profivereine, die mit 80 Delegierten künftig eine Sperrminorität im Bundestag besitzen, wiederholte Mayer-Vorfelder seinen Widerstand gegen Auswüchse: "Man muss die Grenzen festlegen."

Zu diesem Zweck kündigte er ein Grundsatzgespräch mit Ligapräsident Werner Hackmann an, der gemeinsam mit Liga-Direktor Wilfried Straub als Vertreter der Profis im DFB-Präsidium sitzt. Differenzen gibt es zwischen beiden in Vermarktungsfragen sowie im Schiedsrichterwesen. Mayer-Vorfelder sprach sich vehement gegen die von Hackmann vorgeschlagene Torkamera aus: "Die elektronische Überwachung wäre der Tod des Fußballs."

Die dreitägige und knapp 500 000 Mark teure Veranstaltung in Magdeburg war - wie so oft bei früheren Bundestagen - geprägt von Harmonie, Eintracht und Selbstzufriedenheit. In monatelanger Kleinarbeit und mit einer Wahlkampf-Tournee quer durch die 21 Landesverbände hatte die Führungsriege um Mayer-Vorfelder alle Ungereimtheiten beseitigt und sich gegen böse Überraschungen abgesichert. Dass der Schatzmeister des bayerischen Fußball-Verbandes, Günther Lommer, gegen die Ernennung Mayer-Vorfelders votierte, war allenfalls ein Schönheitsfleck. Mayer-Vorfelder: "Ich werde mich in den nächsten drei Jahren bemühen, auch die eine Gegenstimme davon zu überzeugen, dass sie falsch lag."

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